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22. März 2015
Groupama Arena
Zuschauer: 8.973
Resultat: 2:0
Wer durch die engen Gassen des 7. Bezirks schlendert, wird bildgewaltig an die ungarische Fußballvergangenheit erinnert. In der Nähe der großen Synagoge ist der Kulminationspunkt der ungarischen Fußballkultur – der 6:3-Sieg der Nationalmannschaft in Wembley 1953 – an einer Häuserwand verewigt. Von Mai 1950 bis zu einem gewissen Spiel im Berner Wankdorf-Stadion blieb Ungarns Goldene Elf in 49 Spielen ungeschlagen, länger als etwa das viel gepriesene österreichische „Wunderteam“. Doch vom Glanz der vergangenen Tage ist aktuell wenig zu spüren.
Das zeigt trotz Derbytime in Budapest auch die unmittelbare Gegenwart. Nachdem sich Honved und Ujpest FC im Budapester Äquivalent der Südstadt glanzlos unentschieden getrennt haben, steht tags darauf das Treffen der beiden erfolgreichsten ungarischen Mannschaften an: Die Budapester Grün-Weißen empfangen den Rivalen aus der Josefstadt. Mit der blauen U-Bahn fahre ich zur Station Nepliget, in deren unmittelbarer Nähe sich die moderne, aber etwas seelenlose Groupama Arena erhebt. Um ins Stadion zu kommen, brauche ich neben der Eintrittskarte einen Fanausweis. So bildet sich bei der entsprechenden Registrierung eine längere Schlange, was die Administration phlegmatisch, fast arbeitseinstellend zur Kenntnis nimmt.
So sehe ich auch nicht zeitgerecht, wie Thomas Doll auf der Bank der Heimmannschaft Platz nimmt. Am Spielfeld mühen sich mit Benjamin Lauth und Tamas Hajnal in die Jahre gekommene Routiniers aus der deutschen Bundesliga ab. Die Fäden im Spiel zieht Altmeister Zoltan Gera, der Ferencvaros zu einem ungefährdeten 2:0-Sieg führt. Ab und zu blitzt ein kleiner Geniestreich des früheren England-Legionärs auf, mehr passiert aber nicht. Von MTK, dem ehemaligen Klub der Budapester Bourgeoisie und des hauptstädtischen Judentums, kommt gar nichts.
Einen Österreichbezug gibt es auch, beackert doch Ex-Austrianer Emir Dilaver die rechte Spielseite der Sieger. Dem schwachen Spielniveau passt sich auch der Fansupport in der nur zu einem Drittel gefüllten Arena an. Nach dem Schlusspfiff lenke ich meine Schritte zur U-Bahn, denke an die Größen der Vergangenheit und beschließe, mich mit ungarischen Fleischpalatschinken für meinen Ausflug zu belohnen.
(Alexander Juraske)