Antigua GFC – Deportivo Siquinala

5. November 2017
Estadio Municipal Pensativo
Zuschauer: ca. 4.800
Resultat: 2:0

Erst am Tag vor dem Spiel zwischen dem Antigua GFC und Deportivo Siquinala entdecken wir die Flyer auf den Frontscheibender Autos in der Altstadt Antiguas. Darauf wird ein großes Familienfest ab neun Uhr auf dem Gelände des Estadio Pensativo angekündigt. Eine Nacho-Imbisskette bietet für zwei Snacks sogar ein Gratisticket an, aber Nachos haben wir auf der bisherigen Reise schon genügend gegessen. Das weiß gleißende Estadio Pensativo liegt am äußeren Rand Antiguas, sympathisch in die Jahre gekommen und mit perfektem Vulkanblick.

Vor dem Stadion herrscht eine Atmosphäre, die an Volksfest, Kindergeburtstag, Gameshow und Autohauseröffnung zugleich erinnert. Fliegende Händlerverkaufen Getränke, gebrannte Mandeln, Eis, Hotdogs, Fanartikel, Sonnenbrillen und Chips. Auswärtsfans gibt es keine zu sehen, dafür besteht der Heimblock aus zwei Stimmungsherden: Auf der Gegengeraderegieren Trommelrhythmen und grüne Rauchtöpfe, während sich in der Kurve beständig Konfettieruptionen über uns ergießen. Ein Böller verschwindet in einem Mistkübel vor dem Fanblock, Sekundenspäter erschüttert die blecherne Explosion unser Trommelfell.

Von Beginn an bestimmt der Tabellenzweite Antigua das Spielgeschehen. Schon nach wenigen Minuten haben die Gastgeber die erste große Tormöglichkeit, in der elften Minute schlägt es im Kasten der Gäste ein. Es folgt eine noch ekstatischere Version der Konfettieruption, Pyrotechnik, frenetischer Jubel und Getrommel. Trotz vereinzelter Nadelstichevon Deportivo hat Antigua das Spiel fest im Griff. Die Hausherren spielen schlichtweg den besseren Fußball. Besonders über den rechten Flügel kommt es immer wieder zu gefährlichen Angriffen. Bester Verteidiger der Gäste ist die mangelnde Chancenauswertung Antiguas. Nach einer Schrecksekunde durch einen Stangenschuss von Deportivo fällt fast mit dem Halbzeitpfiff das 2:0. Nach Marimba-Sound vom Band und jeder Menge Snacks zur Halbzeit tut sich bis zur 85. Minute kaum noch etwas auf dem Platz.

Erst mit dem fast geglückten Anschlusstreffer der Gäste schlägt das Stimmungsbarometer der Heimfans nochmals nach oben aus. In den letzten Minutengeht die Kappe eines Fans als Choreokass edurch die Reihen. Mit dem Schlusspfiff leert sich das Stadion rasant, während die Fans auf der Gegengerade unter Trommelwirbel und im grünen Dauernebel sich selbst, ihre Stadt und den verdienten Siegfeiern – ihr Team hat gerade die Tabellenführung erobert.

(Ramin Torabzadeh)