„Das Fernsehen gibt das Versprechen des Dabeiseins aus der Ferne.“
Lokalrunde
„Der BVB, der BVB, wird niemals untergehen.“ Es ist Derby – Borussia Dortmund empfängt den FC Schalke 04. Die BVB-Fans singen lautstark mit, was ihnen der junge Mann mit dem Megafon in der Hand vorgibt. Bei der Anreise haben sie sich hinter ihrem Transparent versammelt und sind gemeinsam im Corteo marschiert – über die Währinger Straße. Ihr Ziel war nicht das Westfalenstadion in Dortmund, sondern das Saxx in Wien-Alsergrund. Die „BVB Supportes Vienna“ haben heute das Lokal gemietet, um das Ruhrpottderby gemeinsam im Fernsehen zu verfolgen. Die Wiener BVB-Fans folgen damit einem weit verbreiteten Trend. Denn Fußball ist nicht nur im Stadion ein Gemeinschaftserlebnis samt selbstgemachter Atmosphäre. Die Höhepunkte des kollektiven Lokalbesuchs samt Live-Fußball finden alle zwei Jahre zu Europa- und Weltmeisterschaften statt, und man kann sich ihnen selbst beim besten Willen nicht entziehen, schließlich läuft in so ziemlich jedem Lokal ein Fernseher mit Fußball. Doch nicht nur während dieser Turnierwochen gibt es Fußball beim Wirt, Woche für Woche übertragen zahlreiche Lokale Spiele live. Fans in Real-, Bayern- und Liverpool-Dress füllen die Lokale, um Teams aus ganz Europa nahe zu sein – zumindest vor der Leinwand oder dem Fernseher. „Das Fernsehen gibt das Versprechen des Dabeiseins aus der Ferne“, sagt Medienwissenschaftler Vrääth Öhner. „Gerade der Sport und speziell der Fußball kann dieses Versprechen aufgrund seiner Nicht-Wiederholbarkeit einlösen. Es macht einen Unterschied, ob ich ein Spiel live sehe oder eine Aufzeichnung. Beim Livespiel kann ich in dem Moment dabei sein, wo es sich entscheidet. Wie Fangruppen im Stadion haben auch die BVB-Fans im Saxx ihre Rituale. Auf dem Tisch des Vorsängers steht ein Sparschwein, und wer während der Partie aufs Klo geht, muss zahlen. „Mehr, wenn er dadurch ein Tor versäumt“, sagt einer der Fans. Eine doppelte Bestrafung gibt es an diesem Abend nicht, in Dortmund fällt kein Tor. Der Stimmung unter den BVB-Fans tut das keinen Abbruch. Nach einer schwachen ersten Halbzeit kommen die Dortmunder immer besser ins Spiel, die Fans im Saxx singen die Lieder der gut hör¬ baren Südtribüne mit. Lucia, Obfrau der „Supporters“, sagt: „Die meisten von uns haben Sky-Abos, aber keiner will allein zu Hause schauen. Es ist wie im Stadion. Du brauchst vertraute Gesichter, du brauchst Unterhaltung.“
Derby an der U6
Gerade einmal vier U-Bahn-Stationen von den Dortmundern entfernt verfolgen Joachim und Michael das Ruhrpottderby. Sie sitzen in der ersten Reihe vor der Leinwand im Chelsea. „Im Lokal macht Fußballschauen einfach mehr Spaß, es gibt eine gute Getränkeauswahl, und ich kann Freunde treffen“, sagt Joachim, der ein älteres Schalke-Trikot mit der Nummer sieben und dem Namen Raul trägt. Der Raum unter den U-Bahn-Bögen ist gut gefüllt, gesungen wird dort heute nicht, und anders als im Saxx ist das Publikum sichtbar gemischt. Fast die Hälfte der anwesenden Fans bekennt mit einem Kleidungsstück Farbe, die Dortmunder sind leicht in der Überzahl. „Seit den jüngsten Erfolgen von Dortmund bin ich es gewohnt, in der Minderheit zu sein“, sagt Michael, ausstaffiert mit Schalke-Kappe und dem aktuellen Trikot von Kapitän Benedikt Höwedes. „Aber das macht mir nichts aus. Im Gegenteil die Trikots bringen ein bisschen Stadionatmosphäre hinein.“
