Keine Weihnachtslieder: Österreichs schönste Fußballsongs
Die ballesterer.at-Redaktion macht sich auf die Suche nach den fünf besten Liedern, die sich dem österreichischen Fußball widmen. Es muss nicht immer Andreas Gabalier sein.
Vereinshymnen, Fangesänge oder auch singende Fußballspieler. Es gibt eine magische Verbindung zwischen Musik und Fußball. Dazu haben Kicker mit Musikern einiges gemeinsam, zumindest wenn sie erfolgreich sind: Die Öffentlichkeit, das Rampenlicht, Fans und die Chance des sozialen Aufstiegs, der sonst nicht möglich wäre. Oasis-Gitarrist Noel Gallagher sagte dazu einst: „Als wir von der Schule gingen, da gab es für uns nur drei Möglichkeiten: Fußball, Musik oder Stempeln gehen.“ Gerade in Großbritannien, dem Mutterland des Fußballs und der Popkultur, zeigt sich, wie gut die musikalische Aufarbeitung von Fußball gelingen kann.
Es geht auch anders – Bühne frei für die fünf besten Lieder zum österreichischen Fußball:
Der Nino aus Wien: Unentschieden gegen Ried
Jeder Rapidfan kann von den Qualen, die ihm die Leistungen des Rekordmeisters gegen sogenannte Dorfklubs bereiten, ein Lied singen. So geht es auch Nino Mandl alias Der Nino aus Wien, der sich in „Unentschieden gegen Ried“ über den Hundskick überbezahlter Spieler ohne Mentalität beklagt und die Zeiten des Erfolgs zurücksehnt. Dabei steht das Lied nicht nur für die Zustände bei Rapid, sondern für den tristen Bundesligaalltag. Mandl überlegt sogar, sich Liverpool gegen Manchester United im Fernsehen anzusehen, anstatt ins Stadion zu gehen. Und dann erklärt er doch, warum das keine Alternative ist: „I geh auf jedes Match und schrei damits es rennts und nix wird besser.“ Nach Hütteldorf ist es eben nicht so weit wie nach Anfield.
Bronner & Wehle: Der Opitz und der Zwirschina
Mitte der 1950er Jahre, der Österreichische Fußball steckt wieder einmal in der Krise. Die Kabarettisten Gerhard Bronner und Peter Wehle entschließen sich, auf ihre Weise Stellung zu beziehen. Es entsteht dabei ein typischer Bronner-Chanson, der von zwei Wienern handelt, die schon als „klane G‘schroppen“ das Ziel hatten, berühmt zu werden und schließlich den Mittelweg aus Verbrecher und Bundeskanzler wählten – sie wurden Fußballstars. Das Stück über begrenzte Trainingsmoral, Turbulenzen im ÖFB und zwielichtige Sponsorenverträge wurde 1957 für das Kabarettprogramm „Brettl vor’m Klavier“, in dem neben Bronner und Wehle auch Georg Kreisler und Herbert Prikopa zu sehen waren, geschrieben.
Gerhard Bronner erinnert sich in seinem Buch „Die goldene Zeit des Wiener Cabarets“ an das Lied, dass er trotz geringer Verkaufszahlen immer noch gerne hörte. „Bis auf ein Mal: Da kam irgendein Teufel im Fernsehen auf die seltsame Idee, zwei leibhaftige internationale Fußballer –und zwar die Herrn Krankl und Prohaska – als „Opitz und Zwirschina“ auftreten zu lassen. Kennen Sie das Gefühl, wenn sich einem vor Peinlichkeit innerhalb der Schuhe die Zehen einringeln? So erging es mir damals beim Betrachten dieser Darbietung.“
DJ DSL: Anton Polster du bist leiwand!
Der Musiker und Grafiker Stefan Biedermann alias DJ Superleiwand ist jüngeren Fußballfans heute wohl als Gestalter von WM/EM-Spielplänen ein Begriff. Dabei erlangte Biedermann als Hip-Hop-DJ Bekanntheit und wurde vom Musikmagazin Spex 1995 zum besten DJ des Jahres ausgezeichnet. 1997 feiert der Austrianer zusammen mit dem eigens dafür gegründeten „Toni Polster Fanclub Erdberg“ seinen Lieblingsspieler und „gigantischen Wahnsinnsspitzenstürmer“ mit einem Tribute. Herrlich, wunderbar.
Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen: Die Gentlemen Spieler
„Das ist nur eine Mode und schnell vorbei, das dachten die Bürger um 1903. Doch Arbeiter und Schüler und die Gentlemen Spieler, sie liebten die Fußlümmelei.“
Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, das Nachfolgeprojekt des Superpunk-Sängers Carsten Friedrichs, wirft einen nostalgischen Blick auf die Anfangszeit des Fußballs in Deutschland. Dabei besingt die Hamburger Band nicht nur einige der 60 DFB-Gründungsvereine aus dem Jahre 1900, sondern auch den First Vienna FC. Vielleicht ein Trost für die Fans der in die 2. Landesliga zwangsabgestiegene Vienna: Sie steht von den erwähnten Vereinen FC Hammonia Hamburg (1904 aufgelöst), FC Brunsviga Braunschweig (1901 aufgelöst), Hamburger FC (1919 Zusammenschluss zum HSV), BTFC Britannia (als Berliner SV 1892 in der achtklassigen Bezirksliga), FC Victoria (als SC Victoria Hamburg in der Hamburger Oberliga) heute noch am besten da.
Huckey & Sam feat. DJ Dan: Auswärtssieg
Er war fast immer da: Trotz Arbeit, Aufnahmen und Konzerten versäumte Harald „Huckey“ Renner nicht viele Spiele des FC Blau Weiß Linz. Im Mai dieses Jahres starb Renner nach schwerer Krankheit mit 51 Jahren. Beim darauffolgenden Auswärtsspiel in Ried liefen die Blau-Weißen in T-Shirts mit Huckeys Konterfei ein. Die mitgereisten Linzer Fans gedachten dem Rapper mit einer Choreographie.
In den Tracks seiner Crew Texta und jenen, die er alleine oder mit anderen MCs aufnahm, wird Huckey ewig leben. Gleich mehrere davon drehen sich um den Nachfolgeklub des SK VÖEST, die Höhen, Tiefen und allzulange Mühen der Drittklassigkeit. Stellvertretend dafür steht der Track „Auswärtssieg“, den er gemeinsam mit Sam von Hinterland und DJ Dan für den Sampler „Don’t Throw Your Points Away“ der ARGE ToR aufnahm. „Die An schrei‘n andauernd wos für d‘Monnschoft des Beste wa, die Ondan redn nu oiwei üban letztn ballesterer“.
JJ Bull ist Fan von Aberdeen, arbeitet als Taktikanalytiker und schreibt Fußballsongs. Sie ergeben nicht immer Sinn, sind aber meistens gut und immer lustig. lesen
Andreas Jantsch spielt Gitarre und pendelt zwischen Stadion und Musikbranche. Mit dem ballesterer verbindet ihn nicht nur die Mitgliedschaft im ballesterer supporters club, sondern auch ein Sampler. lesen
Fan vom SK Rapid ist Simon Nowak, seit ihn sein Vater als Bub mit ins Stadion genommen hat. Zum Fan des ballesterer wurde er später, unter anderem dank einer Ausgabe, die seine beiden großen Lieben verbindet: Fußball und Musik. lesen