Die Fan.Tastic Females machen halt in Wien – Verena und Ines haben geholfen, die Ausstellung nach Österreich zu bringen. Im Interview sprechen sie über die Inszenierungen von Ultras, das dichte Rahmenprogramm und die Einzigartigkeit des Ausstellungskonzepts.
Frauen gehen schon immer zum Fußball, wahrgenommen werden sie jedoch kaum. Die Ausstellung Fan.Tastic Females zeigt die Geschichten von Frauen im Fußball. Seit Mitte Oktober tourt die multimediale Wanderausstellung „Fan.Tastic Females – Football Her.Story“ durch Österreich. Über 70 Porträts sind dort ausgestellt. Zu jedem dieser Porträts gibt es einen QR-Code, mithilfe eines Smartphones ist die Geschichte der Frauen als Video abrufbar. Die Porträts Frauen in allen möglichen Funktionen im Fußball – ob Ultra oder Fanbeauftragte.
Verena und Ines sind Teil des Organisationsteams, das insgesamt 13 Frauen umfasst. Gemeinsam haben sie die Ausstellung mit nach Wien geholt – vorher war sie schon in Innsbruck und Graz, zum Abschluss der Österreich-Tour macht sie in Linz halt. Der ballesterer hat sich mit ihnen im Rahmen der Ausstellung im Hof des „ega: Frauen im Zentrum“ getroffen und über die Vorbereitungen der Ausstellung, die vereinsübergreifende Zusammenarbeit und die Besonderheiten des Projekts gesprochen.
Fan.Tastic Females & Friends: Die Wanderausstellung tourt schon länger durch Europa
ballesterer: Hattet ihr schon selbst Zeit, euch die Ausstellung anzuschauen?
Ines: Ich habe mir als Erstes den Download-Code gegen eine Spende geholt, damit ich die ganzen Videos im Nachhinein sehen kann. Eigentlich dachte ich, dass ich mir vor Ort alles in Ruhe anschauen könnte, aber dazu kam es bisher nicht.
Verena: Ich hatte hier auch noch keine Zeit, durch die Ausstellung zu gehen, dafür gibt es von der Barbetreuung bis hin zum Merchandise zu viel zu tun. Ich habe aber nach der Eröffnung in Hamburg einen Code geschenkt bekommen und deswegen schon viele Videos zu Hause sehen können.
Warum braucht es diese Ausstellung?
Ines: Für mich ist der größte Punkt die Sichtbarkeit von weiblichen Fans. Medial präsent ist, vor allem wenn es um Ultras geht, nur der männliche Fußballfan. Das ist auch der erste Punkt, auf den man bei der Ausstellung stößt, nämlich, dass das einfach eine Inszenierung ist. Weil Frauen auch im Fußball und in Fanstrukturen drinstecken.
Was macht die Ausstellung so besonders?
Ines: Ich glaube, dass es nichts Vergleichbares gibt. Dadurch, dass man die Ausstellung in Form von Codes auch mit nach Hause nehmen und sich dort alles in Ruhe anschauen kann, ist eine ganz andere Form von Auseinandersetzung möglich. Es ist dieser multimediale Effekt, man geht nicht nur mit einem Flyer nach Haus, sondern kann nachher weiter machen.
Was war für euch der ausschlaggebende Punkt, die Ausstellung nach Österreich zu holen?
Verena: Es werden auch Frauen aus Österreich in der Ausstellung porträtiert. Allein deswegen war klar, dass die Ausstellung auch hier und natürlich auch in Wien ihren Platz finden muss.
Ines: Zudem treffen wir uns seit zwei Jahren als österreichweites Netzwerk „F_in Frauen im Fußball“. Dass dann irgendwann ein gemeinsames Projekt ansteht, war auch klar.
Wie viel Arbeit hat die gesamte Planung in Anspruch genommen?
Verena: Das ist schwierig zu beantworten und von Frau zu Frau unterschiedlich. Ab Februar 2019 haben wir angefangen, uns regelmäßig zu treffen und zu planen. Große Treffen gab es mindestens einmal im Monat, aber es gab noch kleinere Gruppen nebenbei, die sich um einzelne Themen gekümmert haben.
Ines: Und später war es dann jede Woche.
Wie lief die Planung ab?
Verena: Zuerst mussten wir entscheiden, in welche Städte die Ausstellung kommen sollte. Es gab schon Mitstreiterinnen in Linz, Graz und Wien. Innsbruck kam dann später dazu. Wir haben aber keine Städte prinzipiell ausgeschlossen, sondern geschaut, wo wir Leute haben, die das veranstalten möchten. Im nächsten Schritt haben wir uns überlegt, wann es stattfinden soll. Dabei kam es darauf an, wo die Ausstellung vorher Halt gemacht hat und welche Ausstellungsorte wir in den Städten wann nutzen können. Ab dann waren es dann viele Schritte nebeneinander, die abgearbeitet wurden. Wie sieht es mit der Finanzierung aus? Kriegen wir auch den Veranstaltungsort, den wir wollen? Wie sieht es mit dem Internet aus?