Taugt das Lokal als Stadionersatz? Es sei ein Mittelweg, sagt Medienwissenschaftler Öhner, das gemeinsame Fußballschauen könne die Annehmlichkeiten des Fernsehens und des Stadionbesuchs verbinden. „Ich habe all die visuellen Vorteile, die das Fernsehen bietet, also Wiederholungen spielentscheidender Szenen, Zeitlupeneinstellungen, diverse Kamerawinkel“, sagt er. „Gleichzeitig übertragen sich die emotionalen Wellen, die so ein Spiel begleiten, in einem kollektiven Zusammenhang besser, als wenn ich allein vor dem Fernseher sitze.“
Das zeigt sich wenige Stunden vor dem Ruhrpottderby auch im Highlander in Wien-Alsergrund, hier trifft sich Woche für Woche eine Gruppe Tottenham-Fans, um ihrer Mannschaft auf die Beine zu schauen. Heute geht es gegen Leicester. „Aufgrund der letzten Saison müssen wir diesmal drüberfahren“, sagt Peter. Leicester, nicht Tottenham, hieß da am Ende der Meister. Doch die Sorgen sind groß. Harry Kane ist immer noch verletzt: „Wer soll denn bitte die Tore machen?“, fragt Christan und nimmt einen großen Schluck von seinem Schladminger-Bier. Und dann wird geschimpft, geflucht, Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Aufstehen bei jeder Großchance, hinsetzen, nachdem der Ball im dritten Rang landet. Ärgern, einen Schluck Bier trinken und sich vor Wut die Zigarette verkehrt herum anzünden. Fast wie im Stadion.
Lokal statt local club
Die meisten von ihnen seien auch tatsächlich Stadiongeher, sagen die Tottenham-Fans. Viele haben sich an der White Hart Lane erstmals persönlich kennengelernt. „Vorher waren wir über ein Fanforum im Internet in Kontakt“, sagt Richard. Seitdem wird gemeinsam Fußball geschaut. Im Lokal. Mehrmals im Jahr auch in London. Auch die BVB-Fans im Saxx schwören auf das Erlebnis Westfalenstadion, öfters veranstaltet der Fanklub gemeinsame Reisen nach Dortmund. Georg zeigt sogar seine Dauerkarte für die Süd¬ tribüne, wegen beruflicher Verpflichtungen bleibt sein Platz im Stadion heute leer. Denn bei allem Komfort im Lokal, ihren Verein tatsächlich im Stadion sehen zu können, sei doch etwas anderes, da sind sich alle einig. „Das ist ein anderes Spiel“, sagt Wissenschaftler Öhner. „Im Stadion kann ich hinschauen, wo ich will. Im Fernsehen bin ich auf die Perspektive beschränkt, die mir die Regie anbietet – meistens auf den Ball.“
Zeitgleich mit dem Ruhrpottderby laufen drei Spiele der österreichischen Bundesliga, zu sehen ist im Chelsea keines davon. Die Leinwand und die zwei Fernseher im größeren Raum sind Dortmund und Schalke vorbehalten, im kleineren sehen rund 15 Fans Liverpools 4:2-Sieg bei Crystal Palace. Fragt man die fernschauenden Fans, warum sie denn nicht in ein Stadion in der Nähe gehen, sind im Wesentlichen die gleichen Antworten zu hören. „Weil der Kick einfach saumäßig ist“, ruft ein BVB-Fan, der sich an der Bar gerade ein Bier holt, durchs Saxx. Beim Schalker Michael klingt das nur einen Hauch besser: „Ich war einmal bei einem Derby im Happel-Stadion, das war das schlechteste Spiel, das ich je vor Ort gesehen habe – Kreisliga inbegriffen.“
Das sportliche Niveau der Liga mag eine Erklärung für die geringe Popularität der österreichischen Bundesliga sein, persönliche Frustrationen sind eine andere. „Ich habe fast jedes Austria-Match auf der alten Westtribüne gesehen“, sagt Christoph. „Doch dann ist Frank Stronach gekommen. Ich habe dann meine ganze Liebe in die Spurs gesteckt.“ Ähnlich stark war die Zäsur für Schalke-Fan Joachim: „In der Meistersaison 2003/04 war ich fast immer im Stadion, aber heute gibt es meinen Verein, den GAK, so nicht mehr.“ So sind die internationalen Zweitvereine irgendwann an die erste Stelle gerückt und das Lokal an die Stelle des Stadions.
