Tottenham Hotspur – Borussia Dortmund

13. September 2017
Wembley Stadium
Zuschauer: 67.343
Resultat: 3:1

„Mate, I hate Wembley!“ Allzu gut ist es noch nicht, das Verhältnis zwischen den Tottenham-Fans und ihrer temporären Heimstätte. Der junge Anhänger, mit dem wir auf dem Fußweg von der U-Bahn zum Stadion ins Gespräch kommen, verweist auf die bis dato traurige und medial als Wembley-Fluch hochgekochte Heimbilanz. Der Unmut hat aber auch ganz profane Gründe: Die Anfahrt aus der Gegend um die White Hart Lane im Norden der Stadt hierher in den Westen ist unter einer Stunde kaum zu schaffen.

Unsere Freude auf den Champions-League-Abend im zweitgrößten Stadion Europas kann das nicht trüben. Auch die 30 Pfund pro Ticket erscheinen für hiesige Verhältnisse noch verkraftbar. Der Andrang ist groß, die Schlange auch kurz vor Anpfiff noch lang. Die Wartezeit am Security-Check vertreiben sich die Fans mit „Yid Army! Yid Army!“-Chants, die in Wellen rund um das Stadion rollen.

Tottenham - BVB
Tottenham - BVB
© Daniel Fuchs

Als Son Heung-Min in der vierten Minute zum 1:0 einnetzt, sind wir noch irgendwo auf den 400 Metern Rolltreppe unterwegs, die uns auf den höchsten Rang direkt über den Auswärtssektor führt. Weitere zwei Tore und ein Zwischenstand von 2:1 nach 15 Minuten entschädigen jedoch für den verpassten Treffer. Dem lauten Dauersupport der etwa 4.000 BVB-Fans tut dies keinen Abbruch. Erst als Harry Kane in der 60. Minute den späteren Endstand von 3:1 fixiert, zeigt sich das volle Potenzial der Tottenham-Anhänger. Als das gesamte Stadion zum klassischen „Oh When the Spurs Go Marching In“ ansetzt, ist sogar aus nächster Nähe von den Dortmundern kaum noch etwas zu hören.

Trotz der klaren Führung beginnen die Zuschauer bereits fünf Minuten vor Spielende, das Stadion zu verlassen. Als der Schiedsrichter abpfeift und den Wembley-Fluch endgültig ins Reich des Aberglaubens verbannt, ist es schon zu großen Teil geleert.

(Daniel Fuchs)