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Es waren ungewöhnliche Szenen, die sich bei der Champions-League-Auslosung in Monte Carlo abspielten. Vor dem Saal, in dem die Gruppengegner gezogen wurden, entrollten Mitglieder der „Torcida Split“ ein Spruchband mit der Aufschrift: „UEFA, why are you tolerating obvious irregularities in Croatian football?“
Von diesen Unregelmäßigkeiten gibt es so viele, dass man damit mehrere ballesterer-Kolumnen füllen könnte. Die Hajduk-Fans wollten die UEFA jedoch vor allem an einen Umstand erinnern: Dinamo Zagreb, Hajduks größter Rivale und kroatischer Meister der vergangenen neun Jahre, hält sich mit NK Lokomotiva ein Farmteam, das inzwischen ebenfalls in der höchsten Liga spielt. Der Klub dümpelte in der vierten Spielklasse vor sich hin, bevor sich Dinamo 2006 seiner annahm und daraus einen Ausbildungsverein für die eigenen Talente machte. Als Lokomotiva 2009 vor dem letzten Aufstieg stand, sagte Dinamo-Präsident Zdravko Mamic zur Presse: „Wir haben noch nicht entschieden, ob wir Lokomotiva in der obersten Liga spielen lassen oder nicht.“
Mittlerweile haben sie sich dafür entschieden. Liga und Verband hatten nichts dagegen, denn Mamic ist ein einflussreicher Mann im kroatischen Fußball. Formell hat Dinamo die Verbindungen zu Lokomotiva gekappt, versorgt den Verein aber weiter mit jungen Spielern – derzeit stehen 18 von Dinamo ausgeliehene oder kostenlos transferierte Akteure im Kader. Lokomotiva hat keine Fans und kein ligataugliches Stadion. Finanziert wird der Klub durch hohe Transfersummen von Dinamo, die nach einer Überprüfung der Bücher beim Serienmeister öffentlich wurden.
Als Lokomotiva sich in der vergangenen Saison für die Europa League qualifizierte, stellten die Hajduk-Fans ein 50-seitiges Dossier über die Verbindungen zwischen den beiden Zagreber Klubs zusammen und reichten Beschwerde bei der UEFA und dem nationalen Kartellamt ein. Die Behörde wies diese mit der Begründung ab, für die Bildung eines Kartells müssten sich zwei Marktkonkurrenten zusammenschließen, Dinamo und Lokomotiva seien jedoch ein einziges Unternehmen. Auch die UEFA blieb bislang untätig.
Aleksandar Holiga ist freier Fußballjournalist in Zagreb.