Erwin Puschmann war ein begeisterter Sportler. Als Arbeitsloser hatte der Mittzwanziger ab 1929 genügend Zeit, um beim Verein Westend Fußball und Handball zu spielen. Doch Puschmann beschränkte seine Aktivitäten bei dem Verein nicht auf die Ausübung des Sports, sondern schulte seine Mitspieler auch politisch. Puschmann war überzeugter Kommunist, seit 1923 im kommunistischen Jugendverband und ab 1930 in der KPÖ organisiert. Als nach der Etablierung der austrofaschistischen Diktatur 1933 nicht nur die KPÖ, sondern auch Westend verboten wurde, gründete Puschmann einen neuen Verein, den Arbeitersportklub Olympia 33.
Puschmann selbst blieb als politischer Aktivist tätig. Er wurde mehrmals inhaftiert und im Anhaltelager Wöllersdorf festgehalten. Um der politischen Verfolgung zu entgehen, verbrachte er schließlich viel Zeit in Moskau, Prag und Paris. Der in Wien-Rudolfsheim ansässige Sport- und Geselligkeitsverein Olympia 33 blieb aber auch ohne seinen Gründer eine kommunistische Widerstandszelle. Neben der Handballsektion, die an der Meisterschaft teilnahm, existierte ein Fußballteam, das lediglich Freundschaftsspiele austrug. Daneben standen politische Schulung, Weitergabe illegalen Materials und Kontaktpflege zu anderen Widerstandsgruppen im Zentrum der Klubaktivitäten.
Im Jänner 1938 verdichteten sich die Verdachtsmomente wegen kommunistischer Umtriebe, so dass die austrofaschistische Polizei gegen den Verein vorging – zunächst ergebnislos. Auch nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 blieb der Verein sportlich wie politisch aktiv. Puschmann, der mittlerweile zur Führungsgruppe der KPÖ gehörte, agierte 1938 von Jugoslawien aus. 1939 kehrte er nach Wien zurück, um die KPÖ-Strukturen im Untergrund neu zu organisieren, doch 1941 wurde er von der Gestapo festgenommen und im Jänner 1943 hingerichtet.
Im Visier der Gestapo
Schon im Herbst 1938 hatte sich der Sicherheitsdienst der SS in Wien besonders auf die „illegale KP-Tätigkeit“ konzentriert. In einem SS-Bericht wurde fest-gehalten, dass sich Vereine, darunter besonders Sportvereine, als Tarnorganisationen etabliert hätten. Diese Analyse führte zu einer verschärften Kontrolle vieler Sportvereine. Im Februar 1939 erschien die Gestapo erstmals bei einem Klubabend der Olympia 33 und verhaftete 48 Mitglieder. Wenige Tage später wurde der Verein wegen „staats- und parteifeindlicher Tätigkeit“ aufgelöst, das Vereinsvermögen beschlagnahmt.
Im März 1939 gelang den Vereinsmitgliedern kurzfristig eine Wiederbelebung. Unter Umgehung der Polizeibehörden wurde Olympia 33 direkt als ein dem „NS-Reichsbund für Leibesübungen“ angehöriger Verein angemeldet und konnte für einige Monate weiterarbeiten. „Dennoch ließ die Gestapo nicht locker“, schreibt der Historiker Karl Stadler in „Österreich 1938-1945 im Spiegel der NS-Akten“. „Am 14. Juli 1939 wurden die 32 im Vereinslokal anwesenden Personen perlustriert, doch die Ausbeute war sehr gering: nur bei einem jungen Handelsakademiker fand sich ein Flugblatt und die Übersetzung eines englischen nazifeindlichen Artikels. Auch bei den darauffolgenden Hausdurchsuchungen wurden nur einige Flugschriften gefunden. Der Obmann des Vereins, der als Funker in der Trostkaserne diente, wurde der Wehrmachts-Abwehrstelle angezeigt.“ Die Klubverantwortlichen, Franz Strubreiter und seine beiden Söhne, wurden für mehrere Monate in „Schutzhaft“ genommen.
Verfolgt und wiedergegründet
Ab dem Herbst 1939 verliert sich die Spur der sportlichen Aktivitäten von Olympia 33. Schauplatz der folgenden Ereignisse war das Wiener Landesgericht. Im April 1940 begann der Prozess gegen vier Olympia-Mitglieder, die vom Generalstaatsanwalt wegen Hochverrats angeklagt wurden. Im Oktober sprach das Oberlandesgericht Haftstrafen zwischen einem und zweieinhalb Jahren aus. In der Anklageschrift wurde den vier Jugendlichen vorgeworfen, sich im Rahmen des Klubs im kommunistischen Sinne betätigt zu haben.
Immer wieder seien bei Klubabenden politische Vorträge gehalten worden, darüber hinaus sei kommunistisches Propagandamaterial übernommen, vervielfältigt und weitergegeben worden. Zudem hätten die vier einer eigenständigen KP-Jugendzelle innerhalb des Vereins angehört. Ursprünglich sollte sich das Verfahren noch gegen 29 weitere Mitglieder der Olympia 33 richten, gegen die mangels Beweisen vorerst keine Anklage erhoben wurde. Auch sie entgingen jedoch der Strafverfolgung nicht auf Dauer. Zwar lässt sich die Anzahl der Verfahren heute nicht mehr mit Sicherheit rekonstruieren, es ist aber aus den Akten des Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes bekannt, dass insgesamt 24 Vereinsmitglieder im Gefängnis oder im KZ ums Leben gekommen sind.
Nach der Befreiung Österreichs wurde auch der Sportverein Olympia wiederbelebt. 1957 stieg die Olympia sogar in die Staatsliga A, die damals höchste Spielklasse, auf. In der ersten Saison schaffte der Verein den Klassenerhalt und konnte Mannschaften wie die Austria und die Vienna besiegen, doch in ihrer zweiten Staatsliga-Saison stieg die Olympia als Letzter ab. Die zeitgenössischen Medien erwähnten die besondere Geschichte des Vereins mit keinem Wort. Auch heute erinnert nur eine Gedenktafel am Platz des SK Slovan, der 1960 mit der Olympia fusionierte, an die politische Vergangenheit der Olympia 33.