Dieses Buch kommt genau zur richtigen Zeit. Zwischen der EM 2022 in England und der diesjährigen WM in Australien und Neuseeland liefern Justin Kraft und Alina Ruprecht in „Fußball der Zukunft“ einen Überblick über die aktuelle Lage des Fußballs von Frauen. Dafür haben sie sich Unterstützung geholt. Das Buch ist ein Sammelband von Geschichten und Interviews zu allen möglichen Aspekten, geschrieben von Journalistinnen und Journalisten wie Mara Pfeiffer und Alina Schwermer. Gegliedert ist das Buch in drei Teile: Einer beschäftigt sich mit der Situation in Deutschland, einer mit dem internationalen Fußball und einer mit gesellschaftspolitischen Themen wie Rassismus und Feminismus. Abschließend geht es um die Frage, ob der Fußball der Frauen in Zukunft eine Kopie des Fußballs der Männer wird.
Zwischen Perspektiven auf verschiedene Vereine und Spielerinnen, Kreuzbandrissen und Ausflügen in den sowjetischen Fußball ist es schon ein breiter Spagat, bei dem die Tiefe zwangsweise etwas verloren geht. Dafür liefert „Fußball der Zukunft“ nicht nur Grundlagenwissen zum Fußball der Frauen und dessen aktuellen Debatten, sondern eröffnet auch neue Blickwinkel. Die Autorinnen und Autoren schlagen dabei durchaus auch kritische Töne an, beispielsweise wird der Feminismus im Fußball als oft oberflächlich bezeichnet. Davon abgesehen liest sich „Fußball der Zukunft“ aber wohlwollend gegenüber dem Fußball von Frauen. Bei zwei Texten fehlt der Neuigkeitswert, sie sind bereits in ähnlicher Form in anderen Medien veröffentlicht worden.
ballesterer: Warum haben Sie sich entschieden, ein Buch über den Fußball von Frauen herauszubringen?
Alina Ruprecht: Wir haben festgestellt, dass es an Büchern über den Fußball von Frauen fehlt. Justin und ich wollten diese Lücke ein Stück weit schließen. Das Buch sollte eigentlich vor der EM 2022 in England herauskommen, die Veröffentlichung hat sich dann aber verschoben. Jetzt haben wir den perfekten Zeitraum erwischt: Zwischen der sehr erfolgreichen EM vergangenes Jahr und der heurigen WM in Australien und Neuseeland, die diesen Hype hoffentlich weiterträgt.
Das Buch ist als Sammelband konzipiert. Warum?
Wir kennen viele Kolleginnen und Kollegen mit besonderen Spezialgebieten – etwa zu Vereinen, Ländern und Ligen. Deshalb haben wir uns für dieses Format entschieden, jede und jeder bringt eine andere Expertise mit, die wir im Buch abbilden können.
Ist das Buch Ihr Beitrag, den Fußball von Frauen zu fördern?
Um ihn zu fördern, müssten ganz viele Menschen zusammenarbeiten, da reicht so ein Buch nicht. Aber wir pushen ihn in unserem kleinen Rahmen in einer gewissen Art natürlich, indem wir Impulse geben. Wir merken auch, dass das Interesse am Buch groß ist und das Feedback durchweg positiv. Manche Autorinnen und Autoren haben mit ihren Beiträgen Themen eröffnet, die noch nicht so präsent waren, sie geben dadurch Anstöße.
Sie nennen den Fußball von Frauen mit Ihrem Buch den „Fußball der Zukunft“. Was bringt die Zukunft?
Das kann man nicht so leicht beantworten. Der große Hype nach der EM ist ein bisschen abgeflaut, die WM kann den Fußball von Frauen jetzt hoffentlich wieder pushen. Wir haben jedoch in verschiedenen Themen und Diskussionen gesehen, dass noch viel Arbeit vor allen liegt, die involviert sind. Man nehme das Beispiel der TV-Rechte-Vergabe für die WM in den großen europäischen Märkten, die sich bis fünf Wochen vor Turnierstart hinausgezögert hat. Das geht eigentlich gar nicht. Im Buch haben wir uns die Frage gestellt, wie die Zukunft aussehen kann – und was es braucht, damit sie erfolgreich ist. Aber es ist uns auch darum gegangen, eine Bestandsaufnahme zu machen, die an vielen Stellen gefehlt hat. Basierend darauf kann man in die Zukunft schauen.