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4. November 2017
Ernest-Pohl-Stadion
Zuschauer: 24.563
Resultat: 3:1
„Es wird keinen großen Gornik ohne Schlesier geben“, sagte Vereinslegende Ernest Pohl einst und könnte damit Recht behalten. Seit 1988 hat der Rekordmeister keinen Titel mehr gewonnen, heuer stehen die Aktien mit elf Oberschlesiern im Kader aber alles andere als schlecht. Die junge Mannschaft spielt attraktiven Fußball und führt die Tabelle an. Der Bergmann, wie Gornik übersetzt heißt, ist wieder in Mode, nur eines der 15 Spiele war nicht ausverkauft. Mit Ach und Krach bekommen meine Mutter und mein Sandkastenfreund noch Karten auf dem Schwarzmarkt.
Das Stadion wäre aber auch ganz ohne sportlichen Erfolgslauf einen Besuch wert: Denn aufgrund finanzieller Komplikationen sind bei der umfangreichen Stadionsanierung nur drei der vier Tribünen fertiggestellt worden. Die ehemalige Haupttribüne, die früher als einzige überdacht und deswegen die repräsentativste war, erinnert in ihrem Aussehen immer noch an die goldenen Zeiten des Vereins.
Beim Aufwärmen der Akteure sammeln die Gästefans Sympathiepunkte bei den Einheimischen. Zabrzes Erzrivale Ruch Chorzow wird in Sprechchören verhöhnt, der gemeinsame Feind Legia Warszawa verunglimpft. Die Gastgeber im noch spärlich gefüllten Stadion applaudieren, vielleicht bahnt sich ja sogar eine Fanfreundschaft an. Nach dem Anpfiff herrscht aber große Stille, zu Spielbeginn werden in Kreuzformation Bengalen gezündet. Die Ultras von Gornik werden ihr Team bis zur 26. Minute nicht anfeuern, weil ihr Mitglied „Pastor“ von Ruch-Anhängern bei der Begleichung alter Rechnungen zu Tode geprügelt worden ist. Die Lech-Anhänger verhalten sich bis dahin ebenfalls still.
In der Zwischenzeit besticht der Gastgeber durch bergmännische Tugenden wie Aufopferungsbereitschaft und harte Arbeit, spielt aber auch einen sehr ansprechenden Fußball. In der zwölften Minute trifft der spanische Stürmer Igor Angulo vom Elfmeterpunkt, Szymon Zurkowski erhöht kurz vor der Pause. Nach Wiederanpfiff trifft Lech, aber Angulo stellt den Zwei-Tore-Vorsprung 15 Minuten vor Schluss wieder her. Gornik wird erstmals seit 1993 Herbstmeister. Zufrieden treten wir den Heimweg an und wagen zu träumen. Selbst das Double ist in dieser Saison möglich.
(Radoslaw Zak)