Die Ereignisse des März 2020 wirken auf uns noch immer surreal. Während in Österreich die erste Welle der Coronapandemie einschlägt, die Regierung den Babyelefanten ausmisst und den Slogan „Schau auf dich, schau auf mich“ erfindet, geht ihr noch weiter – und schaut auch auf uns. Zum Start der Kampagne ballesterer brennt ertrinken wir beinahe in Solidaritätsbotschaften, Kooperationsangeboten, Abobestellungen und Spenden. Unsere Dankbarkeit ist auch ein Jahr später schwer auf Papier zu bringen.Eure Unterstützung erlaubt dem ballesterer, seine Verbindlichkeiten deutlich zu reduzieren. Erstmals seit vielen Jahren haben wir den Spielraum, um ein bisschen zu investieren. Deutlich sichtbar ist das an den beiden T-Shirts und dem Schal, die wir in unserem Shop anbieten. Dringend notwendig ist das im weniger sichtbaren Bereich, unserer Infrastruktur. Auch dank einer Förderung der Wirtschaftsagentur Wien modernisieren wir unseren Onlineshop und das vor Jahren in die Jahre gekommene Aboverwaltungssystem.
Improvisation
Doch Corona trifft auch uns. Das ballesterer-Team bleibt von Infektionen mit schweren Verläufen zum Glück verschont, die wirtschaftliche Unsicherheit bekommen wir aber schnell zu spüren. Der erste Werbekunde storniert seine Buchung mit dem ersten Lockdown, die UEFA wenig später die EM, wir verlieren mit der EM-Ausgabe die auflagenstärkste und am besten gebuchte Nummer des Jahres. Das ohnehin schwierige Anzeigengeschäft wird in den folgenden Monaten nicht einfacher. Wir merken zu Kampagnenstart zwar die höhere öffentliche Aufmerksamkeit, mit Dauer der Pandemie und dem Anrollen der zweiten Welle wird die Akquise mühsamer, die Anzeigen weniger.
Auch beim Verkauf im Einzelhandel sind die steigenden Fallzahlen spürbar. Die eingeschränkte Mobilität und kürzere Verweildauer in Geschäften wirken sich aus. Unser Vertrieb in Deutschland und der Schweiz bittet uns, die Zahl der angelieferten Hefte zu reduzieren, weil der Bahnhofsbuchhandel massiv heruntergefahren oder ganz geschlossen ist.
Auf die erste Coronamedienförderung der Bundesregierung hat der ballesterer keinen Anspruch, sie orientiert sich an Reichweite. Als der Nationalrat im Sommer doch noch eine Maßnahme für kleinere Medien beschließt, bekommen wir eine Einmalzahlung über knapp 5.000 Euro – den wirtschaftlichen Schaden durch die Pandemie kann das nur minimal abfedern.
Auch redaktionell stellt uns Corona vor Probleme. Inhaltliche Verschiebungen versuchen wir so gut wie möglich abzudecken. Wir wollen die Balance zwischen Informationen über die Folgen der Pandemie und der Ablenkung durch traumhafte Reisen wie in die Fußballstadt Buenos Aires halten. In Bereichen wie dem Amateurfußball und dem Fanleben wird es zunehmend schwieriger, über etwas zu berichten, das einfach nicht stattfindet. Auch dort, wo gespielt wird, ändern sich die Rahmenbedingungen ständig. Das beginnt bei den kleineren organisatorischen Fragen wie Interviewterminen und Fotoshootings und endet bei den großen: Lohnt es sich, eine internationale Geschichte oder vielleicht sogar einen Schwerpunkt aus einem anderen Land anzudenken, wenn wir nicht wissen, wie sich Infektionszahlen und Reisebeschränkungen bis dahin entwickeln?
Statt langfristiger Planung ist Improvisation gefragt. Bei Druck dieser Ausgabe wissen wir zum Beispiel noch nicht, welchen Fokus wir bei der kommenden – der EM-Ausgabe – legen werden. Schließlich kann noch nicht einmal die UEFA sagen, wo das Turnier ausgetragen wird, ob und wie viele Zuschauer zugelassen sind und wie Aktive und Fans geschützt werden.
Innovation
Die Erfolge der Kampagne ballesterer brennt helfen uns, mit all diesen Problemen besser umzugehen. Denn die zusätzlichen Einnahmen investieren wir in unser Kerngeschäft: qualitativ hochwertigen Journalismus. Moritz Ablinger, seit Langem eine Stütze des Magazins, verstärkt nun das Redaktionsteam. Er sorgt als Chefreporter dafür, dass wir noch besser auf aktuelle Entwicklungen eingehen können. Die redaktionelle Verstärkung spielt zudem Ressourcen für wirtschaftliche Belange frei.
Im Sommer 2020 bekommen wir von der Wirtschaftsagentur Wien eine Förderzusage für ein neues Medienprojekt – die ballesterer bibliothek. Ohne zu viel zu verraten, wird es sich dabei um die größte Innovation seit Jahren handeln. Die Idee dahinter ist recht simpel: Wir wollen unsere Stärken beibehalten und Dinge, die wir noch besser machen können, besser machen. Also euch hintergründigen Fußballjournalismus in vielen Schattierungen auf vielen Kanälen präsentieren. Im November 2021 soll es damit losgehen – sofern die Pandemie nicht wieder einmal unsere Pläne durchkreuzt.
IM FOKUS
Die Konstante nicht nur seit einem Jahr, sondern seit der ersten ballesterer-Ausgabe vor 21 Jahren, seid ihr, liebe Leserinnen und Leser. Und die werdet ihr auch bleiben. Andere Medien machen mit Anzeigen den Großteil ihres Umsatzes, bei uns war es stets der Heftverkauf. Das wird sich durch und nach Corona nicht ändern. Und wir wollen auch nicht, dass es sich ändert.
Vor dem Start von ballesterer brennt, haben wir uns gefragt, ob wir noch zeitgemäß sind – Journalismus auf Papier, in der Nische eines kleinen Markts. Ihr habt uns gezeigt, dass es uns noch braucht. Und wir werden auch euch immer brauchen. Ihr bleibt unser Fokus. Wir hoffen, dass ihr das Monat für Monat, Heft für Heft an unserer Arbeit merkt. Und wir hoffen, dass wir euch dadurch von unseren Qualitäten überzeugen. Verlängert eure Abos, verschenkt Abos, kauft in unserem Shop und werdet Mitglieder im ballesterer supporters club. Wenn ihr euch das coronabedingt oder generell nicht leisten könnt, redet über uns und empfehlt uns. Brennt also weiter für den ballesterer.