Luton Town FC – Bury FC

19. August 2014
Kenilworth Road Stadium
Zuschauer: 7.890
Resultat: 1:1

Luton, rund 50 Kilometer nördlich von London, war im 18. und 19. Jahrhundert ein Zentrum des Hutmachergewerbes. Millionen von Strohhüten wurden in der Stadt erzeugt und im gesamten britischen Empire verkauft. Dass der Niedergang der Hutindustrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Aufstieg des Fußballsports zum Massenspektakel in England zusammenfiel, ist aber wohl eher ein Zufall.

Seit 1905 spielt der Luton Town FC an der Kenilworth Road Fußball. Fans und Mannschaft werden liebevoll „the Hatters“ – die Hutmacher – genannt. Was läge da näher, als einen Matchbesuch mit dem Erwerb einer neuen Kopfbedeckung zu verbinden. Ein Spaziergang durch die Innenstadt bringt allerdings keinen Erfolg. Kein Hutgeschäft weit und breit. Auch der pakistanische Händler verkauft in seinem Laden von der Heiligenstatue bis zur Frauenunterwäsche so ziemlich alles – nur keine Hüte. Also geht es ohne Kopfbedeckung zum Stadion.
Auch im Fanshop sorgt die Frage nach einem Luton-Hut nur für verständnislose Blicke. Aus Protest kaufen wir weder Kappe noch Haube. Die Kenilworth Road ist an diesem Dienstagabend mit knapp 8.000 Fans sehr gut gefüllt. Die Euphorie nach dem überlegenen Meistertitel in der fünften Liga und dem Aufstieg ist noch spürbar. Und dann, knapp vor Spielbeginn, sehen wir ihn: den ersten Hut in Luton. Am Kopf des Klubmaskottchens „Happy Harry“. Glücklich, wer einen Hut trägt.

Das Spiel weist zunächst wenige Höhepunkte auf. Gegen die robuste Abwehr von Bury gibt es für die Luton-Angreifer wenig auszurichten. Nach einer Stunde gehen die Gäste aus Greater Manchester in Führung. Das furiose Finish der Heimmannschaft wird in der Nachspielzeit mit dem Ausgleich belohnt. „Come on, you hatters!“, hallt es durchs Stadion, und das kleine blonde Mädchen in der Reihe hinter uns fragt seine Großeltern: „Are we the hatters?“ Die Antwort geht im Schlusspfiff unter. Wir hätten sie gern gehört.

(Stefan Joch, Christian Nell)