12.295 Fans sind gekommen, um den GAK zu sehen – so viele wie schon ewig nicht. Beim Cupviertelfinale gegen die Austria ist das Liebenauer Stadion gut gefüllt, die Mannschaft dankt es den Zuschauern mit einem 2:1-Sieg. Der Regionalligist steht im Halbfinale, der 2012 neu gegründete GAK entfacht Euphorie. Dafür hätte es den Sieg über die Austria gar nicht gebraucht. Die eigentliche Heimstätte, das Sportzentrum Weinzödl, platzt regelmäßig aus allen Nähten, sie ist nur für 2.500 Fans zugelassen. Die Mannschaft eilt in der Meisterschaft von Sieg zu Sieg und steht in der Regionalliga Mitte zur Saisonhälfte auf dem ersten Tabellenplatz. Klubmanager Matthias Dielacher bemüht sich dennoch darum, die Euphorie zu bremsen. „Wir haben erst den halben Weg hinter uns gebracht und müssen konzentriert bleiben“, sagt er.
Dach für die Kurve
Tatsächlich kann der GAK die Aufstiegsplanungen aber intensivieren. Nicht wegen der sieben Punkte Vorsprung, die er zu Redaktionsschluss auf den zweitplatzierten Deutschlandsberger SC hält, sondern weil die Sturm Amateure bereits 13 Zähler zurückliegen – sie sind der einzige Konkurrent, der ebenfalls um eine Zweitligalizenz angesucht hat. Um diese zu bekommen, muss der GAK kleine Adaptionen am Stadion vornehmen. Er möchte aber gleich zum größeren Sprung ansetzen. „Wir wollen den Fans eine Heimat geben“, sagt Dielacher. „Und niemanden im Regen stehen lassen – sechs Jahre ohne Dach sind genug.“ Neben der Überdachung der Stehplätze auf der Nordseite soll auch die alte Trainingsplatztribüne im Westen abgerissen werden und stattdessen eine überdachte Tribüne mit 1.050 Sitzen entstehen. „Wir brauchen die Plätze einfach“, sagt Dielacher, ehe er von der langen Warteliste für Abos erzählt. „Früher haben wir die Plätze nach den Kriterien Alter und Gebrechlichkeit vergeben, Alter alleine hat nicht gereicht. Wenn du mit 75 noch gut auf den Beinen warst, hast du keine Chance auf einen Sitzplatz gehabt.“
Früher, das war vor dem Sommer 2014, als das Sportzentrum schon einmal eine Baustelle war. Der Klub errichtete auf der Ostseite des Platzes eine Tribüne – mit tatkräftiger Unterstützung seiner Fans, die Zeit, Arbeitskraft und Geld in den Umbau investierten. Dass sie nun abermals selbst Hand anlegen, ist für Dielacher keine Option. „Das Bauprojekt ist schlichtweg zu groß“, sagt er.
Das Urwesen des Vereins
Das Vorhaben sieht Investitionen von 1,4 Millionen Euro vor. Der Grazer Gemeinderat beschloss bereits im März 2018, den Großteil der Kosten zu übernehmen, für den GAK bleibt ein Eigenanteil von 300.000 Euro. Ein Beitrag, den der Verein nicht so einfach stemmen kann. „Natürlich könnten wir einen unserer Sponsoren fragen, ob er die Kosten übernimmt“, sagt Dielacher. „Vielleicht würde einer das sogar tun, aber wir wollen nicht, dass sich ein Sponsor ein Denkmal setzt.“ Stattdessen plant der GAK eine Crowdfunding-Aktion, um einen Teil der Summe zu erlösen.
Präsentiert wird die Kampagne beim ersten Meisterschaftsheimspiel der Rückrunde am 22. März. Für die finanzielle Unterstützung des Tribünenbaus werden den beteiligten Fans alle möglichen Goodies wie Saisonabos und diverses Merchandise angeboten. „Es sollen für alle Besucher – von Jugendlichen bis zu Pensionisten – attraktive Angebote dabei sein“, sagt Dielacher. „Wir orientieren uns bei der Kampagne an dem, was der Wiener Sport-Club gemacht hat. Das war echt cool.“ Die Wiener hatten 2017 eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um die Zusammenführung der beiden Vereine Wiener Sportklub und Wiener Sport-Club zu ermöglichen und erlösten rund 75.000 Euro. „Crowdfunding ist das Urwesen eines jeden Vereins“, sagt Dielacher. „Ohne so etwas würden sie ja nicht einmal entstehen.“
Immer wieder betont der Klubmanager die enge Bindung zwischen Verein und Fans, immer wieder übt er sich in Zurückhaltung und verweist auf die Geschichte. Schließlich habe der GAK schon oft genug erfahren, wie schnell es bergab gehen kann. Vier Konkurse hatte der Verein nach dem Meistertitel von 2004 zu ertragen, die Staatsanwaltschaft ermittelt immer noch, dieses Jahr soll der Prozess starten. Das Crowdfunding-Projekt sei ebenso ein Beispiel für den transparenten Neustart wie die vorsichtige Planung. „Wir werden sicher nicht in die Bundesliga durchmarschieren“, sagt Dielacher. Schon der Aufstieg in die zweite Liga wäre eine finanzielle Herausforderung, schließlich muss das Budget von derzeit rund 900.000 Euro auf 1,7 Millionen erhöht werden. „In der Bundesliga brauchst du dann gleich sechs Millionen“, sagt Dielacher. „Wir wollen langsam wachsen.“
Platz für Verhandlungen
Zu dem sanften Wachstum soll nun die Sanierung des Sportplatzes beitragen. Wenn alles nach Plan läuft, rollen die Bagger mit Meisterschaftsende in Weinzödl an. Die Umbauarbeiten werden sich voraussichtlich über die erste Saisonhälfte hindurch ziehen, der GAK muss dann ins Liebenauer Stadion ausweichen. Ein Problem wird der Ausbau vorerst aber nicht lösen, denn das Stadion soll trotz der erhöhten Kapazität weiterhin nur für 2.500 Zuschauer zugelassen werden. „Das ist eine Entscheidung der Stadt – es geht dabei um Dinge wie die Fluchtwege und die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln“, sagt Dielacher. „Wir würden uns eine Zulassung für 3.500 wünschen, der Platz wäre da. Wir müssen noch weiterverhandeln.“
Ein dauerhaftes Ausweichen nach Liebenau sei nämlich keine Alternative, und zwar nicht nur wegen Anwesenheit des SK Sturm. „Selbst wenn man das Stadion nur sektorenweise mietet, zahlt sich das frühestens bei 4.000 Besuchern finanziell aus“, sagt Dielacher. „Wir können nicht von einem sprunghaften Anstieg der Zuschauerzahlen ausgehen. In der zweiten Liga würden viele Derbys wegfallen.“ Wichtiger sei es aber ohnehin, die Identität am eigenen Standort zu stärken. „Man darf nie vergessen, dass es auch wieder einmal schlechter werden kann“, sagt Dielacher. „Einer der Gründe für die vielen Konkurse war ja auch, dass der GAK so hohe Mieten in Liebenau gezahlt hat.“ Dorthin soll es also nur noch in Ausnahmefällen gehen – wenn es die Behörden oder Fernsehanstalten fordern, irgendwann ein Aufstieg in die Bundesliga gelingen sollte oder wenn am 2. April der Serienmeister zum Cuphalbfinale in Graz zu Gast ist.