Zu Landhaus gekommen bin ich durch einen Fernsehbericht über Frauenfußball, ich glaube im „Sport am Montag“. Da ist mein Wunsch größer geworden, Fußballerin zu werden. Das war 1988, ich war 14. Davor habe ich schon in meinem Heimatort Eichgraben mit den Buben mittrainiert. In der Meisterschaft mitspielen habe ich als Mädchen aber nicht dürfen.
Nach dem Bericht haben meine Eltern keine Ruhe mehr von mir gehabt. Ich wollte zu Landhaus. Meine Mama hat dann vom Verband die Telefonnummer vom Herrn Traxler bekommen. Der ist ihr als Guru des Frauenfußballs genannt worden. Gerhard Traxler hat ihr gesagt, dass er Obmann von Landhaus sei. Wir sind zum Landhaus-Platz gefahren, und ich habe gleich mittrainieren dürfen. Von da an war ich nicht mehr vom Fußball abzubringen. Für das Nachwuchsteam war ich schon zu gut, deshalb habe ich mit meinen 14 Jahren mit den Erwachsenen gespielt.
Mit 15 habe ich eine Lehre in der Tischlerei vom Magistrat im 16. Bezirk angefangen. Ich bin zwischen Eichgraben und Wien gependelt. Mein Tag hat um 5.30 Uhr begonnen. Nach der Arbeit bin ich nach Hause gefahren, eine Stunde später wieder nach Wien zum Training. Die Fahrt hat fast zwei Stunden gedauert. Am Anfang bin ich vom Training früher gegangen, damit ich um zehn Uhr abends zu Hause war – meine Mutter hat das so gewollt. Später habe ich sie überreden können, dass ich erst um elf nach Hause komme. Mit 16 bin ich mit dem Moped gefahren. Natürlich waren das lange Tage, aber ich habe mich nie gefragt, wieso ich mir das antue. Fußball ist bei mir ganz oben gestanden, dann erst die Familie, dann die Arbeit. Die Familienfeste sind nach meinem Terminplan ausgerichtet worden. Meine Mama hat genau gewusst, wenn sie eine Geburtstagsfeier an einem Matchtag macht, werde ich nicht dabei sein.
Musical für Meisterinnen
19 Jahre bin ich bei Landhaus geblieben. Vereinswechsel waren damals nicht üblich. Du warst Landhaus-Spielerin, und du bist Landhaus-Spielerin geblieben. Wenn ich an die Zeit zurückdenke, fällt mir nur Positives ein: viel Spaß, viel Training, viele Erfolge. Der Zusammenhalt im Team war einmal besser, einmal schlechter. Es hat eine Gruppe gegeben, die miteinander fortgegangen ist – da war ich dabei. Die dritte Halbzeit haben wir recht gut feiern können. Wir haben immer um den Titel gespielt. Am Anfang war der große Konkurrent Leoben, dann Kleinmünchen. Das Zuschauer- und Medieninteresse hat sich trotzdem in Grenzen gehalten. Für Meistertitel sind wir von der Stadt Wien zu einem Musical ins Ronacher eingeladen worden. Das war super. Auch im Rathauskeller waren wir eingeladen. Damals habe ich mich über diese Preise gefreut, heutzutage würde ich mir etwas anderes denken.
Am Landhaus-Platz haben auch die Herren trainiert, die, glaube ich, in der Wiener Liga gespielt haben. Die Trainingssachen sind ihnen zur Verfügung gestellt worden. Ihnen sind die Schuhe geputzt und die Trainingswäsche gewaschen worden. Sie haben eine fixe Kabine gehabt. Die sind mit einem kleinen Tascherl zum Training gekommen, das Handtuch ist ihnen hingelegt worden. Eigentlich haben sie nur die Unterwäsche mitbringen müssen. Das hat es bei uns am Anfang nicht gegeben. Du hast die Kabine immer räumen müssen, weil die auch der Nachwuchs gebraucht hat. Später haben wir eine Frauenkabine gehabt, da haben wir dann die Schuhe liegen lassen können. Das Handtuch und die Trainingswäsche haben wir aber selber waschen müssen. Wenn du in der A-Mannschaft warst, hast du keinen Mitgliedsbeitrag zahlen müssen. Bei Auswärtsfahrten ist uns der Bus zur Verfügung gestellt worden. Fürs Mittagessen haben wir Geld bekommen. Bei anderen Vereinen hat es das nicht gegeben.
Mit Landhaus habe ich bei Turnieren in Deutschland und Frankreich gespielt. Das war etwas Besonderes. Das schönste Erlebnis war für mich, als wir 1996 mit dem Nationalteam gegen Ungarn am Landhaus-Platz gespielt haben. Es waren viele Zuschauer da. Ich war zu dem Zeitpunkt auch Nachwuchstrainerin bei Landhaus. Für die Mädels war ich ein Vorbild. Die waren stolz, dass sie zu mir „Hallo, Sabine“ sagen haben können. Und wenn Kinder Autogramme wollten – das war wirklich schön. Da hast du ein bisschen etwas zurückbekommen, für die Zeit, die du investiert hast.
USC Landhaus
Gründung: 1. Oktober 1968
Spielklasse: 2. Bundesliga
Stadion: Landhaus-Platz, Floridsdorf
Erfolge: 12 × Meister, 11 × Cupsieger