Auckland City FC – Southern United FC

13. Jänner 2018
Kiwitea Street
Zuschauer: 200
Resultat: 1:1

Vor drei Jahren bin ich schon einmal im Stadion an der Kiwitea Street gewesen, um ein Spiel des Serienmeisters Auckland City FC zu sehen. Damals hat mich aber nicht so sehr das Match beeindruckt, sondern ein Fan der Heimmannschaft. der damals rund 70-jährige Mann hat sich in einem angrenzenden Garten seine – außerhalb des Stadions liegende – eigene Hintertortribüne errichtet. Nur durch einen Maschendrahtzaun von der Schmalseite des Feldes abgegrenzt, hat er dort 90 Minuten lang auf einen weißen Plastikkübel eingeschlagen und dazu „Auckland City“ gebrüllt.

Heute geht es also voller Wiedersehensfreude – und im Rapid-Trikot – in die Kiwitea Street, doch nicht nur das Zuschaueraufkommen ist beträchtlich geringer als das letzte Mal, auch der Garten hinter dem Tor ist leer. Ich sehe mich um, kann den „Kiwi-Schöffix“ unter den wenigen Anwesenden aber nicht aus-machen und beginne, mir langsam Sorgen um die Gesundheit des Mannes zu machen. So bin ich also gezwungen, mir das Spiel anzusehen – und werde prompt auf mein Dress angesprochen. Von einem deutschen Groundhopper aus Leipzig. Er meint, dass ich wohl die richtige Adresse für eine Schimpftirade gegen Red Bull sein müsse. Unter ein wenig Fachsimpeln vertreiben wir uns die Zeit, während sich auf dem Feld in der Hitze 22 Amateure ohne großen Erfolg abmühen, ein Tor zu erzielen. Der Spielstil von Auckland City erinnert dabei an Rapid, gefühlte 90 Prozent Ballbesitz, aber ab dem Sechszehner keinen Plan, was man damit tun könnte.

In der Pause mache ich einen Abstecher ins Klubhaus, da man nur dort Bier erwerben kann. Hier werde ich zum zweiten Mal auf mein Rapid-Trikot angesprochen, und zwar von einem älteren Vereinsfunktionär, der mich fragt: „Rapid Wien, wasn’t that the club that had Hugo Maradona playing for them?“. Zu Beginn der zweiten Halbzeit gibt es dann eine überraschende Pyroeinlage. Genauer gesagt werden auf der Straße vor dem Stadion ein paar kleine Silvesterraketen abgefeuert. Kurz darauf erscheint über dem Zaun der Oberkörper eines Mannes. Es ist der von mir vermisste Trommler. Er steht auf einer Leiter, die er auf der Straße platziert hat, links und rechts hat er große Plastikfüße montiert und legt gleich los, wie ich ihn in Erinnerung habe. Ich bin erleichtert, dass er bei guter Gesundheit ist, und wechsle nach dem Match noch ein paar Worte mit ihm. Er heißt Mike, ist 72 und sehr verärgert über den „bastard“, der den Garten verkauft hat.

(Oliver Walter)