KFC Uerdingen 05 – Hansa Rostock

8. Dezember 2018
MSV-Arena
Zuschauer: 5.614
Resultat: 2:1

Es ist ein gar nicht einmal so kalter Dezembertag, an dem wir uns in eine überfüllte Regionalbahn quetschen. Ich habe Besuch von einem Freund und GAK-Fan, wir wollen das Heimspiel des KFC Uerdingen gegen Hansa Rostock besuchen. Wobei Heimspiel ein relativer Begriff ist, das Match findet in Duisburg statt. Die Krefelder Grotenburg entspricht nicht den Anforderungen der dritten Liga. Im 30.000er-Stadion des MSV Duisburg dürfen die KFC-Fans die Stehplätze der MSV-Ultras nicht benutzen, weshalb sie im zweiten Rang stationiert sind, wo auch wir unsere Karten haben. Bereits vor Spielbeginn herrscht Verwunderung, denn der Auswärtsblock ist nur halbvoll. Via Handy erfahren wir, dass es vor dem Stadion Reibereien mit der Polizei gegeben haben soll. Die Gästefans setzen auf einen Stimmungsboykott, die Heimfans verzichten weitgehend auf Schmähgesänge.

Das Spiel ist unterhaltsam, die Krefelder gehen verdient in Führung, und die Ultras machen mit dem derzeit beliebten „Bella Ciao“-Gesang, einem sich verausgabenden Capo, einem sehr guten Trommler und ein wenig Pyro ordentlich Stimmung. Statt das überfällige 2:0 zu erzielen, bekommt der KFC kurz vor der Pause aber den Ausgleich. Das Spiel wogt danach hin und her. Nach der neuerlichen Führung müssen die Gastgeber bis zum Schlusspfiff zittern.

© Sebastian Weiermann

Draußen spazieren wir flankiert von Polizei-Turtles zum Bahnhof und setzen uns in den Regionalexpress, der uns zurück nach Bochum bringen soll. Als die Rostocker von den Beamten in den hinteren Teil desselben Zugs gelotst werden, herrscht angespannte Stimmung. Vorerst passiert nichts. Dann geht es sehr schnell. Als sich am ersten Halt die Türen öffnen, gehen die Ultras aufeinander los. Wir sitzen wortlos im Zug und beobachten das Treiben am Bahnsteig. Krefelder, Rostocker und Polizisten laufen, brüllen und prügeln sich, ehe es der Polizei gelingt, die Lager zu trennen. Der Zug setzt sich dennoch nicht in Bewegung. Alles steht still. Der Bahnhof wird gesperrt. Als nach etwa einer halben Stunde die Züge auf den anderen Gleisen wieder fahren, bleibt unser Bahnsteig abgeriegelt. Nach zwei Stunden betreten Beamte den Zug, um die Daten von allen Stadionbesuchern aufzunehmen. Als wir uns ausweisen, fragen sie: „Sie sind aus Österreich. Stehen Sie in Verbindung zum Grazer Athletiksport-Klub?“ Die Antwort auf die Frage, was mit unseren Daten passiert, bleibt schwammig. Sie kämen zur Staatsanwaltschaft, sagt ein Polizist. Das kann viel bedeuten oder nichts, vermutlich aber, dass mein Freund nun in der berüchtigten Datei Gewalttäter Sport vermerkt ist.
(Yannick Steinkellner)