11.000 Zuschauer waren es offiziell. Nach realistischen Schätzungen dürften sich am 4. April 1986 noch ein paar tausend mehr durch aufgezwickte Zäune Zugang zur Hohen Warte verschafft haben. Sie kamen, um „K & K“ zu sehen: Hans Krankl und Mario Kempes. Krankl war im Jänner von Rapid zum Wiener Sport-Club gekommen, Kempes ein Monat darauf aus Alicante zur Vienna. Das Match, das 1:0 für die Gastgeber endete, war nominell eines zwischen Zweitligisten, doch es fand im Mittleren Play-off statt, dem Niemandsland zwischen den Ligen.
Start bei null
Die Ligareform 1982 mit der Aufstockung von zehn auf 16 Teams hatte die Liga verändert. Von Neusiedl über Spittal bis zu Eisenstadt spielten auf einmal kleine Klubs mit. „Als ORF-Mitarbeiter ist man wie ein König empfangen worden – das Fernsehen war da. Es war auch immer eine tolle Stimmung, aber es war Dorffußball“, sagte Michael Kuhn in einer ORF-Dokumentation. Die meisten Neuzugänge hielten sich nicht lange, das sportliche Gefälle war groß, die Zuschauerzahlen klein. Die nächste Reform kam 1985, sie rückte erste und zweite Liga enger zusammen. Zwei Zwölferstaffeln trugen im Herbst einen Grunddurchgang aus, im Frühjahr gab es Play-offs in drei Gruppen mit je acht Teams. Oben ging es um den Meistertitel und den Europacup, unten gegen den Abstieg in die Regionalliga und dazwischen um alles. Die großen Vereine profitierten vom neuen Modell, lieferte es doch viele Spitzenspiele.
Für die anderen wurde der Überlebenskampf härter und teurer, denn im Mittleren Play-off begann die Punktezählung im Frühjahr bei null. Transfers und Trainerwechsel zur Winterpause erhielten größeres Gewicht. Den Sport-Club und die Vienna hatte die Verkleinerung der Liga 1985 in die zweite Spielklasse gespült, mit Krankl und Kempes spielten sie im April 1986 im Mittleren Play-off um die Rückkehr nach oben. Erfolgreich. Dafür mussten mit dem SK VÖEST Linz und dem SC Eisenstadt der Neunte und Zehnte des Grunddurchgangs der ersten Liga absteigen.
Der Sport-Club holte wenige Monate nach Hans Krankl mit Felix Gasselich einen weiteren ehemaligen internationalen Star und erreichte mehrfach das Obere Play-off, aber nicht die Europacuplätze. 1991, inzwischen sportlich und finanziell geschwächt, wurde der WSC Letzter im Mittleren Play-off und damit Zweitligist. Besser schlug sich zunächst die Vienna, die ab 1987 unter Ernst Dokupil auf die Entwicklung junger Spieler setzte: Mit Andreas Herzog, von Rapid ausgeliehen, und Peter Stöger, der von Vorwärts Steyr kam, erreichte der Klub 1988 erstmals den UEFA-Cup. Doch halten konnte die Vienna ihre Talente nicht, Rapid nahm Herzog dankbar zurück, Stöger wechselte zur Austria. Im Frühjahr 1990 vergraulte der Verein zudem seinen Erfolgstrainer. Statt auf Europacupplätzen spielte die Vienna 1991 und 1992 wieder im unberechenbaren Mittleren Play-off.
Abschied für immer
Derweil wurde die Bundesliga im November 1991 nicht nur eigenständig und neben den Landesverbänden zehntes ordentliches Mitglied im ÖFB, sondern reformierte ihre Reformen. „Es wurde schon zu viel probiert, zu viele Reformen schaden dem Fußball“, sagte Ligavorsitzender Hans Reitinger. Der erhoffte Zuschauerzuwachs hatte sich nicht eingestellt, eine Rechnung ergab zudem, dass bei einer Teilung der TV- und Werbeerlöse durch zehn mehr für den einzelnen Klub übrigen bleiben würde. So beschloss die Generalversammlung für die Saison 1993/94 die Rückkehr zur Zehnerliga.
Zuvor feierte das Mittlere Play-off im Frühjahr 1992 seinen dramatischen Höhepunkt: Drei Erstligisten stiegen ab, drei Zweitligisten auf. Vor der letzten Runde lag der WSC einen Punkt vor der Vienna, die aber mit einem 2:1-Heimsieg über Sturm vorlegte. Denn das eigentlich parallel stattfindende Spiel des Sport-Club beim GAK wurde wegen eines Gewitters verschoben. Tags darauf führten die Grazer nach 75 Minuten 4:1, der Vienna schien der Klassenerhalt sicher. Doch das Spiel endete 4:4. Die Vienna stieg ab – und bisher nicht wieder auf. Der WSC spielte noch einmal im Meister-Play-off und stieg 1994 aus der Zehnerliga direkt ab. Während der Saison war bereits ein Ausgleichsverfahren eröffnet worden, auch der Wiener Sport-Club kehrte bis heute nicht in die Bundesliga zurück.