Noch ist „11 Leben“ nicht vorbei. Elf Folgen wollte Max-Jacob Ost ursprünglich aufnehmen, mittlerweile sind es vierzehn. Im Fokus seines Podcasts steht der Werdegang von Uli Hoeneß, dem Fleischhauersohn aus Ulm, der nach einer kurzen Spielerkarriere mit 27 Manager beim FC Bayern wurde und ihn zur unangefochtenen Nummer eins im deutschen Fußball machte. Von Folge zu Folge taucht Ost nicht nur tiefer in die Biografie ein, sondern auch in deren zeitgeschichtlichen Kontext. Er spricht auf einmal nicht mehr nur über Hoeneß, sondern auch über die Legalisierung von Trikotwerbung, die Schwarzgeldaffäre der CDU und Spekulationsblasen an der Börse. Der Podcast wird dadurch zum Lehrstück über die jüngere deutsche Geschichte.
Dennoch ist die Serie nie trocken. Nicht einmal die zwölfte Folge, die über zwei Stunden dauert, wird langatmig. Das liegt nicht nur an den Cliffhangern, mit denen Ost die Spannung auf die Spitze treibt, sondern auch an seiner Liebe zum Detail. Er trifft Hoeneß’ ehemaligen Turnlehrer, seine Mannschaftskollegen vom VfB Ulm und den späteren Kontrahenten Christoph Daum. Und während Ost sich anhand dieser Gespräche chronologisch vorarbeitet, ist er in der Gegenwart damit beschäftigt, Hoeneß davon zu überzeugen, ihm ein Interview zu geben.
ballesterer: Ihr Podcast wirft einen kritischen Blick auf die Biografie von Hoeneß und schildert zugleich Ihre Versuche, ein Interview mit ihm zu bekommen. Ist das nicht schwer zu vereinbaren?
Max-Jacob Ost: Nein, das war kein Problem. Ich hätte mich nicht so lange verstellen können. Mir war wichtig, nicht ungerecht zu ihm zu sein. Und dass ich seine Sicht auf die Dinge wiedergebe.
Viele der Aussagen, mit denen Sie Hoeneß zitieren, sind heftig. In manchen Auseinandersetzungen agiert er an der Grenze zur Übergriffigkeit. Hat sich Ihre Meinung über ihn im Laufe der Recherchen geändert?
Ich würde eher sagen, mein Gefühl hat sich bestätigt. Es ist schon krass, wie er Leute manchmal angeht. Auch wenn ich sehe, wie er über Toni Kroos herzieht, bekomme ich Gänsehaut. Ich finde das fast körperlich unangenehm.
In einer Folge sitzen Sie mit Hoeneß im Fernsehtalkformat „Doppelpass“. Er lässt Sie ziemlich auflaufen. Was war das für eine Erfahrung?
Ich habe probiert, ihm kritische Fragen zu stellen. Nicht nur einmal. Aber ich bin damit nicht durchgekommen, er hat mich abblitzen lassen. In der Werbepause hat er mich dann angeschaut und gegrinst. Nach dem Motto: „Ich weiß, was du machen wolltest, du junger Hüpfer. Aber da muss dir schon etwas Besseres einfallen.“ Da merkst du schon, wie gut er sein Handwerk beherrscht.
Karl-Heinz Rummenigge, der jahrzehntelang mit Hoeneß zusammengearbeitet hat, kommt ebenfalls häufig vor. Könnte man über ihn auch so einen Podcast machen?
Nein, das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wenn man in einer Fußgängerzone 100 Leute fragt, kennen 40 davon Rummenigge vermutlich nicht einmal, oder er ist ihnen egal. Aber zu Hoeneß haben sicher 90 eine klare Position. Er ist viel näher an den Menschen, nicht nur wegen seines Humors, sondern weil wir alle Menschen kennen, die ihm in gewisser Hinsicht ähnlich sind.
Gibt es denn eine andere Person aus dem Fußballbetrieb, über die man so einen Podcast machen könnte?
Man müsste den Fokus ändern. Ich fände es total interessant, über eine Person die Geschichte des deutschen Frauenfußballs oder die des Rassismus im Sport zu erzählen. Es gibt sehr viele Bereiche, in denen dieses Konzept funktioniert.