13. Oktober 2017
Stadion am Bieberer Berg
Zuschauer: 7.124
Resultat 1:0
Offenbacher Fußball Club Kickers 1901 – TSV Eintracht Stadtallendorf
Die Frankfurter Buchmesse ist einer der grässlichsten Orte der Welt. Freiwillig besuchen ihn nur Schlagerstars mit neuer Autobiografie (Roberto Blanco, Eklat mit Tochter am Messestand, Skandal, Stern: „Jetzt redet Roberto“) und Robert Menasse (Deutscher Buchpreis für Langeweile, Danke Merkel!). Den meisten verlorenen Seelen, die in den stinkenden und dampfenden Hallen tagsüber eingeschlossen sind, mag gar nicht bekannt sein, dass nur wenige S-Bahn-Stationen entfernt einer der charmantesten Fußballklubs Deutschlands angesiedelt ist. Die Offenbacher Kickers, der Pokalsieger von 1970, empfangen heute in der Regionalliga Südwest den Emporkömmling TSV Eintracht Stadtallendorf, und schon bei Anpfiff verblassen die Schatten des Messetages. Hier heißen die Sponsoren noch Sanitätshaus Bußfeld & Schiller und BWS Sicherheit („Dem Ernstfall einen Schritt voraus“), hier belegt der Fanblock noch die gesamte Gegengerade, hier wird die Currywurst oben in einen Automaten gesteckt, um sich unten in Stücken sortiert und sanft auf den Pappteller zu schmiegen.
Die Überraschung des Abends sind aber die Auswärtsfans der „Allendorfer Jungs 1920“, die 200-köpfig den Besuch in der Metropole abfeiern, als gebe es kein Morgen (crazy motherfuckers!) und jede Beschimpfung als „Eintrachtschweine“ mit einem Konfettiregen absegnen. Fußball kann so schön sein. Das Spiel ist auch nicht schlecht. Romantik statt Roman, möchte man der Buchmesse entgegenrufen. Allerspätestens, wenn Trainer Oliver Reck („Pannen-Olli“, gesperrt im Europacup-finale 1992) seine Kickers zum Schlusspfiff umarmt.