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15. Februar 2015
Hüseyin Avni Aker Stadi
Zuschauer: 10.000
Resultat: 3:2
Um ein Spiel in der türkischen Süper Lig zu sehen, braucht man seit Saisonbeginn die „Passolig“, doch ich beschließe, mein Glück auch ohne diesen Fanausweis zu versuchen. Vor dem Stadion spreche ich Anhänger an, die mir kurzerhand eine „Passolig“ in die Hand drücken. Bei der zweiten Kontrolle werde ich von Ordnern aufgehalten und in einen abgeschlossenen Bereich unterhalb der Tribüne gebracht. Während von oben Gesänge und Jubel zu hören sind, werde ich befragt. Wenig später führen Polizisten den Inhaber der „Passolig“ und mich auf die Wache ab. Ich verbringe vier Stunden zwischen Warten und Fragen zu meiner Herkunft, meiner Reise und dem Hergang des Delikts, aber auch zu Marko Arnautovic, dem ehemaligen Besiktas-Stürmer Pascal Nouma und der Freundlichkeit österreichischer Polizisten.
Um Mitternacht eröffnet mir der Polizeichef, dass ich aufgrund meines little crime nach Österreich abgeschoben werde. In der Ausländerbehörde werden dann Fingerabdrücke ab- und Fotos aufgenommen, während ich ein Schild mit meinem Namen in die Kamera halte. Um zwei Uhr in der Früh werde ich schließlich in ein Polizeianhaltezentrum für Kinder und Jugendliche transferiert, wo ich die Nacht gemeinsam mit einem erwachsenen Georgier in einem abgesperrten Raum verbringe.
In der Früh telefoniere ich abwechselnd mit meinen Eltern und der österreichischen Botschaft, bevor ich in das Gericht gebracht werde. Dort treffen schließlich Freunde ein, die für mich übersetzen: Ich käme mit einer Geldstrafe davon, wenn ich den Polizeibericht bestätige, was ich auch tue. AronChupas „I’m an Albatraoz“ begleitet mich im vergitterten Fahrgastraum des Polizeiautos zurück zur Ausländerbehörde, wo ich nach Bezahlung von umgerechnet 34 Euro nach 18 Stunden freikomme. Bei zukünftigen Türkeireisen muss ich mich bei Trabzonspor- und Istanbul-Basaksehir-Spielen zur Meldeauflage auf der Polizeiwache einfinden.
(Pascal Merl)