Auf 122 Seiten bietet dieses Buch erstaunlich viel. Zum einen den Bericht, den es im Untertitel verspricht: „Wie ich zwölf Jahre als Grassroots-Fußballvater überstanden habe und noch davon erzählen kann“. En passant gewährt es Einblicke in den englischen Nachwuchsfußball, dessen Dorfklubs und das Akademiensystem, in Erlebnisse mit Trainern und anderen Eltern. Die Art des Erzählens ist es, die „Doing it for the kids“ von Chris Hunt dabei so besonders macht. Beginnend im Alter von fünf Jahren zeichnet der in Cambridgeshire lebende Autor mit subtilem Humor und großer Empathie die Laufbahn seines inzwischen 18-jährigen Sohnes Harry nach, der heute auch als Trainer von Cambridge United arbeitet.
Hunt sollte eigentlich wissen, auf welches Terrain er sich mit Harrys Beitritt zu den Ely Rovers begeben hat. Hunt ist leidenschaftlicher Fan und war in den 1990er Jahren Chefredakteur von Match, dem damals auflagenstärksten Fußballwochenmagazin in Großbritannien. Als Harry zur Welt kommt, arbeitet er im Kommunikationsbereich von Tottenham Hotspur. Aber was hilft das, wenn man im Sportgeschäft steht und nicht weiß, welche der vielen Fußballschuhe für einen talentierten Fünfjährigen die richtigen sind? Wer im Nachwuchsfußball verstrickt ist, wird sich in dieser klug erzählten Lebensbeichte wiederfinden – und sie lieben.
ballesterer: Am Cover Ihres Buches gehen Vater und Sohn Hand in Hand über einen Rasenplatz. Wer hat in Ihrem Fall wen geführt?
Chris Hunt: Harry ist mit seinem großartigen linken Fuß immer vorangegangen. Ich liebe Fußball, habe aber nie wirklich in einer Mannschaft gespielt – weder als Erwachsener noch als Kind. Aus diesem Grund sah ich mich nicht als Vater, der am Spielfeldrand steht. Die Vorstellung, einer Horde Kinder dabei zuzusehen, wie sie einem Ball hinterherjagt, hat mich nicht gereizt. Ich schätze, wenn man selbst ein Kind hat, verändert sich etwas in einem.
Sie behaupten, Nachwuchsfußball würde einen zu einem so schrecklichen Menschen machen, dass man sich im Spiegel nicht mehr wiedererkennt. Warum klingt Ihr Buch dann so empathisch?
Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich die Geschichte ehrlich erzählt und meine Fehler offen zugegeben habe. Viele Leute wissen, wie real das Buch ist, und können meine Emotionen nachempfinden, weil sie das Gleiche mit ihren Kindern erlebt haben. Es gab sicherlich Momente, in denen ich darauf gehofft habe, dass andere Spieler sich verletzen, damit Harry eingewechselt wird. Das ist falsch, aber wenn sie ehrlich sind, haben die meisten irgendwann einmal ähnliche Gefühle gehabt.
Im Buch werden Sie vom Saulus zum Paulus. Zunächst sind Sie überzeugt, Nachwuchsfußball sei kein richtiger Fußball. Warum haben Sie Ihre Meinung geändert?
Als es darum ging, England bei der EM 2016 in Frankreich spielen zu sehen, habe ich gemerkt, dass sich meine Einstellung geändert hatte. Ich hatte Tickets für das Spiel gegen Russland, aber am selben Tag war Harrys Mannschaft bei einem großen regionalen Turnier. Und ich wollte lieber Harry spielen sehen. Schließlich hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt kaum ein Spiel von ihm verpasst.
Wie hat Ihre Familie das Buch aufgenommen?
Meine Frau Fiona hasst Fußball und so ziemlich alles, was ich ihr zwölf Jahre lang zugemutet habe. Aber sie liebt das Buch, weil sie weiß, wie wahr es ist – und sie hat gesehen, wie befreiend es für mich war, es zu schreiben. Harry selbst hat, wie alle Jungen, wenig Interesse an Büchern. Kürzlich habe ich ihn aber doch überreden können, ein paar Kapitel zu lesen. Nachdem er es weggelegt hatte, sah er mich an und sagte: „Um ehrlich zu sein, Dad, es ist ziemlich gut.“
Edit: Im gedruckten Heft haben wir leider nicht das korrekte Cover zu dieser Rezension verwendet, hier seht ihr das richtige. Entschuldigung!