Eine schwierige Beziehung
Auch im Saxx läuft einzig das Ruhrpottderby. Das jedoch liegt vor allem an der Abwesenheit von Eigentümer Anton Sachslehner. Denn er hat eine Schwäche für den österreichischen Fußball. „Ich kann diese Jammerei, dass der Fußball so schlecht ist, nicht mehr hören“, sagt er ein paar Tage später. „Woher soll ich das wissen, wenn ich ihn mir nicht anschaue?“ Deswegen zeige er bevorzugt die österreichischen Ligen, auch wenn zu den Spielen in den letzten Jahren immer weniger Gäste kommen würden. „Ein Gast ist jahrelang am Freitag für die zweite Liga gekommen. Der hat eine große Bandbreite gesehen: Manchmal echt gute Kombinationen und Traumtore und dann wieder richtigen Slapstick, fast Kabarett.“
Die Beziehung zwischen dem Fußball und dem Fernsehen ist in Österreich seit Anbeginn kompliziert. „Der Fußball war eines der wichtigsten Angebote, die das frühe Fernsehen seinem Publikum machen konnte“, sagt Öhner. 1955, als es nur rund 1.500 Fernsehgeräte in der Republik gab, zählten Sportsendungen zu den beliebtesten Formaten. Schon bald jedoch fürchteten Vereine und ÖFB das Fernsehen als zu großen Konkurrenten für den Stadionbesuch. Ab den 1960er Jahren verweigerten sie dem ORF die Erlaubnis, live zu übertragen. Erst seit 1998 gibt es regelmäßige Bundesliga-Livespiele im Fernsehen. „Die Angst war nicht unberechtigt“, sagt Öhner. „Es hat eine Entwicklung vom Massenbesuch im Stadion zum massenhaften Fernschauen von Sportereignissen gegeben.“ Doch daraus zieht der Fußball auch seinen Nutzen: Laut Bundesliga-Angaben machen die Einnahmen heute rund zehn bis 15 Prozent der Budgets der Erstligisten aus, in der zweiten Liga ist der Wert noch einmal bis zu zehn Prozent höher. „Darüber hinaus ist die TV-Vermarktung ein wesentlicher Punkt in der Außendarstellung und der Vermarktung des Fußballs“, sagt Liga-Vorstand Christian Ebenbauer.
Die Bedeutung der TV-Sender hat seit der Liberalisierung des Fernsehmarkts und des Einstiegs des Pay-TV Anfang der 2000er Jahre stark zugenommen. Geht es nach der Bundesliga, dürfte sie gern noch mehr steigen. Mit der Saison 2018/19 wird eine Ligareform umgesetzt, die auf eine fernsehtaugliche Maximierung von Spannung und Spitzenspielen setzt. Für das neue Format werden die Übertragungsrechte neu ausgeschrieben, von einer Meisterschaft im Play-off-System erhofft sich die Liga Rekordsummen bei den TV-Verträgen. Während die Gäste in den Wiener Lokalen dem Bundesliga-Fußball verhalten gegenüberstehen, deutet die Einschätzung des derzeitigen Pay-TV¬Partners Sky auf eine gute Verhandlungsposition der Liga hin. „Die Favoriten bei Kunden wie Gästen sind die österreichische und deutsche Bundesliga“, sagt Mario Stuhl, Gebietsverkaufsleiter von Sky Österreich.
