Traumpass ins Seitenaus ist ungewöhnlich für ein Groundhoppingheft, da es weder einen Spielbericht noch die Erzählungen von Hoppingtouren enthält. Stattdessen hat sich Julian Wecera aufgemacht, eine Übersicht über die besten Stadien und Sportplätze der fränkischen Stadt Bamberg zu verfassen. Er stellt sie mit Bildern vor und schreibt von seinen Eindrücken beim Besuch der leeren Grounds, er betreibt also statt des Groundhoppings ein Groundspotting.
Das Fanzine ist während der Covid-19-Beschränkungen entstanden, als kein Spielbesuch möglich war. Für die Zeit danach hat Wecera eine To-do-Liste erstellt. In zehn Punkten listet er seine Groundhoppingziele auf, sie reichen vom A-Platz des Sportzentrums Gaustadt über einen Ausflug zu Victoria Hamburg bis hin zum Steigerwaldstadion in Uehlfeld.
ballesterer: Bisher haben Sie auf Ihrem Blog und Facebook über Ihre Groundhoppingerlebnisse berichtet. Warum haben Sie nun ein gedrucktes Heft gemacht?
Wecera: Ich lese vor Spielen und in der Halbzeit selbst gerne in gedruckten Heften – egal, ob Spieltagsheftchen vom Heimverein, Fanzines oder die großen Magazine. Das ist ein anderes Lesen als am Bildschirm. Daher habe ich schon lange ein Heft machen wollen, jetzt habe ich mich endlich getraut.
Im Fokus stehen die Plätze von Amateurteams. Was hat das Unterhaus der Glitzerwelt des Fußballs voraus?
Bei unterklassigen Spielen bin ich einfach näher dran am Geschehen. Ich bekomme mit, wie Schiedsrichter, Spieler und Trainer kommunizieren, ich höre jedes „Schiri, der hat fei schon Gelb“ von den Zuschauern. Außerdem habe ich das Gefühl, dass es echt ist: Was nach dem Tor passiert, ist kein einstudierter Jubel. Die freuen sich einfach. Und ich weiß, mein Eintrittsgeld kommt direkt beim Verein an. Es ist besser investiert, wenn es beim Mannschaftsabend eines Kreisligisten versoffen wird, als wenn es in die Ablösesumme für den neuen Stürmer eines Bundesligisten fließt. Wobei ich natürlich trotzdem auch ab und zu bei Spielen von Profivereinen vorbeischaue.
War Groundspotting eine Art Ersatzdroge in der Pandemie? Oder kann das auch künftig ein Interessensgebiet Ihrer Fußballleidenschaft bleiben?
Grundsätzlich war es eine Ersatzdroge. Ich bin viel lieber am Sportplatz, wenn dort gespielt und gegrillt wird. Groundspotting wird aber trotzdem ein Teil meiner Leidenschaft bleiben, weil man den Platz oder das Stadion völlig anders auf sich wirken lassen kann, wenn nichts los ist.
Viele Groundhopper sind von Flutlichtmasten fasziniert, andere von weiteren Details der Fußballplätze. Im Heft ist eine Fotosammlung von Ersatzbänken abgedruckt. Was gefällt Ihnen daran?
Die Fotos sind im Lauf der Recherche entstanden. Eigentlich ist die Ersatzbank ja etwas Banales: eine Sitzgelegenheit für Trainer und Wechselspieler. Trotzdem gestaltet sie jeder Verein anders. Die einen upcyceln die Rückbank eines VW-Busses, andere stellen einfach eine Bierbank hin. Mancherorts steht eine alte Bushaltestelle am Spielfeldrand. Das finde ich faszinierend.
An wen richtet sich das Heft?
An alle Fußballverrückten, die in der Halbzeitpause gerne etwas zum Durchblättern dabei haben und auch einmal ihren Blick auf die unteren Etagen des Fußballs richten, in denen es nicht so glitzert und funkelt wie in der Champions League. Außerdem richtet es sich an alle, die schon immer wissen wollten, wie die Ersatzbank der SpVgg Etzelskirchen aussieht.