Es ist etwas in Bewegung in Linz. Nicht nur, dass aktuell mit der Arena des LASK und dem Donaupark für Blau-Weiß Linz neue Stadien entstehen und der Zweitligist in näherer Zukunft in der Bundesliga spielen möchte, auch im Frauenfußball mischen beide Vereine seit Sommer 2021 mit. Der LASK gründete eine eigene Sektion, und Blau-Weiß bündelte die Kräfte mit der seit 1980 bestehenden Union Kleinmünchen aus dem gleichnamigen Stadtteil im Linzer Süden. Union ist einer der erfolgreichsten Vereine des Landes. Acht Meistertitel, davon der letzte 1999, und sechs Cupsiege zeugen von dieser großen Vergangenheit. Mit dem Abstieg aus der Bundesliga 2019 änderten sich die Vorzeichen. Erstmals seit beinahe zehn Jahren war der Klub wieder zweitklassig – und ist es bis heute geblieben. Im Sommer vergangenen Jahres ging Union eine Spielgemeinschaft mit Blau-Weiß Linz ein.
„Die Chemie in der Gemeinschaft hat von der ersten Minute an gestimmt. Die handelnden Personen bei Blau-Weiß und Kleinmünchen passen perfekt zusammen“, sagt Kleinmünchens Cheftrainer Gerald Reindl, der seit 15 Jahren im Verein tätig ist. Blau-Weiß hatte schon länger vorgehabt, sich im Frauenfußball zu engagieren. „Fußball ist längst keine Männersache mehr. Davor wollen auch wir uns nicht mehr verschließen“, sagte Vorstand Sargon Mikhaeel zum Start der Zusammenarbeit im Mai 2021. Die Kooperation mit den Kleinmünchnerinnen ist vorerst auf drei Jahre befristet. Der Zweitligist der Männer unterstützt den Zweitligisten der Frauen auf unterschiedlichen Ebenen: Blau-Weiß stellt Masseure, Trainingsausrüstung und Dressen zur Verfügung. Das Team tritt unter dem sperrigen Namen SPG Union Kleinmünchen/FC Blau-Weiß Linz an, und sobald der neue Donaupark im Sommer 2023 eröffnet ist, sollen auch die Frauen dort ihre Heimspiele austragen. „Aus meiner Sicht sollten die Vereine eine Verlängerung der Kooperation andenken, denn es kann nur gemeinsam wachsen“, sagt Reindl.
Von Ladies zu LASK
Die Geschichte der schwarz-weißen Linzer Fußballerinnen begann nicht erst im vergangenen Sommer, sondern vor 20 Jahren. Damals gründete Klaus Lindenberger, ehemaliger Tormann des LASK und des Nationalteams, den Ladies Soccer Club Linz. Die Klubfarben waren Rot und Weiß, das Team trat in der zweitklassigen 2. Division Mitte an. Ebenfalls auf Initiative Lindenbergers entstand zwei Jahre später eine Frauensektion beim LASK: die LASK Ladies. Sämtliche Spielerinnen kamen vom LSC Linz, der den Betrieb zum Saisonende 2003/04 einstellte. Sportlicher Höhepunkt sollte der Aufstieg in die Bundesliga im Jahr 2006 bleiben. Nachhaltig war die Arbeit nicht, im Sommer 2011 stellte der LASK die Sektion wieder ein. Der LSC wurde reaktiviert und startete neu, heute kickt der Verein am unteren Ende der viertklassigen Landesliga.
Bei seinem neuerlichen Versuch, eine Frauensektion aufzubauen, will der LASK diesmal langfristiger und strategischer agieren. Die Pläne wurden am internationalen Frauentag im März 2021 vorgestellt. „Wir wollen mehr Mädchen und Frauen für den Fußball im Allgemeinen und mehr Männer für den Frauenfußball begeistern“, sagte LASK-Geschäftsführer Andreas Protil damals. Dominik Thalhammer war zu diesem Zeitpunkt noch Sportdirektor und Trainer der Männer des Klubs, er erreichte 2017 als Teamchef mit den Frauen das EM-Halbfinale. Über die Perspektive beim LASK sagte er: „Wir wollen möglichst bald Spitzenfußball in der Bundesliga bieten. Mit Nationalspielerinnen in unseren Reihen.“ In seinem Konzept hebt der Klub die Bedeutung eines gleichberechtigten Auftritts hervor – den Zusatz Frauen werde man nur verwenden, wenn es darum gehe, die beiden Mannschaften voneinander zu unterscheiden, das neue Team werde schlicht als LASK auftreten. Sukzessive soll zudem die eigene Nachwuchsarbeit ausgebaut werden, zu Beginn wurde ein U16-Team gebildet.
