Jetzt hat die Bundesliga ihre Zweiklassengesellschaft. Sie wollte es auch nicht anders. Eine interessantere Meisterschaft versprach sich die Bundesliga von ihrer Reform. Profiteure sind die großen Vereine: Im oberen Playoff sollte ein Spitzenspiel auf das nächste folgen, mit der Punktehalbierung der Kampf um den Titel spannender ausfallen. Vielleicht könnte dann sogar eine Mannschaft den Titel holen, die nicht Red Bull Salzburg heißt. Was im Tabellenkeller passiert, wurde verschwiegen.
Dort nämlich herrscht nach der Punkteteilung ein brutaler Abstiegskampf. Nach dem 22. Spieltag hatte der Erste des unteren Playoffs gerade einmal sechs Punkte Vorsprung auf den Letzten. Die halbe Liga befand sich Abstiegskampf, das Tabellenmittelfeld wurde aufgelöst. „Die Messerstecherei beginnt“, kündigte Mattersburg-Trainer Klaus Schmidt an.
Der TSV Hartberg kam unbewaffnet. Nach einer Hinrunde, in der die Steirer Sturm und Rapid schlugen und sich bis zuletzt Hoffnungen auf das obere Playoff machen konnten, hielt die Angst Einzug. „Der Druck ist abartig“, sagte Trainer Markus Schopp zuletzt. Er hat den Hartbergern, so scheint es, das Fußballspielen verlernt. In den ersten 22 Runden kamen durchschnittlich 75,4 Prozent ihrer Pässe an, seither sind es 68,8. Die Zahlen bestätigen, was der Mattersburger Patrick Salomon im Interview mit dem Kurier sagte: „Es wird versucht, mit hohen Bällen, Kampf und Krampf auf Biegen und Brechen Punkte zu holen.“ Ansehnlich ist das nicht.
Die Angst vor dem Abstieg ist auch deswegen so groß, weil mit der Reform die 2. Liga wesentlich verändert wurde: 16 statt zehn Teams, Amateurmannschaften und Fußballplätze, wie man sie aus der österreichischen Provinz nur zu gut kennt. Noch mehr fallen aber die TV-Gelder ins Gewicht: Statt Sky-Übertragungen aller Spiele zeigen der ORF und Laola1 einige wenige. Die Einnahmen aus den TV-Verträgen fällt damit weg. Der Abstieg aus der Bundesliga bedeutet ein finanzielles Fiasko.
Keine Zugpferde
Viele Leute bekommen von all dem gar nichts mit. 1.600 Zuseher sollen gestern das Spiel zwischen der Admira und Mattersburg in der Südstadt gesehen haben – laut offiziellen Zahlen, die von den Bildern der nahezu leeren Haupttribüne konterkariert werden. Ist bei Hartberg nicht gerade Rapid zu Gast, kommen auch dort keine 2.000 Leute mehr zu den Heimspielen. Die Zahlen sind für diese Vereine keine große Überraschung. Aber mit der Ligateilung fallen ihnen die Zugpferde weg. Hätte Rapid den Sprung nach oben geschafft, fände das untere Playoff unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Die Bundesliga hat diese Entwicklung ahnen müssen. Sie hat die Ligareform gründlich vorbereitet und mit genügend Vorlaufzeit umgesetzt. Dass das untere Playoff zum unansehnlichen Abstiegskampf mutiert, kann die Bundesliga nicht überraschen. Es war ihr nur nicht wichtig, dagegen etwas zu unternehmen. Bei der Reform wurde an die Großen gedacht. Wie die Kleinen damit umgehen, müssen sie selbst herausfinden – in einer abartigen Messerstecherei.