Er setzte den Ton frühzeitig. Im April 2018, knapp zwei Monate vor der Vergabe der Weltmeisterschaft 2026, twitterte US-Präsident Donald Trump eine recht unverhohlene Drohung gegen Verbände, die gegen die, wie er es nannte, US-Bewerbung stimmen könnten: „Warum sollten wir diese Länder (auch bei den Vereinten Nationen) unterstützen, wenn sie uns nicht unterstützen?“
Der oder eben die Ausrichter der WM 2026 wurden am Tag vor der Eröffnung des Turniers in Russland bestimmt – zum ersten und bisher letzten Mal in anschließend veröffentlichter Wahl durch alle FIFA-Mitgliedsverbände. Die Bewerbung von Kanada, Mexiko und den USA setzte sich mit 134 zu 65 Stimmen gegen Marokko durch. Das Trio war vor allem dank der vorhandenen Infrastruktur und der erwartet höheren Erlöse favorisiert. „United 2026“ lautete das Motto der Einreichung, die Einigkeit war ein zentrales Verkaufsargument. Um bei anderen Verbänden um Stimmen zu werben, waren Dreierteams mit jeweils einer Vertretung aus jedem Land vor der Abstimmung durch die Welt gereist.
Drohgebärden
Trump war es zu verdanken, dass das Rennen doch an Spannung gewann. „Die WM-Vergabe verwandelt sich hinter den Fußballkulissen gerade in etwas ganz anderes: in ein weltpolitisches Referendum“, schrieb Sportjournalist Thomas Kistner im März 2018 in der Süddeutschen Zeitung. Kurz zuvor hatte Trump Haiti, El Salvador und die Länder Afrikas als „shithole states“ bezeichnet.
Ende 2017 hatte die US-Regierung Einreiseverbote für Menschen aus unter anderem dem Iran, Jemen, Libyen und Somalia verhängt. An der Grenze zu Mitausrichter Mexiko ließ Trump in seiner ersten Amtszeit eine Mauer errichten, Mitausrichter Kanada drohte er damals bereits mit Zöllen auf Stahl. Sollte die Wahl in Moskau wirklich ein weltpolitisches Referendum gewesen sein, war das Signal deutlich: Die Einschüchterungsversuche aus dem Weißen Haus hatten Erfolg.
Zwischen der Vergabe am 13. Juni 2018 und dem Eröffnungsspiel am 11. Juni 2026 im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt liegen eine Pandemie, zwei WM-Turniere der Männer und Frauen samt heftiger begleitender Debatten um Fußball, Menschenrechte, Gleichberechtigung und Sportswashing. Und Wahlen in den drei Ausrichterländern. In Kanada und Mexiko gibt es heute andere Regierungschef*innen als vor acht Jahren: den liberalen Premierminister Mike Carney und die linksliberale Präsidentin Claudia Sheinbaum. In den USA hingegen regiert Trump zum zweiten Mal.
Spannungselement
Bei der gewonnenen Abstimmung in Moskau lagen sich die mitgereisten Funktionär*innen in den Armen. Carlos Cordeiro, der Präsident des US-Fußballverbands, sagte: „Das schöne Spiel überschreitet nationale Grenzen und Kulturen.“ Vor allem aber überschritt die US-Regierung in den letzten Monaten Grenzen – oder träumte davon. Trump spricht seit Anfang 2025 von Kanada als dem 51. Bundesstaat der USA und nannte im November 2025 einen möglichen Angriff auf Mexiko okay, wenn es darum ginge, den Drogenhandel zu stoppen.
Er verhängte Zölle gegen beide Länder und verletzte damit ein trilaterales Freihandelsabkommen, Kanada und Mexiko konterten mit Gegenzöllen. Auf die Frage, ob die Konflikte zwischen den Gastgebern eine Gefahr für das Turnier darstellen würden, sagte Trump bei einem Termin mit FIFA-Präsident Gianni Infantino im Oval Office im März 2025: „Oh, ich denke, sie werden es spannender machen. Spannung ist eine gute Sache.“