Es könnte alles so schön sein in Wien-Favoriten. Die Austria hat sich neu aufgestellt, eine Investorengruppe die unmittelbarsten Existenzsorgen etwas gelindert und Manfred Schmid aus der Not eine Tugend gemacht. Seine junge Mannschaft spielt einen erfrischenden Fußball, der nicht nur erfolgreich genug für das obere Play-off war, sondern fast schon wieder so etwas wie Euphorie unter den Fans aufkommen ließ. Doch etwas anderes hat sich bei der Austria nicht zum Positiven verändert: Probleme mit rechtsextremen Fans.
Anfang März sorgte die Hooligangruppe „Unsterblich“ beim Spiel gegen die Admira in der Südstadt wieder einmal für Wirbel. Zuerst gedachten die Männer in ihren Jacken mit dem abgeänderten SS-Totenkopf eines rechtsextremen Freunds, dann beschimpften sie einen Admira-Spieler rassistisch und stürmten Richtung Heimsektor. Die Austria verurteilte den Vorfall, die Medien produzierten Schlagzeilen, und in den Foren wurden härtere Maßnahmen gefordert. Doch so einfach lässt sich das Problem nicht lösen.
Es ist keine Überraschung, dass „Unsterblich“ gerade jetzt wieder für öffentliche Aufmerksamkeit sorgt. Ganz weg war die Gruppe ohnehin nie, zuletzt war sie öfter bei Auswärtsspielen dabei. Zudem waren rechte Fußballfans schon lange nicht mehr so sichtbar wie in den letzten zwei Jahren. Sie sind fester Bestandteil der teilweise wöchentlichen Demonstrationen gegen die Coronaschutzmaßnahmen. Manchmal ziehen diese mehr, manchmal weniger Fans – nicht nur der Austria – an. Dass ihnen Gehör geschenkt wird, beweist die Bundesregierung Woche für Woche mit ihrem erratischen Pandemiemanagement.
Ausschlaggebend für ihre Stellung ist aber ohnehin nicht ihr öffentliches Auftreten, sondern das im Austria-Kosmos. Der Verein kann „Unsterblich“ zwar den Fanklubstatus absprechen und Hausverbote erteilen, verhindern, dass sich die Betroffenen als Austrianer fühlen und an Aktivitäten anderer Fans teilnehmen, kann er nicht. Wenn der Klub also kommuniziert, dass es sich um keine Austria-Fans handle, liegt er falsch. Es sind höchstens keine Fans, wie sie sich die Austria wünscht. Aber bei Fans ist es wie bei der Familie, die sucht man sich nur in den seltensten Fällen aus.
Wenn Mitarbeiter verprügelt, eigene Spieler rassistisch beschimpft und Fans angefeindet werden, ist das nicht nur für die physische Unversehrtheit bedrohlich, sondern es zeigt, wie tief das Problem liegt. Würden relevante Gruppen der aktiven Fanszene solche Vorfälle nicht zumindest dulden, würden sie nicht passieren. Der Ansatz, die Rechtsextremen allein durch Hausverbote und andere Repressionsmaßnahmen aus dem Austria-Umfeld zu verbannen, ist gescheitert. Der Verein kann das Problem nur gemeinsam mit den Fans lösen, er muss die breite Unterstützung der Szene mobilisieren.
Dafür reicht es nicht, sich öffentlich zu Weltoffenheit und einem progressiven Leitbild zu bekennen, die Austria muss diese Haltung intern durchsetzen. Sie muss in der Szene Diskussionen darüber intensivieren, was diese toleriert und was nicht. Dabei besteht die Gefahr, dass sie auch Fans, die in Loyalitätskonflikte kommen, verärgert und verliert. Das mag ein mühsamer Weg sein, insbesondere wenn man sich gerade neu aufstellt und auf jegliche Unterstützung angewiesen ist. Aber um zu erkennen, dass eine Not auch zur Tugend werden kann, brauchen die Verantwortlichen gar nicht weit schauen – ein Blick auf den Rasen genügt.