Wenn nicht nur das Laufen, sondern sogar jeder Schritt zur Qual wird, kann das an mangelnder Kondition, einem Herzpatschen und zu engen Schuhen liegen – oder am Fersensporn. Wilden Schätzungen zufolge hat jeder zehnte Österreicher einen solchen. Ein Fersensporn tritt fast immer an der Unterseite des Fersenbeins, also an der Fußsohle auf, seltener am Achillessehnenansatz. Er ist Folge einer Überbelastung.Kalkreparaturen
Gründe für Überbelastungen gibt es allerdings viele. Bei den meisten Fußballern fällt Übergewicht als möglicher Auslöser weg, jedoch kann auch eine falsche Lauftechnik oder zu hartes Schuhwerk einen Fersensporn begünstigen. In Zeiten, in denen die Sportler vom Sponsor zum regelmäßigen Schuhtausch gezwungen werden, ist das häufiger der Fall als früher. Auch langes Stehen oder ein zu flaches Fußgewölbe können neben einseitigen Belastungen – wie sie bei wiederholten langen Autofahrten auftreten – ursächlich für einen Fersensporn zeichnen.
Die angeführten Belastungen führen zu kleinen Rissen am Sehnen-Knochen-Ansatz, die mit Kalkeinlagerungen repariert werden. Über die Zeit bildet sich ein – im Röntgenbild gut erkennbarer – Fortsatz, der dort nicht hingehört. Das muss nicht unbedingt schlimm sein, denn einen Fersensporn zu haben, heißt nicht zwangsläufig, daran zu leiden. So ist es durchaus möglich, selbst mit einem Fersensporn wunderschöne Ferserltore zu erzielen, so eines wie es der Beric Robert beim Saisonauftakt der Rapid gegen Ried geschossen hat. Der Notfallambulanz ist nicht bekannt, ob der slowenische Stürmer einen Fersensporn hat. Vielleicht weiß das nicht einmal der Rapid-Arzt Doktor Balzer Thomas, denn ein Fußballerfuß wird nicht prophylaktisch auf Fersensporne durchleuchtet. Es wäre eine sinnlose Untersuchung, die Strahlenbelastung kann man sich daher sparen.
Schonen, schonen, schonen
Der Balzer Doktor wüsste aber mit Sicherheit, was beim Auftreten von Beschwerden zu tun wäre. Erste Maßnahme ist die Entlastung des Fußes. Die konservative Therapie beginnt man, indem man dem Patienten weiche Einlagen verschreibt, am besten mit einem Gelpolster. Hier gibt es eine breite Angebotspalette, und nicht jede Geleinlage taugt gleich viel. Auch das Kinesiotape – der Alleskönner in der Sportphysiotherapie – kann zum Einsatz kommen.
Außerdem gilt es, die Ursache zu erforschen und zu behandeln. Entweder mit Einlagen, die das Fußgewölbe unterstützen, oder mit Krankengymnastik, die die Muskulatur stärkt. Viele Fußballer müssen erst lernen, richtig und gesund zu laufen. Eine Laufschulung ist deshalb – nicht nur beim Fersensporn – angesagt. Tritt nach der ersten sanften Behandlungswelle keine Besserung ein, greift man zu härteren Mitteln. Injektionen an die entzündliche Stelle oder eine Stoßwellentherapie stehen zur Verfügung. Wenn das alles nichts nützt, kann man nur noch schonen, schonen, schonen. Das wiederum ist für manchen Sportler die größte Qual.
Wolfgang Pennwieser ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin in Wien.