Enge Kosten-Nutzen-Rechnung
Sonntag, 11 Uhr, in der Garnisongasse. Ungewöhnlich früh öffnet James, Kellner und Manchester-United-Fan, das Highlander. Es ist Derbytag. Aber nicht seiner, sondern in Nord-London. Tottenham gegen Arsenal. Bereits zwei Stunden vor Anpfiff treffen sich die Fans beider Vereine im Lokal. Auf ein English Breakfast. Das Pub ist gut besucht. Eine Hälfte in Rot, die andere in Weiß. Alles freundschaftlich: „Wir kennen uns seit Jahren. Da wird vorher getrunken, gefachsimpelt, dann gemeinsam das Spiel geschaut. Und dann wieder gemeinsam getrunken“, sagt Jörgen, ein Arsenal-Fan aus Wien. Auch die Tottenham-Gruppe der Vorwoche ist wieder da.
An diesem Sonntagmittag ist im Highlander mit den Fußballfans viel Geld zu verdienen. Doch so eindeutig ist das nicht immer. In der Woche zuvor im Chelsea leert sich der Raum innerhalb weniger Minuten, kaum ist das Ruhrpottderby beendet. Die Fans werden von Besuchern abgelöst, die sich für das Konzert im Nebenraum anstellen. Die große Leinwand wird abgeschaltet, nur auf einem Bildschirm läuft die Vorberichterstattung zum Spitzenspiel der Serie A, Juventus gegen Napoli. Sehen will das niemand. Erst als das Spiel läuft, setzt sich ein junges Paar an die Barhocker, Ricci und Tommaso. Eigentlich wollten sie gemeinsam mit anderen schauen, sagt Ricci. Dass sie nun alleine seien, sei eben Pech. Während das Publikum beim Ruhrpottderby jede wichtigere Aktion mit Kommentaren versehen hat, leiden die beiden relativ still mit Napoli, das 1:2 verliert.
„Ein Gast ist jahrelang am Freitag für die zweite Liga gekommen. Der hat eine große Bandbreite gesehen: Manchmal echt gute Kombinationen und Traumtore und dann wieder richtigen Slapstick, fast Kabarett.“
„Finanziell mache ich mit dem Fußball mittlerweile ein kleines Minus“, sagt Sachslehner. Schuld daran sei auch Sky, das zuletzt die Preise für den Gastrobetrieb deutlich angehoben hat. „Du brauchst ungefähr den vier- bis fünffachen Betrag der Abokosten an Umsatz, damit es sich rentiert“, sagt der Saxx-Eigentümer. „Früher hast du dein Abo ruhend legen können – zum Beispiel in der Sommerpause und im Winter, wenn kein Fußball ist. Das geht nicht mehr. Außerdem musst du das gesamte Sportpaket kaufen, ich habe also auch Wrestling, Golf, Tennis und die Formel eins, was ich nie brauchen werde.“ Mario Stuhl von Sky kann die Kritik nicht nachvollziehen. „Die Preis¬ anpassung ist von den Kunden gut angenommen worden“, sagt er. „Wir haben keinen Anstieg bei den Kündigungen verzeichnet.“
Der Wirt als Strellvertreter
Einer, der aber tatsächlich gekündigt hat, ist Tom Minutilli, Inhaber des London Club. Sein Kellerlokal am Währinger Gürtel gehörte 2010 zu den ersten, die den Clasico zwischen Real Madrid und FC Barcelona auf einer Leinwand übertrugen. Auch heute ist der London Club bei Europacuppartien im Free-TV noch gut besucht, an den normalen Ligaspieltagen am Wochenende will Minutilli aber nicht übertragen, sondern setzt auf Partys. „Sky rentiert sich für ein Lokal mit meiner Ausrichtung einfach nicht mehr“, sagt er, während er einem Stammgast ein Wieselburger und einen Averna Sour serviert. „Außerdem geht das organisierte Fußballschauen in größeren Gruppen eher zurück. Heute hat ja schon jeder eine Leinwand, Sky und was weiß ich nicht alles.“
Minutilli meint damit auch das wachsende Angebot an legalen Möglichkeiten, internationalen Fußball privat zu verfolgen. Im Sommer startete der Streaminganbieter DAZN sein Programm, dazu gehören Übertragungen aus England, Frankreich, Italien und Spanien, die man um knapp zehn Euro monatlich sehen kann. Pay-TV wird für den privaten Gebrauch erschwinglicher, das spüren auch die Wirte – und man könnte durchaus Parallelen zur Entwicklung des Fernsehens ziehen. „Das kollektive Fernsehen war bis in die 1960er Jahre die bestimmende Praxis in Österreich“, sagt Öhner. „Der Wirt hat sich stellvertretend für seine Gäste einen – damals noch sehr teuren – Fernseher gekauft. Die sind dann gekommen, um bei ihm zu schauen, also hat er ein Geschäft gemacht. Das war ein gut funktionierendes Modell.“ Dann hielten die TV-Geräte Einzug in die Haushalte, und der Fußballkonsum im Fernsehen wurde Privatsache – bis Public Viewing und die Globalisierung des Fußballs ihre gemeinsame Erfolgsgeschichte schrieben.
