Die Wiener Liga startet erst Ende Februar wieder in den Spielbetrieb. Der Landstraßer Athletik Club Inter, kurz: LAC, aus dem 3. Wiener Gemeindebezirk ist trotzdem sichtbar aktiv. Auf Instagram zeigt ein Video die Spieler beim Schneeschieben. Der Trainer hat Lauftraining angedroht, wenn der Platz nicht frei wird. Rund 3.000 Likes gab es dafür bei Drucklegung, viel mehr sammeln auch die Bundesligisten mit ihren Postings aus dem Wintertrainingslager nicht. Der LAC wurde 1911 gegründet, seine größten sportlichen Erfolge waren einige Saisonen in der zweiten Liga vor vielen Jahrzehnten. Im Sommer 2024 ist die Kampfmannschaft der Männer in die viertklassige Stadtliga aufgestiegen, mit seinen Auftritten bei Instagram und TikTok spielt der Klub aber ganz oben mit. Verantwortlich dafür ist Ulrich Hubauer, der ballesterer hat ihn am LAC-Platz getroffen.
ballesterer: Der LAC hat auf Instagram 15.000 Follower, auf TikTok 12.500. Mit diesen Zahlen spielt Ihr Verein mindestens zwei Ligen höher. Was ist da bei Ihnen los?
Ulrich Hubauer: Ich bin 2022 Social-MediaBeauftragter des Vereins geworden, damals haben wir Instagram und Facebook genutzt, TikTok aber noch nicht. Bei Instagram hatten wir wenige Follower. Wir haben dann einen TikTok-Kanal gestartet, und auch dort lief es anfangs nicht gut. Erst mit der „Frage der Woche“, bei der die Spieler*innen mehr im Vordergrund gestanden sind, ist es losgegangen. Ab da haben wir mehr Follower und Likes auf beiden Kanälen gewinnen können.
Haben Sie nach den ersten Erfolgen auf Social Media ein Ziel ausgegeben, das der Verein erreichen möchte?
Die Entwicklung hat uns gezeigt, dass wir das Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben. Unser klares Ziel ist es jetzt, die Reichweite strategisch zu nutzen, um unser Publikum zu vergrößern, also im real life. Obwohl wir in der Wiener Liga bereits einen guten Zuspruch bei den Spielen haben, können es noch mehr Zuseher*innen werden. Über unsere Social-Media-Kanäle wollen wir daher neue Menschen für den Verein begeistern und sie ins Stadion holen. Gleichzeitig macht uns diese Reichweite auch für Sponsoren attraktiver.
Wie wichtig sind Social-Media-Plattformen für den Verein im Vergleich zu den klassischen Kommunikationswegen?
Ich muss hier unseren Vereinsvorstand loben: Denn von Anfang an gab es freie Hand, um neue Ideen für Social Media entwickeln zu können. In Printmedien kommt der LAC seltener vor, und die Aufmerksamkeit ist gering. Und bei uns gibt es weder eine Vereinszeitung noch Matchprogramme. Der Kostenaufwand dafür ist einfach zu hoch, der Nutzen im Vergleich zu gering. Deshalb bleibt Social Media unser Fokus.
Haben Sie eine klare Zielgruppe definiert, die Sie über Social Media erreichen möchten?
Die Hauptzielgruppe auf TikTok und Instagram sind Personen zwischen 14 und 28 Jahren. Früher hat der LAC immer sonntags um 10.15 Uhr gespielt. Seit Kurzem ist unser Heimspieltermin samstags um 16.00 Uhr. Junge Leute kommen Sonntagvormittag eher nicht, so sind wir für sie attraktiver. Zweimal haben wir nach dem Match eine Afterparty auf dem Platz veranstaltet. Das ist besonders bei den Jungen gut angekommen, das hat den Zuspruch spürbar gesteigert.
Welche Inhalte funktionieren aus Ihrer Sicht auf TikTok und Instagram am besten?
Es unterscheidet sich kaum: Läuft ein Video auf TikTok gut, dann auch auf Instagram – und umgekehrt. Die „Frage der Woche“ und Videos mit catchy Themen funktionieren am besten. Was übrigens ungewöhnlich ist für einen Fußballverein: 70 bis 80 Prozent unserer Aufrufe kommen von Frauen. Das sehen wir positiv, weil es das Vereinsleben bunter macht und es mehr Interesse von potenziellen Spielerinnen am LAC weckt.
Wie entscheiden Sie, ob Reels, „Frage der Woche“- oder Highlight-Videos gepostet werden?
Wir achten auf Trends und lassen uns von anderen Vereinen inspirieren. Unsere Vorbilder sind dabei hauptsächlich deutsche und englischsprachige Klubs. In Deutschland, England und vor allem in den USA wird Social Media meist professioneller betrieben als in Österreich.
Wie gehen Sie mit Kommentaren unter Posts um, wird darauf aktiv reagiert?
Hier wollen wir künftig noch etwas aktiver werden. Kommentare unter der Gürtellinie löschen wir sofort. Das Meiste regelt sich jedoch unter den User*innen selbst.
Haben Sie eine bestimmte Strategie, um Interaktionen zu steigern?
Wir haben einen Wochenplan: Sonntagabend posten wir meist den Endstand der Kampfmannschaft und der Nachwuchsteams, die im Punktebereich spielen. Zwischen Montag und Mittwoch gibt es fast immer ein unterhaltsames Reel und einen News-Post. Freitags kommt die „Frage der Woche“, Matchankündigungen laufen über Storys – die nach 24 Stunden wieder verschwinden. So überfrachten wir unsere Accounts nicht: Kurzfristiges bleibt kurzfristig.
Welche Kennzahlen beobachten Sie auf den Social-Media-Kanälen?
Wir achten auf Aufrufzahlen, aber entscheidend ist die Kombination: Hohe Views plus viele neue Abonnent*innen. Unser Video mit der Frage der Woche „Bist du vergeben?“ ging wirklich viral – danach sind 4.000 bis 5.000 neue Follower*innen dazugekommen.
Können Sie direkte Effekte durch Social Media verzeichnen, also mehr Publikum bei den Spielen, neue Sponsoren und mehr Nachwuchsinteresse?
Bei den Sponsoren gibt es ein klares Ja. Social Media hat bei einigen eine wichtige Rolle gespielt, das wissen wir. Bei den Zuschauer*innen merken wir eine Steigerung: Durchschnittlich 250 bis 300 Leute kommen pro Heimspiel, damit sind wir in der Liga ganz vorne. Das hängt auch mit dem Aufstieg zusammen, aber TikTok und Instagram haben sicher dazu beigetragen, dass mehr Personen unsere Spiele schauen. Beim Nachwuchs sind die Effekte schwerer zu messen: Unser Nachwuchsmodell läuft schon lange gut, und der Standort hier im 3. Bezirk ist ideal.
Planen Sie, zukünftig weitere Plattformen wie YouTube Shorts, Twitch und Threads auszuprobieren?
Sollte eine neue Plattform künftig sehr präsent sein, sind wir offen dafür. Aktuell sieht es aber nicht so aus, dass ein Medium den zusätzlichen Zeitaufwand rechtfertigen würde.