In den letzten 20 Jahren haben die LASK-Fans wohl niemanden so gehasst wie Peter-Michael Reichel. Der Tennisvermarkter sprang 1999 bei den maroden Linzern ein und rettete sie vor dem Konkurs. Als Präsident entpuppte sich Reichel als Eigenbrötler, er führte den Klub autoritär, gab ihm zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. 2012 verzockte er sich, dem LASK wurde die Lizenz entzogen, er musste erstmals in die Regionalliga absteigen, die „Freunde des LASK“ übernahmen den Klub 2013.
Wenn er so weitermacht, werden die Fans Siegmund Gruber bald genauso hassen wie Reichel. Gruber – von 2016 bis 2023 Präsident, seither Geschäftsführer – bestimmt im Alleingang über den Verein. Anfang April ließ er gegen sechs Fans Hausverbote aussprechen. Betroffen waren die fünf eingetragenen Funktionäre der „Landstrassler“, der Dachorganisation der Fans, sowie der Sprecher der „Initiative Schwarz-Weiß“. Sie kämpfen hartnäckig und kreativ gegen den Einfluss des Sponsors BWT, symbolisiert in den rosafarbenen Dressen. Anfang April waren diese der Grund, dass bei einem Auswärtsspiel in Graz aus dem Fansektor Waschmaschinentabs auf das Spielfeld flogen.
Die Hausverbote sind völlig willkürlich, den Betroffenen wird kein konkretes Vergehen zur Last gelegt, nicht einmal, ob die Personen an dem Tag im Stadion waren, spielt eine Rolle. Gruber geht gegen die organisierte Fanszene als solche vor. Vielleicht weil er dem Großsponsor seine Loyalität beweisen möchte, vielleicht weil er es gewohnt ist, zu autoritären Mitteln zu greifen. Die offizielle Begründung des Vereins ist abenteuerlich: Es gehe darum, sämtliche Stadionbesucher, allen voran Familien und Kinder, zu schützen.
Die Angriffslust des Zampanos Gruber schadet dem LASK. Dutzende Fans kündigten im Internet an, ihre Abos zu kündigen, die Fanszene erklärte, den Support bis auf Weiteres einzustellen. Der langjährige Stadionsprecher Wolfgang Fröschl, der seine Tätigkeit mit Ende der Saison beenden wollte, nahm die Hausverbote zum Anlass, mit sofortiger Wirkung zurückzutreten. Er könne nicht an der Outlinie stehen und so tun, als wäre nichts, wenn der Verein völlig absurde Hausverbote ausspreche, schrieb Fröschl auf Facebook.
Wer etwas genauer hingeschaut hat, weiß von Grubers Härte. Fast im Jahrestakt wechselt der Verein langjährige Mitarbeiter aus, beinahe ebenso regelmäßig überwirft sich Gruber mit Sponsoren und Vorstandsmitgliedern. Es gibt nun offenbar niemanden mehr im Verein, der sich traut, Gruber Paroli zu bieten und ihm zu sagen, wenn er es übertreibt. Aus den „Freunden des LASK“ sind die „Freunde von Siegmund Gruber“ geworden.
Dabei bräuchte der LASK gerade jetzt eine umsichtige Führung. Die Verbindlichkeiten sind aufgrund des Stadionneubaus auf der Gugl – Grubers Prestigeprojekt – enorm. Nur ein Verein, der solide und seriös arbeitet, wird sie bedienen können. Seriös wäre, wenn der LASK einlenkt, die Hausverbote zurücknimmt und Gruber sich entschuldigt. Bei Drucklegung war davon keine Rede. Es ist den LASK-Fans zu wünschen, dass sie sich nicht schon bald nach Peter-Michael Reichel zurücksehnen.