Falsche Versprechen
Die Streamingdienste liefern den Fußball jedoch nicht nur auf das private Smartphone und Tablet, sondern bringen noch eine weitere Änderung für das Konsumverhalten. Das traditionelle Fernsehen setzt mit seinen ausführlichen Vor- und Nachberichten zu den Spielen auf eine möglichst umfassende zeitliche Verlängerung des im Grunde 90-minütigen Spiels. Die On-demand-Anbieter hingegen beschränken sich auf das Kernereignis. „Wir sind davon überzeugt, dass die Zuschauer heutzutage keine langatmigen Vorläufe und Diskussionsrunden gespickt mit Werbeblöcken sehen wollen“, sagt Kay Dammholz von DAZN. „Stattdessen wollen sie kurz vor Anpfiff ins Spiel einsteigen und unmittelbar nach dem Abpfiff bereits weiter zum nächsten Live-Event.“ Lokalen kann das durchaus entgegenkommen, denn in der Regel wird dort auf die Übertragung der Zusatzberichte ohnehin verzichtet: „Bei mir läuft der Ton nur von Anpfiff bis Abpfiff“, sagt Sachslehner. „Davor, danach und in der Halbzeit spiele ich Musik.“ Medienwissenschaftler Öhner erklärt, dass die Kernfunktion der Kommentatoren und Studioexperten beim gemeinsamen Schauen ohnehin durch das Publikum ersetzt wird. „Die Spannungsverarbeitung findet schon während des Schauens statt“, sagt er. „Nach Abpfiff verlängert sie sich in Gespräche darüber, wer jetzt gut gespielt hat oder welche Fehler der Trainer vielleicht gemacht hat. Da machen sich die Fans selbst zu Experten – die sie ja auch sind.“
Die international höchstklassigen Spiele ums Eck schauen, statt für einen mittelmäßigen Kick quer durch die Stadt oder das ganze Land zu fahren. Jede entscheidende Szene in mehrfacher Perspektive wieder und wieder sehen, statt ein Tor zu versäumen, weil man den Blick gerade über die Tribünen wandern lässt. Ein breites Angebot an ausgezeichneten Getränken statt ein fahles Stadionleichtbier, das immer noch genug Alkohol beinhaltet, um nach Spielende nicht mehr mit dem Auto nach Hause fahren zu dürfen. Und das Ganze auch noch, ohne auf das gemeinschaftliche Erlebnis verzichten zu müssen. Die Verlockungen des Fußballs im Lokal sind groß. Und dennoch wird der Fernsehfußball das Stadion als Massenveranstaltungsort nie komplett verdrängen können – auch aus einem ureigenen Interesse der TV-Sender heraus. „Das Fernsehen braucht die Zuschauer ja als Kulisse“, sagt Öhner. „Wenn keine Leute im Stadion sind, kann mir der Kommentator noch so oft erzählen, wie super die Teams nicht spielen, ich denke mir trotzdem: Na ja, das ist ein Sport, der keinen mehr interessiert.“
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