Eigentlich hätte Peter Zulj heute Nachmittag frei. Doch der 25-jährige Teamspieler will sich für den ballesterer Zeit nehmen. Ganz in Schwarz gekleidet nimmt er im Kantinenraum des Trainingszentrums in Graz-Messendorf Platz. Um ihn herum stehen die Pokale seines Arbeitgebers. Der gebürtige Welser hat zu dieser Sammlung schon einen Beitrag geleistet, gleich in seiner ersten Saison holte er mit dem SK Sturm den Cup. Dass Zulj überhaupt noch Schwarz-Weiß trägt, ist eigentlich verwunderlich. Mit acht Toren und 17 Assists war er im Vorjahr der große Aufsteiger der Bundesliga und wurde zum besten Spieler gewählt.
ballesterer: David Alaba sagt über Sie: „Er ist in der Lage, das Spiel zu führen.“ Ist das eine passende Zuschreibung?
Peter Zulj: Die Aussage ehrt mich. Er hat Recht damit, weil ich bei Sturm das Spiel meistens führe. Ich liebe es, den Ball zu haben und das Spiel zu machen.
Gibt es die Spielmacherrolle überhaupt noch?
Nicht in der klassischen Variante, heute ist diese Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt. Es fängt hinten an und geht bis nach vorne.
Sie sind ein Jahr bei Sturm, und ich behaupte: Wenn Sie gut spielen, spielt die Mannschaft gut.
Das würde ich so nicht sagen. Ich bin von meinen Teamkollegen abhängig. Ich brauche jeden einzelnen, der mit mir am Platz steht. Ohne sie kann ich nicht gut spielen.
Wie wichtig ist der Hintern in Ihrem Spiel?
Ich habe durchaus ein kräftiges Hinterteil. Das ist wichtig, weil man in gewissen Situationen seinen Körper benötigt. Ich sage es auf gut Österreichisch: Mit meinem Oasch kann ich viel abblocken.
Ist das ein Relikt des Straßenfußballers Peter Zulj?
Wer mich besser kennt, weiß, dass ich viel im Park gekickt habe. Da heißt es, sich im Eins-gegen-eins durchzusetzen. Das kommt sicher aus dieser Zeit. Aber auch daher, dass ich viel den Ball habe und deswegen meiner Mannschaft gegenüber auch die Verantwortung, ihn nicht zu verlieren.
Sie sind im Vorjahr leistungstechnisch explodiert. Warum?
Im Nachhinein kann man viele Faktoren suchen. Es war sicher wichtig, dass ich vor zwei Jahren bei der SV Ried unter Christian Benbennek begonnen habe, als Sechser und Achter zu spielen. Davor bin ich zumeist als Zehner und am Flügel zum Einsatz gekommen. Ich habe in Graz dann auch bessere Mitspieler als in Ried gehabt, was einfach an den Möglichkeiten eines Klubs wie Sturm liegt. Es ist hier beim Training ein höheres Tempo als bei meinen vorigen Klubs. Dadurch werde ich auch stärker.
Sie haben einmal gesagt, dass Sie Ihre Einstellung geändert haben?
Ich war nie einer, der viel fortgegangen ist – das ist von Jugendtrainern das eine oder andere Mal hochgespielt worden. Es ist mehr um Dinge wie Ernährung und Schlaf gegangen, außerdem habe ich die tägliche Trainingsarbeit mehr angenommen.
Wann und warum hat es Klick gemacht?
Das ist eine Entwicklung. Da geht es um Einflüsse von Trainern, erfahrenen Spielern, aber auch von meinem Bruder Robert. Er spielt seit fünf Jahren in Deutschland, da herrscht eine andere Mentalität. Dort musst du immer bedingungslosen Einsatz zeigen. Ich habe mir aber auch viele Gedanken gemacht, weil ich gewusst habe, dass ich Talent habe und es nicht verschwenden will.
Wie regelmäßig sind Sie mit Ihrem Bruder in Kontakt?
Sehr regelmäßig – auch mit meinem anderen Bruder. Ich bin der jüngste in der Familie, Robert ist 26, Davor 28. Beide kennen sich im Fußball richtig gut aus, aber nur Robert hat es auch zum Profi geschafft.Was ist aus Davor geworden?
Er war in Linz in der Akademie, hat aber früher aufgehört. Er arbeitet heute in einem Lager. In unserer Kindheit hat es für uns nach der Schule nur eines gegeben: raus und auf den Fußballplatz. Egal, ob zum Verein oder in den Park.
Es heißt, Sie sind einmal aus Salzburgs Jugendteam geflogen. Stimmt das?
Ja, ich bin mit 13 zum Verein gekommen. Ich bin damals nicht so hinter dem Fußball gestanden, habe mein Leben gelebt, und es sind ein paar Dinge vorgefallen. So etwas gehört bei einem Jugendlichen aber dazu.
Was hat Franco Foda zu Ihrer Entwicklung beigetragen?
Er war für mich ein neuer Typ Trainer. Sehr ambitioniert und ehrgeizig. Das zeichnet ihn auch im Nationalteam aus. Er hat mir gesagt: „Wenn du nicht jeden Tag alles gibst, wirst du bei Sturm nicht spielen.“ Das hat mich angespornt.
Foda hat Sie auch zum Teamspieler gemacht. Haben Sie Bedenken gehabt, dass die Einberufung zu früh kommt?
Ich kann mich noch genau an mein erstes Training erinnern, speziell an das Ballhalten. Da ist es richtig zur Sache gegangen. Alles war schneller und körperbetonter. Aber nach dem ersten Lehrgang ist es besser geworden, ich habe erkannt, dass ich mithalten kann. Auch wenn ich derzeit nur in Österreich spiele, bekomme ich meine Chancen.
Warum sind Sie im Sommer nicht gewechselt?
Es war kein Angebot dabei, das gepasst hätte. Ich wollte zu einem Klub, bei dem ich gesetzt bin oder realistische Chancen auf regelmäßige Einsätze habe. Ich spiele Fußball, weil es mir Spaß macht – nicht für die Ersatzbank.
Sie wirken geduldig, aber so als würden Sie den nächsten Schritt machen wollen.
Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mein Leben lang in Österreich aktiv sein will. Das kann schon passieren, weil man bei Transfers auch Glück haben muss. Aber mein Plan ist es, ins Ausland zu gehen.
Haben Sie seit Kindestagen ein Traumland?
Mein Bruder und ich wollten immer nach Deutschland wechseln. Robert hat es schon geschafft.
Sie könnten auch bei Sturm bleiben und eine Vereinslegende werden.
Ja, das ist auch eine Option.