Vielleicht ist ja Roman Kienast schuld. Hätte er am 27. August 2013 nicht eine Minute nach seiner Einwechslung das entscheidende Tor gegen Dinamo Zagreb geschossen, wäre die Austria nicht in die Gruppenphase der Champions League gekommen. Der Klub hätte nicht vom großen Geld und unendlichen Möglichkeiten geträumt. Der Ausbau des Franz-Horr-Stadions wäre nur der nächste logische Schritt, also ein fernes Ziel geblieben, und die Austria würde zehn Jahre später nicht auf einem Schuldenberg von fast 70 Millionen sitzen.
Doch Roman Kienast hat getroffen. Die Austria hat gegen Atletico Madrid, Zenit Sankt Petersburg und Porto wichtige Erfahrungen und immerhin fünf Punkte gesammelt, und sie hat ins Stadion investiert. Das entsprach dem Zeitgeist. Langlebige Steine mitsamt ihrer gläsernen VIP-Logen galten als sichere Wertanlage im Fußball, nicht Beine, die ein paar vergebene Torchancen oder einen Kreuzbandriss später rapide an Wert verlieren konnten. „Man braucht ein gutes Stadion, eine gute Infrastruktur, um nachhaltig wirtschaften zu können“, sagte Finanzvorstand Markus Kraetschmer bei der Präsentation des Bauprojekts im November 2013.
Doch nachhaltig ist beim Wirtschaften der Austria nur der Verlust. Laut der Kennzahlen, die der Klub jährlich der Bundesliga vorlegen muss, machte er im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Minus von 6,9 Millionen Euro. In den Jahren davor wurden Verluste in der Höhe von 7,1 Millionen, 4,6 Millionen und 18,8 Millionen kommuniziert, das letzte Plus machte die Austria 2019 mit 2,3 Millionen. Auffallend ist dabei, dass es nicht um die Steine allein geht, auch die Kosten der Beine stiegen. Der Personalaufwand bei den Wienern war im Vorjahr fast zwei Millionen höher als im Jahr davor.
Die Austria setzt ihre Hoffnungen nun auf den Verkauf des Stadions, wie Finanzvorstand Harald Zagiczek dem Standard erzählte. Das Kalkül dahinter ist einfach: Zu den Erlösen aus dem Verkauf kommt hinzu, dass die potenziellen neuen Eigentümer auf einen Mieter angewiesen wären, dafür aber nur einer infrage käme. Doch ganz so leicht lebt es sich als Mieter nicht, wie man etwa in Innsbruck in Erfahrung bringen könnte. Aus den Mehreinnahmen aus Gastro und Hospitality, die ein Stadion bringen sollte, würde im Fall der Fälle wohl nichts. Kein Investor wird das Stadion übernehmen, nur um die Austria darin spielen zu sehen. Und dass ein Gläubiger als Käufer einspringt, nur um nicht um eine noch größere Summe umzufallen, oder die öffentliche Hand aus allgemeinem Interesse aushilft, sind sehr optimistische Szenarien.
Ob der Stadionverkauf gelingt oder nicht, den Austria-Fans stehen harte Zeiten bevor. Ein kleines Trostpflaster ist, dass sich so viele wie schon lange nicht für den Klub interessieren. Die Austria hat den besten Zuschauerschnitt seit mehr als 50 Jahren. Es ist die Verantwortung der Klubführung, mit den Fans offen und transparent zu kommunizieren, um sie zu halten. Nur mit ihnen kann die Austria auch diese wirtschaftliche Krise überleben.