Die Sommerpause ist vorbei. Am 22. Juli startet die Bundesliga in die letzte Saison vor Umsetzung der Ligareform. Das neue Format versprüht schon jetzt so etwas wie einen frischen Wind – und der ist in der Bundesliga dringend nötig. Denn dort ist Monotonie eingekehrt, fast schon traditionell heißt der Meister zu Saisonende Red Bull Salzburg. Das war in den letzten zehn Jahren siebenmal der Fall, in der Vorsaison gewann der Klub sogar zum vierten Mal in Folge den Titel. Bei der Konkurrenz macht sich Resignation breit: Die Sportdirektoren von Rapid und Sturm sagen im ballesterer-Interview, dass es sehr unwahrscheinlich ist, Salzburg vom Thron zu stoßen.
Traditionell lässt nur die Frühphase der Meisterschaftsentscheidung etwas Hoffnung aufkeimen. Der typische Ablauf funktioniert in etwa so: Red Bull hat im Sommer viele Wechsel auf dem Feld sowie der Trainerbank zu verarbeiten und tut sich zu Saisonbeginn etwas schwerer. Die Salzburger scheitern in der Champions-League-Qualifikation und lassen in der Liga Punkte liegen. Spätestens nach der Länderspielpause im November ist die hochtalentierte Mannschaft aber so gut eingespielt, dass sie den Rückstand in der Tabelle schnell wieder aufholen kann. Im Frühjahr spaziert sie dann entspannt der Meisterschale entgegen. Spannung kommt in der Bundesliga schon lange keine mehr auf.
Mit der Saison 2018/19 soll sich das ändern. Das verspricht sich zumindest die Bundesliga von der Reform. Die Play-offs sollen mehr Spitzenspiele und eine knappere Entscheidung bringen. Denn das neue Format sieht nach 22 Runden nicht nur eine Teilung der Liga, sondern auch eine der Punkte vor. Die letzten zehn Spiele werden entsprechend von höherer Bedeutung, eine Schwächephase könnte sich Salzburg dann nicht mehr leisten. Die Bundesliga opfert der Hoffnung auf Spektakel und Spannung einen sportlichen Grundsatz: Ein Spiel der 22. Runde wird nicht mehr so viel wert sein wie eines der 23. Runde.
Die Bundesliga bleibt mit der Reform in der Logik des modernen Fußballs gefangen: Sie will eine enge Meisterschaftsentscheidung, damit sie den Zuschauern ein aufregenderes Produkt bieten kann. Die Play-offs stärken die Bedeutung einzelner Spiele – und damit ein Merkmal der Bundesliga: Jedes Team kann einmal gegen jedes andere verlieren, selbst Salzburg. Wer sich davon neue Meister erhofft, wird wohl enttäuscht werden. Die strukturelle Übermacht Red Bulls geht über sportliche Zufälle hinaus. Selbst wenn die Salzburger zuletzt das Budget kürzen mussten, liegen sie mit ihren kolportierten 50 Millionen Welten vor der Konkurrenz. Zum Vergleich: Rapid hat etwa 30 Millionen, Sturm rund 13 Millionen zur Verfügung.
Eine Änderung des Ligaformats kann diese tief verankerte Überlegenheit nicht gefährden – da helfen auch keine künstlichen Spannungselemente. Vielleicht wird sich die Bundesliga schon bald erneut überlegen müssen, welches Format eine knappere Meisterschaftsentscheidung garantieren könnte. Die ultimative Spannungssteigerung wäre ein Meister-Play-off im K.-o.-Modus. Ganz neu wäre das allerdings nicht, immerhin gibt es schon den ÖFB-Cup. Der Sieger der letzten vier Auflagen heißt übrigens Red Bull Salzburg.