NK Zavrc – NK Celje

24. Oktober 2015
Sportni Park Zavrc
Zuschauer: ca. 300
Resultat: 0:1

„Hoch vom Dachstein an, wo der Aar noch haust, … bis ins Rebenland im Tal der Drav’“ – mit diesen geografischen Eckpunkten beginnt die steirische Landeshymne. Dabei wurde die überwiegend slowenischsprachige Untersteiermark nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie ein Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, das ab 1929 Jugoslawien hieß. Seit 1991 ist sie Bestandteil der Republik Slowenien. Grenzen und Staaten mögen sich verändern, unbeeindruckt davon gedeiht der Wein wie seit Jahrhunderten prächtig auf den Hügeln zwischen Mur und Drau. Im Drautal an der slowenisch-kroatischen Grenze liegt der Weinbauort Zavrc.

© Christian Nell

In dieses verschlafene 1.500-Einwohner-Dorf hat es Anfang Oktober den Floridsdorfer Peter Pacult verschlagen – nicht des Rebensafts wegen, sondern als Trainer des örtlichen Erstligisten. Der Dorfklub hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Von 2008 bis 2013 gelang der Durchmarsch von der sechsten in die erste Liga. Verantwortlich dafür ist Klubpräsident Miran Vuk, einer der erfolgreichsten Unternehmer des Landes und Mäzen des Vereins. Eine Kehrseite des Erfolgs ist allerdings die hohe Fluktuation im Spielerkader und im Trainerstab. Pacult ist bereits der dritte Trainer in der laufenden Saison, und auch er soll das Spiel gegen Celje nicht mehr auf der Bank erleben. Nach nur zweieinhalb Wochen im Amt und zwei Pflichtspielen – einer Niederlage in der Meisterschaft und einem Remis im Hinspiel des Cupviertel-finales gegen den Lokalrivalen Drava Ptuj – ist er tags zuvor per SMS entlassen worden.

Erst recht neugierig geworden, treten wir die gut einstündige Fahrt nach Zavrc an. Der Sportplatz am Ortsrand ist an drei Seiten umzäunt und bietet auf der einzigen Längstribüne Platz für knapp 1.000 Zuschauer. Der Andrang zum Spiel hält sich ebenso wie der Eintrittspreis von sieben Euro in einem überschaubaren Rahmen. Eine Handvoll Fans bevorzugt trotzdem den Gratisblick vom gegenüberliegenden Waldrand auf das Feld. Das Spiel ist ein offener Schlagabtausch, der bereits in der ersten Hälfte durch ein wunderschönes Freistoßtor für die Gäste aus Celje entschieden wird. Ob der Interimstrainer und Pacult-Nachfolger nach dem Spiel besorgt auf sein Handy schaut, wissen wir nicht. Wir genießen angesichts der kühlen Temperaturen einen Glühwein mit Blick auf die Dorfkirche von Zavrc und das Rebenland von Stajerska.

(Lena Baur, Christian Nell)