Finale. Takefusa Kubo dribbelt, schießt den Ball ins Kreuzeck, 1:0. Kubo jubelt mit Kapitän Takumi Minamino und Ayase Ueda, und mit ihnen die Fans im Stadion. Doch die Partie kippt. Das Momentum wechselt, und es wird düster. Die Gegner spielen wie verwandelt, schießen erst das 1:1, dann das 1:2. Dann schwebt ein Vogel über die Arena – und plötzlich ist da Licht. Die Streifen auf den dunkelblauen Trikots leuchten auf, die schwarzen Wolken verschwinden. Vorne gleicht Minamino wuchtig aus, hinten pariert Tormann Zion Suzuki grandios. Kubo und sein Gegenspieler stehen Kopf an Kopf, Close-up, Aus.
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Das Spiel hat nie stattgefunden, es ist das Musikvideo von J-Pop-Sängerin Ado zum Song „Kira“, auf Deutsch in etwa „Funkeln“ oder „Strahlen“. Japans Teamspieler sind darin Animecharaktere, ihre Gegner verwandeln sich – angeführt von einem Löwen mit Krone – in Monster und Dämonen, haben Hörner und spitze Zähne, sind umgeben von Schatten und Flammen. Der Vogel, der zur Rettung eilt, ist der Yatagarasu, eine dreibeinige Krähe aus der Mythologie des Shintō. Er ist das Wappentier des japanischen Fußballverbands JFA. Fußball und Popkultur sind in Japan eng verzahnt, Adidas nutzt das, so wie im Musikvideo, zu Promotionzwecken. Schon 2022 waren die WM-Trikots von der Manga- und Animeserie „Blue Lock“ inspiriert.
Doch Japan will nicht nur optisch überzeugen. Mit dem „JFA Pledge“ hat der Verband 2005 ein langfristiges Konzept ausgerufen. Die Ziele: WM-Titel bis 2050, Semifinale bis 2030. Zwei Chancen bleiben bis zum Etappenziel, bisher war spätestens im Achtelfinale Schluss. War 1998 bei der ersten WM-Teilnahme noch kein japanischer Teamspieler im Ausland aktiv, sind es heute fast alle. Das ist kein Zufall, sondern im „Project DNA“ und der „Vision 2030“ der J.League festgeschrieben.
Von den Animehelden spielt Kubo bei Real Sociedad, Minamino in Monaco, Ueda bei Feyenoord und Tormann Suzuki bei Parma Calcio. Den Sprung nach Europa schaffte er über die VV Sint-Truiden. Der belgische Erstligist wurde 2018 vom japanischen Onlinehändler DMM.com gekauft, seither spielten 27 Japaner für den Klub. Aus dem aktuellen Kader sind beziehungsweise waren Verteidiger Shogo Taniguchi, die Mittelfeldspieler Wataru Endo, heute Liverpool, und Daichi Kamada, heute Crystal Palace, sowie Stürmer Keisuke Goto beim Klub unter Vertrag. Er kooperiert mit mehreren J1- und J2-League-Teams.
Bei Drucklegung ist Japan als beste asiatische Nation 18. der Weltrangliste und hat seit Oktober gegen Brasilien und England gewonnen. Die Teilnahme an der WM 2026 stand bereits am 20. März 2025 fest. Teamchef Hajime Moriyasu sagte damals: „Ich glaube nicht, dass es eine einfache Aufgabe ist, die WM zu gewinnen. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir gewinnen können, egal, gegen wen wir spielen.“ Wer gegen Monster siegt, sollte trotz der Gruppengegner Niederlande, Tunesien und Schweden keine Furcht zeigen.