TJ Cechie Dalovice – FK Nove Hamry

Stadion Cechie
29. September 2018
Zuschauer: 60
Resultat: 5:0

Wenn es auf dieser Welt einen Ort gibt, an dem sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, muss es hier sein. Dort, wo die Schotterpiste am Waldrand endet, liegt das Sportgelände des TJ Cechie Dalovice, ein Klub aus dem 2.000-Einwohner-Städtchen Dalovice. Noch bevor man die Buckelpiste in Angriff nimmt, ist eine Schranke zu passieren, die an die Schlagbäume der Zonengrenzen zu Zeiten des Eisernen Vorhangs erinnert. Ab da wird es immer einsamer, bis man schließlich an ein eingezäuntes Rasenviereck gelangt, an das ein bescheidenes Häuschen angebaut ist. Ganz zaghaft ähnelt die Vorderseite einer kleinen Tribüne. Kaum zu glauben, dass Strom und Wasser bis hierhin gelegt worden sind, doch das Gebäude enthält zweifelsohne Umkleide- und Duschräume.

© Andi Nowey

Während die Heimmannschaft etwa eine halbe Stunde vor Spielbeginn gemächlich eintrifft, kommen die Spieler des Gastteams aus Nove Hamry erst wenige Minuten vor Anstoß in einer großen Staubwolke angebraust. Das Warmmachen besteht darin, die Sporttasche in der einen und eine letzte Zigarette in der anderen Hand in das Häuschen zu schleppen. Bei manchen Akteuren lässt sich ein langer Lokalbesuch am Vortag nicht verbergen, andere tragen den verspeisten Wildbraten des vorigen Sonntags im zum Bersten gespannten Trikot zur Schau. Bei den offiziell gemeldeten 60 Zuschauern dürften beide Mannschaften sowie auch der eine oder andere Borkenkäfer und Igel mitgezählt worden sein.

© Andi Nowey

Auf die Erhebung von Eintrittsgeldern wird ebenso verzichtet wie auf Lautsprecherdurchsagen. Ein Spielberichtsbogen dürfte zwischen Eintreffen der Gäste und Anstoß kaum realisierbar gewesen sein. Sechstligafußball an einem Samstagmorgen findet zumindest in diesem Teil Tschechiens abseits der Öffentlichkeit statt. Es dauert keine fünf Minuten, da fliegt schon der erste Ball über die Abzäunung hinweg in den angrenzenden Wald. Ihm sollen noch ein Dutzend weitere folgen. Einer der Zuschauer ist fast über die komplette Spielzeit damit beschäftigt, Bälle im Wald zusammenzusammeln. Mit gepflegtem Kick-and-rush spielen die Hausherren den Gegner an die Wand. Sie verteidigen mit dem 5:0 die Tabellenführung. Nach dem Spiel verabschiedet sich der Fußballtross in das einzige Lokal, das ganz ohne Verwechslungsgefahr den Namen „Krcma“, zu Deutsch: Ausschank, trägt. Ab da gehört der Rasenplatz des Stadions Cechie wieder den Füchsen und Hasen.
(Andi Nowey)