„Hallo, guten Tag, Mahlzeit.“ Mit diesen Worten beginnt Nina Burger ihr Statement bei der Pressekonferenz des ÖFB in der ÖBB-Lounge des Wiener Hauptbahnhofes. Durch die Fenster sind die Zuganzeigetafeln zu sehen. Abfahrt. Ankunft. Der kleine Raum ist zum Bersten voll. Offiziell geht es in der Pressekonferenz um die Partnerschaft von ÖFB und ÖBB, die auf das Nationalteam der Frauen ausgeweitet wird. Aber eigentlich sind alle wegen Burger da. Nina Burger, 31 Jahre alt, Rekordnationalspielerin, Rekordtorschützin, ist angekommen. Sie beendet ihre internationale Karriere.
Besondere Momente
„Ich bin gerade ziemlich überwältigt“, sagt Burger, als ihre Teamkolleginnen den Raum völlig anfüllen. Gut zu sein, erklärt sie, sei ihr nie genug gewesen. Aber im vergangenen Jahr habe sie ihre Leistung nicht mehr zu 100 Prozent abrufen können. Kleinere Verletzungen erwiesen sich als zäh und langwierig. Über viele Jahre hatte sie sich bester Fitness erfreut.
Burger war die Torgarantin im österreichischen Nationalteam. In 108 Länderspielen traf sie 53-mal. Keine Frau, kein Mann spielte öfter im Teamdress. Keine Frau, kein Mann traf öfter. Als sie den Satz aussprechen will, der das Ende ihrer internationalen Laufbahn offiziell macht, kämpft sie mit den Tränen. „Es war keine einfache Entscheidung. Aber es fühlt sich gut an – auch wenn es im Moment nicht so aussieht.“
Ihre Mitspielerinnen werde sie vermissen. „Danke Mädels, ihr seid’s a Wahnsinn. Trainer, du bist a Wahnsinn. Bleibt’s so leiwand, wie ihr seid’s.“ Ein Film mit Höhepunkten von Burgers Karriere und guten Wünschen von Freunden, Familie und Weggefährten wird eingespielt. Große Emotionen. Die Teamspielerinnen Verena Aschauer und Manuela Zinsberger überreichen eine Torte. „Thank you for the Moments, liebe Nina“ ist darauf zu lesen. „Sie hat für besondere Momente gesorgt“, sagt Leo Windtner. Der ÖFB-Präsident kündigt an, Burger als 49. Mitglied in den Legendenklub des Fußballbundes aufzunehmen.
„Nina Burger, Superstar“, singen die Kolleginnen. Ein Gesang, der auch 2017 bei der Europameisterschaft in den Niederlanden zu hören war. Die EM war der ganz große Höhepunkt in Burgers Karriere. Österreich erreichte sensationell das Halbfinale. Burger traf in fünf Spielen zweimal. Als die EM-Qualifikation als großes Ziel ausgerufen worden war, stellte sie ihr Leben noch einmal auf den Kopf. Nach neun Jahren und neun Meistertiteln mit dem SV Neulengbach wagte sie 2014 den Sprung ins Ausland. Vier Monate war sie an Houston Dash in den USA verliehen. Ein Jahr später wechselte sie zum SC Sand in die deutsche Bundesliga. „Sie hat ihre Komfortzone verlassen, ihren Job als Polizistin aufgegeben“, sagt Teamchef Dominik Thalhammer, der neben Burger auf dem Podium sitzt. Zweimal erreichte Burger mit Sand das Pokalfinale. In 88 Spielen erzielte sie 43 Tore. In den Jahren im Ausland konnte sie ihr Leistungsniveau noch einmal entscheidend nach oben schrauben.
Abschied gegen Schweden
„Sie ist maßgeblich an der Entwicklung des österreichischen Frauenfußballs beteiligt“, sagt Thalhammer. Seit er 2011 das Traineramt vom verstorbenen Ernst Weber übernommen hatte, machten die ÖFB-Frauen Riesenschritte vorwärts. Als Burger am 1. September 2005 mit 17 Jahren im Nationalteam debütierte, war Österreich im Frauenfußball noch ein Niemand. Die Lücke, die sie im Team hinterlässt, wird nicht leicht zu füllen sein. Goalgetterinnen gibt es nicht im Überfluss. „Ich habe versucht, sie noch umzustimmen“, sagt Thalhammer. „Aber sie hat gemeint, es sei Zeit. Ich hätte das nicht so gesehen.“ Burgers Prioritäten haben sich verschoben. „Ich hatte den Drang, mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen.“
Die Saison bei Sand wird sie noch fertigspielen. Dann kehrt sie zurück nach Neulengbach – als Spielerin und als Co-Trainerin. Sie will Trainerausbildungen absolvieren und wieder als Polizistin arbeiten. Davor rückt sie noch ein letztes Mal ins Teamtrainingscamp ein. Kommende Woche am Dienstag wird Burger in der Südstadt gegen Schweden ihr 109. und letztes Länderspiel absolvieren. Es könnte noch einmal emotional werden.