Ines: Und wie bespielen wir das Rahmenprogramm. Wir haben in Wien, auch im Vergleich zu den großen deutschen Städten, ein sehr umfassendes und vielseitiges Rahmenprogramm auf die Beine gestellt.
Warum ist euch das gelungen?
Ines: Der Abend mit Kicken ohne Grenzen war naheliegend, weil eine aus dem Team auch dort aktiv war. Das stand sehr schnell fest. Auf den Vortrag von Judith von der Heyde „Doing Gender als Ultra“ sind wir eher durch Zufall gestoßen, weil es eine recht neue Publikationen ist. Ich bin sehr gespannt auf Freitag.
Verena: Wir hatten generell schon viele Ideen. Bei den finalen Programmpunkten sind wir dann geblieben, weil wir wussten, dass wir die auch umsetzten können. Die Ausstellung steht klarerweise im Mittelpunkt der Tour.
„Es ist uns ziemlich wurscht, bei welchem Verein wir zum Fußball gehen. Das ist für die Sache nicht wichtig.“
Gab es Probleme bei der Organisation der Ausstellung?
Ines: Ich fand es relativ problemlos. Wir hatten in Wien mit dem „ega“ schnell einen Raum gefunden, den wir gut fanden. Mit der Finanzierung war das eine andere Sache.
Verena: Aber auch das hat sich gut gefügt.
Seid ihr von Wiener Vereinen unterstützt worden?
Ines: Es gab nie den Plan, zu viel an einen Verein zu hängen. F_in ist ja auch ein übergreifendes Projekt.
Verena: Das ist ja auch das Schöne und der Grund, warum F_in so gut funktioniert. Es ist uns ziemlich wurscht, bei welchem Verein wir zum Fußball gehen. Das ist für die Sache nicht wichtig. Deswegen stand es wahrscheinlich auch bei der Finanzierung nicht im Vordergrund, sich von den Vereinen Unterstützung zu holen.Wie nehmt ihr die bisherige Rückmeldung wahr?
Verena: Unfassbar positiv. Es sind viel mehr Leute gekommen, als ich dachte. Ich habe auch schon während der Eröffnung von mehreren Leuten gehört, wie fein das alles geworden ist.
Ines: Diejenigen, die sich die Ausstellung anschauen, sind bisher sehr angetan. Und dass viele uns sagen, wie gut wir als Team zusammenarbeiten, freut mich persönlich dsehr.
Wie wird es für das Team weitergehen? Sind weitere Veranstaltungen geplant?
Verena: Ich glaube, wir Organisatorinnen sind froh, wenn alles gut geklappt hat und die Ausstellung in Österreich gut über die Bühne gegangen ist. Danach brauchen wir erst einmal eine Pause.
Ines: Aber irgendetwas wird weitergehen.
Verena: Genau. Wir stehen weiter in Kontakt. Im letzten Jahr sind so viele tolle Verbindungen entstanden die wir sicher nicht aufgeben werden.
Ines: Wenn man solche Strukturen aufgebaut hat, lässt man sie mit Sicherheit nicht wieder fallen. Ich weiß nicht, ob eine Ausstellung das nächste Ziel wäre, aber es gibt auch andere spannende Felder. Auch das F_in Netzwerk in Österreich werden wir versuchen weiter aufzubauen. Dort könnten mögliche Workshops und Treffen entstehen, zu denen hoffentlich viele fußballbegeisterte Frauen kommen werden.
Bis einschließlich 16. November ist die Ausstellung Fan.Tastic Females – Football Her Story noch im „ega: Frauen im Zentrum“ in Wien zu sehen. Im Rahmen der Ausstellung findet am Donnerstag, den 14. November ein Gesprächsabend mit Kicken ohne Grenzen statt, am Freitag hält Judith von der Heyde ein Vortrag zum Thema „Ultra sein als Frau – Frau sein als Ultra“. Ihren Abschluss in Österreich findet die Ausstellung dann in Linz vom 20.11. bis zum 30.11. Um die Porträts im vollen Umfang genießen zu können, brauch man ein Smartphone, sowie Kopfhörer. Alle wichtigen Infos finden sich hier: https://www.fan-tastic-females.org/index.php/de/component/content/article/14-news/101-programm-vienna-ger?Itemid=103
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