Nicht alle sahen das Engagement positiv, nachdem der Verein mit Sichtungstrainings zum Aufbau eines Teams begonnen hatte. Ligaportal.at berichtete, Beschwerden von Funktionären erhalten zu haben, deren Spielerinnen zum LASK gewechselt seien. Auch den Kleinmünchnerinnen kamen einige Kickerinnen abhanden. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte, dass drei Spielerinnen des Bundesligisten FC Bergheim aus Salzburg kamen. Man habe niemanden aktiv abgeworben, teilte der LASK in einem Statement mit, sondern nur mit jenen gesprochen, die sich freiwillig gemeldet hätten. „Die besagten Spielerinnen haben alle einen Bezug zu Linz und Umgebung. Insofern ist es keine abwegige Idee, dass sie auch in Linz Fußball spielen wollen. Die Motivation der Spielerinnen ist in keiner Weise eine finanzielle, wobei je nach Fahrtstrecke auch eine Reiseaufwandsentschädigung angedacht ist.“
Kickstarterinnen
Trotz der kritischen Stimmen lässt sich nach einem Jahr positiv für den LASK Bilanz ziehen. Mit zwölf Siegen und einem Unentschieden aus 13 Spielen stehen die Athletikerinnen in der drittklassigen Oberösterreichliga an der Spitze der Tabelle, fünf Punkte vor der SPG Steyr. Strategin hinter dem Erfolg ist die 23-jährige Trainerin Lisa Alzner, die in der Bundesliga für Kleinmünchen und Bergheim im Einsatz war und in den U17- und U19-Nationalteams spielte. Ihre aktive Karriere beendete sie verletzungsbedingt mit 18 Jahren. Im Gespräch mit dem ballesterer sagt Alzner über das Premierenjahr: „Wir haben einen echten Kickstart hingelegt, ich bin mit der bisherigen Entwicklung sehr zufrieden. Sowohl im Verein als auch im Team hat sich enorm viel getan.“ Verteidigerin Anna Zimmerebner, eine der ehemaligen Bergheim-Spielerinnen, teilt die Einschätzung ihrer Trainerin: „Wir kennen uns als Team noch nicht einmal ein Jahr, sind aber schon richtig zusammengewachsen. Ich will dem LASK mit meiner Erfahrung, die ich in der Bundesliga und in den Nachwuchsnationalteams gesammelt habe, weiterhelfen.“
Die Entscheidung, sich dem LASK anzuschließen, habe sie spontan getroffen. Ursprünglich wollte sie ein Jahr Fußballpause einlegen: „Als mir Lisa Alzner aufgezeigt hat, welche Möglichkeiten und welche Infrastruktur der LASK den Athletikerinnen zur Verfügung stellt, habe ich sofort gewusst, ich will diesen Schritt wagen.“ Zur Infrastruktur gehört ein eigener Kabinentrakt im Trainingszentrum in Pasching, ebenso die Nutzung der Kunstrasenplätze sowie der Kraftkammer der Profis und der sportmedizinischen Betreuung.
Beim Besuch des ballesterer beim Linzer Derby im Paschinger Waldstadion gegen das 1b-Team von Kleinmünchen/Blau-Weiß Linz wird deutlich, dass das Team eigentlich zu stark für die Liga ist: Mit 13:0 schickt der LASK die Gegnerinnen nach Hause. „Wir haben sehr viel Ballbesitz und legen großen Wert darauf, schnell und geradlinig ins letzte Drittel zu gelangen“, sagt Alzner. „Auch bei der Strafraumbesetzung werden wir immer besser.“ Die Zielsetzungen des Vereins sind klar: Heuer sollen der Aufstieg und der Gewinn des oberösterreichischen Cups gelingen, dann möchte der LASK in die Bundesliga.
Nachwuchs für Nationalteams
Zurück in Kleinmünchen. Der Sportplatz, auf dem die Spiele des Zweitligisten stattfinden, liegt in unmittelbarer Nähe zum Stadion des Viertligisten Donau Linz, einem Boxverein und ist umgeben von Wohnhäusern. Am Osterwochenende rückt die Tabellenspitze der zweiten Liga zusammen. Nach einem 3:1-Heimsieg gegen die Tabellenführerinnen, Wildcats Krottendorf, liegt Blau-Weiß nur noch drei Punkte hinter ihnen, punktegleich mit dem Zweiten, dem SV Horn. Auch bei diesem Spiel trifft Edina Avdic, die 17-jährige Traunerin ist die Torgarantin. Nach 18 Runden hält sie bei 15 Treffern. „Die Entwicklung der Spielerinnen war sehr gut. Auch mit mir bin ich ganz zufrieden, und ich habe viel dazu gelernt, natürlich auch durch meine Einsätze im bosnischen Nationalteam“, sagt sie dem ballesterer. Zwei Länderspiele hat Avdic mittlerweile absolviert. Ihre Zeit bei Kleinmünchen und in Österreich scheint begrenzt, mittelfristig zieht es sie ins Ausland. „In zwei, drei Jahren könnte ich es mir vorstellen, den Weg dort weiterzugehen. Die kommende Saison möchte ich allerdings noch in Kleinmünchen bleiben.“
Denn im Moment zählt der Titelkampf in Oberösterreich. Die Spielvereinigung möchte im Aufstiegsrennen bleiben, auch wenn die Bundesliga kein Muss ist. „Der Meistertitel wäre das I-Tüpfelchen, aber man muss sich bewusst sein, Kleinmünchen/Blau-Weiß ist ein Ausbildungsverein. Für uns ist die Entwicklung der Spielerinnen wichtiger“, sagt Trainer Reindl. Neben Avdic hat Kleinmünchen zwei weitere Nachwuchsteamspielerinnen: Mittelfeldspielerin Almedina Sisic spielt für die österreichische U17, Kapitänin Miriam Sterrer ist im Kader der U19. „Wir haben schon einige Nationalteamspielerinnen hervorgebracht“, sagt Reindl dazu. „Wir sind sehr stolz, dass uns das immer wieder gelingt.“ Sollte dem Team der Aufstieg in die Bundesliga nicht gelingen, gibt es einen Trost: Dann würden wahrscheinlich Derbys gegen den LASK warten.