Von langer Hand geplant war der Aufbau der E-Sports-Abteilung des FC Wacker Innsbruck nicht. „Wir haben einen FIFA-Pro-Club-Verein und unser größter Traum ist es, als FC Wacker aufzutreten.“ – So seien drei Fans 2018 auf ihn zugekommen, erzählt Felix Kozubek, Geschäftsführer der Wacker Gaming GmbH. Da war der Verein gerade aus der Bundesliga abgestiegen. „Macht halt“, habe er gesagt und ihnen ein Jahr Zeit gegeben, um zu schauen, ob diese Art von Spiel zu Wacker passt. Es passte – umso mehr, als der Verein vor knapp eineinhalb Jahren einen Investor gewinnen konnte, der E-Sports groß machen wollte. Der Geldgeber ist inzwischen weg, doch gezockt wird bei Wacker immer noch: „FIFA“, „League of Legends“ und bald auch „Rocket League“.
ballesterer: Die E-Sports-Abteilung gibt es seit Juli 2020. Was ist das Konzept dahinter?
Felix Kozubek: Unsere Idee ist es, das Thema breiter anzugehen. Wir wollen nicht nur E-Sports als Bewerb abdecken, sondern auch Gaming im Blick haben. Kurz gesagt: E-Sports ist der Leistungssport, Gaming der Breitensport. Fußball ist ein Melting Pot, dort kommen Menschen zusammen, die gemeinsam Spaß haben. Das kann man im E-Sports genauso handhaben, und wir gewinnen dadurch neue junge Fans. Der Altersdurchschnitt von Fußballfans steigt jählich, so auch bei Wacker. Aber wir wollten nicht die Fußballmarke missbrauchen, sondern etwas Eigenes machen, deshalb auch der Name Wacker Gaming.
Das heißt, Sie wollen sich im E-Sports eine Basis aufbauen, die unabhängig vom Fußball ist?
Man muss sich von der Idee lösen, eine Masse von E-Sports-Fans mit Fußball begeistern zu können oder umgekehrt. Das ist nur ein geringer Prozentsatz, der sich als Schnittmenge auftut. Wir sehen das so, wie wenn man ein neues Haus betritt. In unserem alten Haus kennen wir jeden Winkel, im neuen Haus der E-Sports-Sektion gibt es noch viel zu entdecken. Da sind wir noch eine kleine Nummer. Aber wir können lernen, das Beste aus beiden Welten herauszuholen. Wir können sehr viele Dinge aus dem Fußball auch im E-Sports anwenden: Wie begeistere ich Spieler, wie läuft das Spielermanagement – das kann ich alles nutzen. Auf der anderen Seite profitiert auch der Fußball von den digitalen Geschichten im E-Sports.
Trägt sich die Gamingabteilung selbst, oder muss der Fußballverein unterstützen?
Unser früherer Investor hat einen hohen Betrag in den E-Sports gesteckt. Davon haben wir profitiert. Wir haben für uns eine Strategie festgelegt, die drei Kreise definiert. Im innersten Kreis geht es um E-Sports und unsere Spieler, die wir als unsere Athleten sehen. Die werden versorgt wie die Fußballer, mit Fitnesstherapie, Mentalcoaching und Physio. Das ist unser Kern. Der zweite Kreis beschreibt im Wesentlichen den Content, den wir anbieten. Da wollen wir Reichweite aufbauen. Damit geht es in den dritten Kreis, die Vermarktung. Da müssen wir jetzt drauf schauen, um uns selbst zu tragen. Aber das funktioniert ganz gut. Dieses Jahr können wir unser Budget selbst generieren, das ist auch die Vorgabe.
Wenn Sie ein neues Team gründen wollen, wie läuft das? Können Sie da frei entscheiden?
Der Verein ist das Mutterschiff, ich bin dort im Vorstand und gleichzeitig Geschäftsführer der E-Sports-Abteilung. Es gibt aber keine festen Regeln, es geht vor allem um Akzeptanz, beim Vorstand und den Mitgliedern. Wir haben ein „League of Legends“-Team, geplant ist zudem noch ein Team für „Rocket League“ genauso wie für „Valorant“.
Welche Rolle hat „FIFA“ in diesem Konzept? Im E-Sports-Universum führt das Spiel ja eher ein Nischendasein.
Ja, für uns ist „FIFA“ dennoch wichtig, weil es die Möglichkeit bietet, vom Fußball abgeleitet etwas Neues zu starten. Als erster Schritt ist „FIFA“ perfekt, aber ein großes Wachstumspotenzial sehe ich nicht. Wir haben bei anderen Disziplinen deutlich mehr Zuschauer. Das liegt an der komplizierten Ligenstruktur von „FIFA“ und auch daran, dass es ein Einzelsport ist. Damit ist es dem Tennis deutlich näher. „League Of Legends“ ist dagegen dem realen Fußball ähnlicher, weil du dort als Team antrittst, einen Trainer hast, der einen Matchplan erstellt, und so weiter.
Mit Philipp Gutmann steht der derzeit beste österreichische „FIFA“-Spieler bei Ihnen unter Vertrag. Aber in der eBundesliga darf er für Sie nicht antreten, weil Wacker kein Fußball-Bundesligist ist. Ist das ein Problem?
Was die eBundesliga macht, ist richtig cool. Für Wacker Gaming ist eine unserer Missionen, Akzeptanz zu schaffen. Das gelingt vor allem über Sichtbarkeit, und da hat die Bundesliga etwas Tolles gestartet. Aber wir sehen beim Modus noch Entwicklungspotenzial. Wenn du in der Bundesliga vertreten bist, musst du in der eBundesliga antreten. Als Team, das um den Klassenerhalt kämpft, hast du aber ganz andere Dinge im Kopf, als noch ein E-Sports-Team zu betreuen. Das führt dazu, dass du Vereine hast, die mitspielen müssen und nicht wollen, und andere Vereine, die wollen, aber nicht dürfen. So haben wir zu zwei Drittel den Titel des SK Sturm mitgefeiert. Sowohl Philipp Gutmann als auch Muhittin Yösavel spielen eigentlich bei Wacker, sind aber mit Sturm Meister geworden. Es wäre wünschenswert, einen Weg zu finden, wie man die Ausstrahlung der Bundesliga nutzt, sodass der E-Sports, unabhängig davon, in welcher Liga der Verein spielt, gelebt werden kann.
Was sind die weiteren Pläne und Ziele für die Abteilung?
Wacker Innsbruck ist 108 Jahre alt, Wacker Gaming ist gerade einmal ein Jahr alt. Wir stecken noch in den Kinderschuhen, aber wir haben schon ein gutes Fundament gelegt. Der nächste Schritt ist, noch mehr Akzeptanz zu schaffen, im Verein und außerhalb. Wir müssen neue Sponsoren begeistern. Nur wenn weiterhin Geld in die Branche fließt, wird sie nachhaltig wachsen und sich stabilisieren. Rein sportlich wäre es natürlich schön, wenn wir mit Wacker in der eBundesliga spielen könnten. Aber das ist nur eines von mehreren Zielen, wir wollen auch in „League of Legends“ aufsteigen.