Oliver Wurm scheut sich nicht vor großen Themen. Er hat schon das „Neue Testament“, das deutsche Grundgesetz und die österreichische Bundesverfassung als Magazin veröffentlicht, jetzt versucht er sich an Diego Armando Maradona. Kurz vor dessen Tod widmete er ihm zum 60. Geburtstag eine Ausgabe des Magazins Fußballgold. In dem 122-seitigen Heft lassen Wurm und sein Redaktionsteam keinen Zweifel daran, dass es sich bei Maradona um den besten Fußballer aller Zeiten handelt. Die fehlende Distanz zum Objekt der Berichterstattung schafft dabei eine besondere Nähe.
Der überwiegende Teil des Magazins besteht aus Anekdoten aus dem Leben Maradonas. Sie handeln abwechselnd von Toren, Triumphen, Tränen und Tragödien. Am Schluss folgen Interviews mit Maradonas langjährigem Gegenspieler und Freund Lothar Matthäus, dem Ballakrobaten Alfred Reindl und dem Dokumentarfilmer Asif Kapadia. Die episodenhafte Struktur verleiht dem Heft gemeinsam mit den großartigen Fotos seine Leichtigkeit. Das Magazin lädt zum Blättern und Verweilen ein und dazu, sich an Diego Maradona zu erfreuen und an ihn zu erinnern.
Dass es als Nachruf dienen würde, konnte Oliver Wurm nicht ahnen. Das folgende Interview entstand noch zu Lebzeiten Maradonas. Am 19. Dezember soll nun eine zweite Sonderausgabe zum Tod Maradonas erscheinen.
ballesterer: Warum haben Sie ausgerechnet über Maradona ein Heft gemacht?
Oliver Wurm: Diego hat mich wie kein anderer Spieler beeindruckt – vor allem bei der WM 1986. Er hat das Turnier geprägt, nicht nur durch das Spiel gegen England mit der Hand Gottes und seinem Jahrhundertsolo. Seine Art zu spielen, hat mich inspiriert: Wie er die Mannschaft geführt hat, wie er Schläge eingesteckt hat und immer wieder aufgestanden ist. Später ist er ein bisschen aus meinem Kopf verschwunden, aber kaltgelassen hat er mich nie. Ich habe schon öfter mit dem Gedanken gespielt, ein Heft über ihn zu machen, allein schon wegen des Titelbilds. Mit der Doku „Diego Maradona“ von Asif Kapadia hat es mich dann so richtig erwischt.
Was hat es mit dem Coverbild auf sich?
Ich kann mich an diesem Foto nicht sattsehen: Es hat etwas Sanftes, gleich-zeitig wirkt es so, als könnte man schon erahnen, was passieren wird. Ich habe das Bild einmal zufällig auf dem Laptop von Dieter Eikelpoth entdeckt, der es Mitte der 1980er Jahre für die italienische Vogue gemacht hat. Dieter war einer meiner journalistischen Ziehväter und ein guter Freund. Ich habe ihm gesagt: „Irgendwann machen wir etwas mit Maradona, dann kommt das aufs Cover.“ Das Versprechen habe ich erst jetzt einlösen können, Dieter ist 2015 leider verstorben. Das verbinde ich emotional mit dem Heft.
Wie sind Sie auf die episodenhafte Erzählweise gekommen?
Eigentlich hatte ich das Heft schon abgeschrieben, schließlich war 2020 aufgrund von Corona ein schwieriges Jahr. Dann habe ich ein E-Mail von Alex Raack bekommen, in dem er geschrieben hat, dass er gerne einmal bei Fußballgold mitarbeiten würde. Er hat Proben aus seiner journalistischen Laufbahn mitgeschickt – auch von einem Kunstprojekt, bei dem er das Leben von Maradona auf einem Stück Kunstrasen in anekdotischen Miniaturen erzählt hat. Ich hatte also plötzlich einen fast fertigen Text, da habe ich mir gedacht: „Es gibt keine Zufälle, dann mache ich das Heft eben doch.“
Neben den Texten gibt es auch viele starke Bilder.
Ich wollte eine Art Magazinbiografie machen. Ich würde niemandem zumuten, alles am Stück zu lesen. So ist es nicht gedacht. Man kann immer wieder zum Heft greifen, ein bisschen querlesen, die Bilder anschauen und einem der Videolinks folgen. Das klingt jetzt vielleicht pathetisch, aber ich habe mich durch diese Texte und Fotos noch einmal viel stärker in Diego Maradona verliebt.