Der Unternehmer hatte das Geschehen im Klub über mehr als zwei Jahrzehnte in verschiedenen Rollen und mit einer großen Machtfülle bestimmt – und sich dabei immer wieder mit Fans, aber auch Managern, Trainern und Spielern zerstritten. „Kind muss weg“- Rufe und -Transparente waren im Niedersachsenstadion seit Jahren akustischer und optischer Teil der Kulisse, die „Ultras Hannover“ riefen Stimmungsboykotte aus und verbrachten halbe Spielzeiten mit der Unterstützung des Amateurteams.
Seit 2007 trug Kind seine Kämpfe auch fern von Hannover aus und rang mit den übrigen Profiklubs um die Abschaffung der 50+1-Regel. Sein Ziel war es, den Verein für Investoren zu öffnen, ihn so international erfolgreich zu machen und dann womöglich selbst finanziell davon zu profitieren. Doch am Ende scheiterte Kind mit allen Anträgen, Einsprüchen und Beschwerden bei der DFL. In seinem Verein erschien die Beharrlichkeit, mit der er gegen 50+1 stritt, zunehmend als Starrsinn. 2017 scheiterte die von aktiven Fans getragene Opposition auf der Mitgliederversammlung noch knapp, die Spaltung im Klub war jedoch unübersehbar und hatte auch sportlich Spuren hinterlassen. 2016 war Hannover 96 nach 14 Jahren in die zweite Liga abgestiegen. Zwar gelang der direkte Wiederaufstieg, doch Kinds Tage als Präsident näherten sich dem Ende.
Auf der Mitgliederversammlung im März 2019 setzten sich bei den Wahlen zum Aufsichtsrat die fünf Kandidaten der Oppositionsgruppe „Pro Verein 1896“ gegen die Favoriten von Martin Kind durch. Das Gremium, das den Vereinspräsidenten einsetzt, wählte den früheren Fanbeauftragten Sebastian Kramer zum Nachfolger. „Mehr als 20 Jahre lang hat sich Kind für die Belange des Klubs engagiert, dabei aber alle Macht Stück für Stück an sich gezogen“, resümierte die taz später. „Im Alter von 75 Jahren steht er jetzt vor der Frage, was das eigentlich gebracht hat.“