FK Ordabasy Schymkent – Torpedo Kutaisi
Die Anreise erfolgt mit dem ortsüblichen Fortbewegungsmittel: Nach einer siebenstündigen Taxifahrt aus der kirgisischen Hauptstadt Bischkek erreichen wir die südkasachische Metropole Schymkent. Da wir früh ankommen, besichtigen wir noch das Museum der Opfer politischer Repressionen und suchen uns danach bei etwa 40 Grad einen Platz in einem traditionell kasachischen Lokal in Stadionnähe. Gerade haben wir uns hingesetzt, da machen rund 200 Fans des Heimteams mit Rauchfackeln, Schwenkfahnen und Gesängen auf sich aufmerksam. Während wir am Vortag beim kirgisischen Cuphalbfinale noch eine riesige Trompete und supportende Frauen mit Kopftuch in der ersten Reihe feiern konnten, sehen Stilmittel und Mob hier vertrauter aus. Auch wenn das Durchschnittsalter eher bei 18 Jahren liegt und wir – anders als gleich darauf im Stadionpublikum – keine Frau erkennen können.
In dem – nach einem kasachischen Wrestler benannten – Stadion geht es auf den Rängen deutlich wilder und lauter zu als erwartet. Zum Anpfiff sind die 20.000 Plätze fast alle gefüllt. Lediglich im Gästeblock ist noch Platz, da die Gäste aus Georgien nur mit ungefähr 20 Fans angereist sind. Zu Beginn präsentiert die Heimseite eine Choreografie: Deren Block auf Höhe der Mittellinie wird per Fähnchen in Blau und Weiß geteilt und vorne ein Banner mit der Aufschrift „Shymkent Hunting“ enthüllt. Da das Banner das ganze Spiel hängt, können wir keine sonstige Zaunbeflaggung entdecken. Lediglich eine kleine Fahne der „Texas Ultras“ hängt am Vorsängerpodest. Während der gesamten 90 Minuten hat der Block eine enorm hohe Mitmachquote und zeigt starken Support – hin und wieder sogar unter Einbeziehung des ganzen Stadions. Für den Oldschool-Hauch sorgt die Welle, die gleich fünfmal durch das Stadion dreht. Während im Fansektor fast ausschließlich schwarze T-Shirts getragen werden, ist das restliche Stadion, vermutlich wegen des heißen Wetters, eher in Weiß gekleidet.
Der Kampf der Spieler von Ordabasy dauert bis in die sechste Minute der Nachspielzeit, doch es soll nicht reichen: Nach dem verlorenen Hinspiel nutzt das 1:1 heute nichts, die Kasachen scheiden in der ersten Qualirunde zur Conference League aus. Für die Fans von Ordabasy ist der Abend wohl trotz der Niederlage ein absolutes Highlight. Zufrieden damit, mehr bekommen zu haben, als wir uns erhofft hatten, finden wir unseren Taxifahrer vor dem Stadion und treten die Rückfahrt nach Bischkek an.
(Daniel Hein & Paula Scholz)
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