Ajax’ Innenverteidiger Davinson Sanchez (5) passt zu Flügelstürmer Amin Younes (11), der in die Mitte dribbelt und zu Hakim Ziyech (22) spielt. Ziyech passt zu Daley Sinkgraven (8), der inzwischen die Position von Younes eingenommen hat. Sinkgraven läuft auf dem linken Flügel bis zur Torauslinie, passt flach in den Strafraum, wo Mittelstürmer Kasper Dolberg (25) den Ball mit der Ferse zu Spielmacher Davy Klaassen (10) weiterleitet, der das Tor nur knapp verfehlt. Dieser Spielzug beim 3:2-Sieg gegen Utrecht am 2. Oktober 2016 ist typisch für Ajax Amsterdam. Die Spielweise des niederländischen Klubs ist traditionell stark an die klare, aber flexible Struktur des 4-3-3 gebunden.
Klare Struktur
Fast pedantisch symmetrisch erscheint das 4-3-3, in dem sich Ajax bei Ballbesitz formiert. Die klare Formation liefert die Grundlage für das Passspiel. Denn durch die dafür notwendigen Dreiecke ergeben sich stets nahe Anspielstationen. Ballbesitz, Positionswechsel und Flügelspiel, wie sie im Totaalvoetbal der 1970er praktiziert wurden, werden seit dem Amtsantritt von Trainer Frank de Boer 2010 sowohl in der Nachwuchsakademie De Toekomst als auch in der Kampfmannschaft wieder stärker praktiziert. Peter Bosz, der seit Saisonbeginn de Boer ersetzt, führt diese Gewichtung fort.
Herzstück des 4-3-3 ist das spielstarke Mittelfelddreieck. Die Spieler bleiben darin zentral und staffeln sich so, dass einer von ihnen, etwa Lasse Schöne, das Spiel aus der Tiefe gestaltet, während die beiden anderen etwas offensiver agieren. Klaassen bewegt sich häufig direkt hinter den Spitzen und tauscht auch mit dem Mittelstürmer die Position. Gegen Mannschaften, die in einem 4-4-2 agieren, hat Ajax damit ein zahlenmäßiges Übergewicht. Dadurch fällt es der Mannschaft in Ballbesitz leichter, das Geschehen zu kontrollieren.
Anfälligkeit bei Pressing
Manchmal verwandelt sich das 4-3-3 aber auch in ein 3-4-3, etwa wenn sich der Sechser im Spielaufbau fallen lässt und die Außenverteidiger aufrücken. Vor dem gegnerischen Strafraum kombiniert sich Ajax oft in der Mitte mit schnellen Doppelpässen vor das Tor. Häufig greift das Team auch über die Flügelstürmer an, ab und zu mit hohen und weiten Bällen in die Spitze. Das gegnerische Pressing versucht Ajax mit kurzen Pässen zu überspielen. In der Nähe des eigenen Tors kann das gerade auf internationalem Niveau gefährlich werden, wenn die Gegner ihr Angriffspressing gut organisieren. Das musste Ajax etwa 2014 gegen Roger Schmidts Red Bull Salzburg erfahren.
Bei Ballverlust verteidigt Ajax in der eigenen Hälfte oft im 4-3-2-1. Spielt der Gegner geordnet von hinten heraus, presst die Offensivreihe schon sehr früh und formiert sich dann im 4-4-2, die Mittelfeldspieler rücken bei Bedarf vereinzelt nach. So gelingt es, tief stehende Abwehrreihen schon zu Beginn einer Partie unter Druck zu setzen und Torchancen zu erspielen.