Es ist ein milder Sommertag in der Südstadt. Die Trainingsplätze direkt hinter dem Stadion machen einen gepflegten Eindruck. In zweistöckigen Containern, die als Fitnessstudios eingerichtet wurden, sitzen einige Spieler auf Hometrainern und wärmen sich auf. Mitte Juni wurde Peter Stöger als neuer Sportdirektor der Admira präsentiert. Ein langfristiges Projekt soll es sein, aber eine feste Vertragslaufzeit gibt es nicht, sagt Stöger. Vor einigen Jahren hat er in der deutschen Bundesliga trainiert, jetzt in der Südstadt – ein Abstieg? „Ich kann mich mit der Aufgabe identifizieren. Davon, wie andere etwas bewerten, habe ich mich schon lange gelöst“, sagt er. „Ich finde die Admira cool.“
ballesterer: Sie haben Ihre Tätigkeit damit begonnen, die Strukturen der Admira zu durchleuchten. Was haben Sie bisher gesehen?
Peter Stöger: Ich kenne die Admira ja schon seit meiner Zeit als Spieler, manches ist leider wie damals, anderes zum Glück gleichgeblieben. Das Stadion ist in die Jahre gekommen, aber es gibt eine funktionierende Akademie, eine gute Nachwuchsarbeit und spannende junge Spieler. Für einen Zweitligaklub sind wir auf einem guten Niveau, was Spielanalyse, Trainingsbeobachtung und Scouting angeht. Unser Ziel ist jetzt, alles auf ein gutes Fundament zu stellen. Ich habe eine Idee in allen Bereichen, und dann schauen wir, wie hoch das nötige Budget ist und was wir umsetzen können.
Welche Schritte haben Sie als erste gesetzt?
Die haben das Trainerteam betroffen. Thomas Pratl und Tommy Wright haben die Mannschaft in der Liga gehalten. Damit haben sie einen großen Bonus gehabt, aber Wright hat keine Pro-Lizenz. Wir haben diskutiert, ob wir ihn trotzdem als Cheftrainer bestätigen können. Aber das gibt es bei mir nicht, Kriterien werden erfüllt oder eben nicht. Er ist jetzt auf die Position als Assistenztrainer zurückgekehrt, und Pratl geht in die Leitung. Wir haben Michael Gruber, ebenfalls lang im Verein, als Co dabei. Sie sollen es gemeinsam hinkriegen, momentan läuft es richtig rund.
Ist das ein bewusster Gegensatz zu den vergangenen Jahren mit vielen Wechseln in den Führungspositionen?
Es ist ein Signal. Wir zeigen, dass wir Leuten, die lange im Klub gearbeitet haben, Schlüsselpositionen zutrauen. Was die Vergangenheit angeht, höre ich viel zu, was funktioniert hat und was nicht. Da geht es nicht ums Nachtreten. Wenn du in kurzer Zeit drei, vier Entscheidungsträger hintereinander gehabt hast, können die auch richtige Sachen entschieden haben, aber es passt trotzdem als Ganzes nicht. Wenn vier Köche Essen zubereiten, kann jedes einzelne gut sein, aber zusammen schmeckt es nicht.
Wie steht es um den Kader?
Die Mannschaft hat eine höhere Qualität, als sie letzte Saison gezeigt hat. Wir haben kleine Veränderungen vorgenommen, und arbeiten an internationalen Kooperationen für Leihspieler, aber immer mit Bedacht darauf, dass niemand unseren Talenten im Weg steht. Die finanziellen Möglichkeiten sind überschaubar, ich orientiere mich an dem, was machbar ist. Das habe ich immer so gehalten. Mich hat noch nie jemand angerufen und gesagt: „Wir haben wahnsinnig viel Geld und wollen, dass du das jetzt vorantreibst.“
Aber bei Borussia Dortmund waren die Möglichkeiten doch ganz andere.
Sicher, aber ich habe dort einen recht zerstrittenen Haufen vorgefunden, einen Kader, den ich nicht zusammengestellt habe. Zu einem Klub zu kommen und zu hören „Du kannst um 300 Millionen einkaufen“ ist etwas anderes, als nach Dortmund zu kommen, wenn du Achter bist, aber Vierter werden sollst, und gerade Pierre-Emerick Aubameyang verkauft worden ist. Aber es war natürlich cool.
Als Sie ein Jahr später zur Austria gekommen sind, war es finanziell schon brenzlig. Haben Sie gewusst, worauf Sie sich einlassen?
Ich habe gewusst, dass es kompliziert ist. Dann ist noch Corona dazugekommen. Ich habe wenig mit dem Sportlichen zu tun gehabt, aber sehr viel darüber gelernt, wie ein Verein wirtschaftlich strukturiert ist. Meine Frau hat manchmal gesagt: „Es wäre schön, wenn du zu Hause wieder einmal über sportliche Dinge reden würdest, nicht nur über Stakeholder und Investoren.“
Zurück zur Admira. Sie haben die jungen Spieler erwähnt. Welche Rolle haben sie?
Eine zentrale. Wir haben sehr viele Talente, das müssen wir zur Gänze ausnutzen. Qualifiziertes Trainerpersonal ist wichtig, um die Jungs bestmöglich zu betreuen, auch in der Kooperation mit Traiskirchen in der Regionalliga und bei den Admira Panthers in der zweiten Landesliga. Das kann eine Plattform sein, um zu spielen und auf einem hohen Niveau zu trainieren. Wir haben sehr gute Trainer gefunden, wie Harald Suchard, der vorher die Young Violets betreut hat. Die Spieler sollen merken, dass sie besser werden und zweite Liga oder vielleicht sogar Bundesliga spielen können. Das ist die ureigenste Aufgabe eines Fußballlehrers: Jeden Einzelnen besser zu machen und ihn in seinen Möglichkeiten zu begleiten.
Viele Sportdirektoren kommen mit einer vorgegebenen Spielidee. Haben Sie ein Playbook?
Die Admira hat ja ihre Spielidee, in diese Richtung geht auch die Ausbildung. Da reden wir von der Viererkette mit klassischen Außenverteidigern. Wir wollen spielerische Lösungen im Ballbesitz finden, da geht es um Pass- und Positionsspiel, nicht um eine feste Formation. Es gibt die Idee, lange Bälle zu spielen, auf zweite Bälle zu gehen. Also das, was den Fußball ausmacht: Dass du selbst den Ball hast und wenn nicht, draufzugehen und ihn zurückzuerobern.
Was sind die sportlichen Ziele?
Wir wollen wieder aufsteigen, aber das ist nicht etwas, das wir heuer ausrufen. Das wäre absurd. Wir sind aus der Bundesliga abgestiegen und in der Saison darauf fast noch einmal. Zielsetzung ist, im nächsten Jahr eine Mannschaft zu haben, die im Favoritenkreis ist. Für die Spieler darf es nicht das Ende der Fahnenstange sein, bei der Admira zu spielen. Hier können sie sich etablieren, und dann kannst du sie auch an größere Klubs verkaufen. Das sind längerfristige Planungen, die im Fußball ja nie so einfach sind. Ich will die Strukturen so aufbereiten, dass das ein realistisches Szenario sein könnte.
(Mitarbeit: Nicole Selmer)