Im vergangenen Dezember ist Walter Windischbauer in die Zukunft gereist. Am Waldrand, im Südosten Berlins, glaubte der Obmann von Austria Salzburg sie gefunden zu haben. Dort, an der Alten Försterei, steht das gleichnamige Stadion des Zweitligisten 1. FC Union. Das größte reine Fußballstadion Berlins hat rund 21.700 Plätze, fast 18.000 davon sind Stehplätze. Das Besondere ist, dass das Stadion weitgehend von den Union-Fans selbst umgebaut worden ist. Mehr als 2.000 freiwillige Helfer haben von Sommer 2008 bis 2009 Stufen betoniert, Treppen gebaut und beim Verlegen der Rasenheizung geholfen.
So etwas Ähnliches, allerdings ein wenig kleiner, wünscht sich Windischbauer auch in Salzburg, wo die Austria derzeit die Tabelle der Regionalliga West anführt. Sollte am Saisonende der Aufstieg gelingen, werden Änderungen nötig. „Die Auflagen für die zweithöchste Spielklasse sehen 1.000 überdachte Sitzplätze, 30 VIP-Plätze und zehn Presseplätze mit Internetzugang vor“, sagt Windischbauer. Eine fernsehtaugliche Flutlichtanlage sei vom Salzburger Gemeinderat bereits zugesichert.
Heimat gesucht
Momentan besteht das Stadion im Stadtteil Maxglan nur aus einer einzigen Tribüne, die in einen Steh- und einen Sitzplatzbereich mit 302 Sitzschalen unterteilt ist. Der Sportplatz stößt des Öfteren an seine Kapazitätsgrenzen. So auch bei einem geplanten Freundschaftsspiel gegen die Reservemannschaft des TSV 1860 München Mitte Februar. Das Spiel musste kurzfristig abgesagt werden, da das Stadion aufgrund der schlechten Rasenbedingungen nicht bespielbar war, und die erwarteten 600 Zuschauer zu viel für den benachbarten Kunstrasenplatz waren.
„Der Plan ist, die gesamte Tribüne mit Sitzschalen auszustatten und dadurch die Kapazität auf 604 Sitzplätze zu verdoppeln“, sagt Windischbauer. Zudem sei eine Hintertortribüne mit 444 Sitzplätzen für die Heimfans geplant. Da es dann aber keine reinen Stehplätze mehr gäbe, sollen dort Klappsitze eingebaut werden. Die Kosten für den Tribünenbau liegen laut Windischbauer bei 500.000 Euro. Bereits Mitte 2010 haben die Austria-Anhänger den Verein „Eine Heimat für die Austria“ gegründet und einen Fonds eingerichtet, um Geld für einen späteren Stadionausbau zu sammeln. 80.000 Euro kamen im ersten Jahr zusammen, 15.000 Euro flossen in die Flutlichtanlage am neuen Kunstrasenplatz, um 5.000 Euro wurde ein mobiler WC-Container erstanden. Um Geld zu sammeln, haben sich die Fans Aktionen wie das „Heimatbier“ ausgedacht: Wer bei Spielen der Austria ein Getränk – es muss kein Bier sein – bestellt und „Heimat“ dazu sagt, zahlt einen Euro mehr, der dann in den Fonds geht. Mittlerweile liegen nach Angaben der Initiative wieder rund 70.000 Euro im Fonds.
Spender und Handwerker gesucht
David Rettenbacher, Obmann des Vereins „Heimat für die Austria“, weiß, dass die neue Tribüne noch lange nicht steht. Es gebe Überlegungen, die Stadt Salzburg um einen Zuschuss zu bitten, sobald ein Großteil der Summe da sei. Doch Rettenbacher sagt auch: „Wir wollen uns nicht auf andere verlassen, sondern den Bau selbst finanzieren.“ Im Moment seien verschiedene Ideen in der Diskussion, wie weiter Geld eingenommen werden könne, etwa eine Baustein-Aktion: Jeder, der genug spendet, wird später an einer Wand der neuen Tribüne mit seinem Namen verewigt. „Nur mit Heimatbier können wir keine Tribüne bauen“, sagt Rettenbacher. Ein Bautermin für die Tribüne steht noch nicht fest, aber ein gewisser Spielraum ist vorhanden. Bis zur Saison 2015/16 gilt eine Übergangsregelung, die es erlaubt, die 1.000 Sitzplätze innerhalb eines Jahres nach Lizenzerteilung bereitzustellen.
Gefragt ist jedoch nicht nur Geld, sondern auch handfeste Hilfe. Auf ihrer Website sucht die Austria unter dem Motto „Fit für die Zukunft“ Freiwillige, die bei Handwerks- und Aufräumarbeiten rund um das Spielfeld in Maxglan mithelfen, um die Anlage für den Profifußball tauglich zu machen. „Was die Fans von Union Berlin geschaffen haben, finden wir cool“, sagt David Rettenbacher. Ganz alleine haben die Berliner Anhänger ihr Stadion allerdings auch nicht gebaut. Für das Dach über den Stehrängen engagierte der Verein im Sommer 2009 eine externe Baufirma. Aus Salzburg.