Die Zahlen aus dem jüngsten Bericht der UEFA zeichnen ein klares Bild: Corona hat den europäischen Spitzenfußball hart getroffen. Laut dem Benchmark-Report liegt 2020 der Umsatzrückgang in den Top-fünf-Ligen im besten Fall – Spanien – bei fünf Prozent, im schlimmsten – Italien – bei 21 Prozent. Nur zwei der 20 umsatzstärksten Klubs des Kontinents verzeichneten im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum, für die anderen setzte es massive Rückgänge. Am schlimmsten traf es Inter vor Manchester United, Paris Saint-Germain, Juventus und Barcelona.
Wie die großen Klubs das Blatt zu ihren Gunsten wenden wollten, ist seit dem vergangenen April bekannt: mit der Einführung der Super League. Ihre Pläne sahen vor, dass sich eine kleine Elite ein Mehr an Einnahmen untereinander aufteilt. Als Nebeneffekt hätten sie die Masse der anderen Klubs endgültig abgehängt und lästige, weil teure Vermittler wie die UEFA und die nationalen Ligen aus der Gewinn- und Verlustrechnung eliminiert. Der Coup scheiterte grandios. Nun wagen sich die Ligen mit ihren Reformplänen aus der Deckung.
Anfang Februar ließ Donata Hopfen, die neue Geschäftsführerin der DFL, mit einem Interview in der Bild am Sonntag aufhorchen. „Wenn uns Play-offs helfen, dann reden wir über Play-offs“, sagte sie. Damit wollte sie wohl einmal das Terrain sondieren. Während es von Fans und zahlreichen Klubs Ablehnung hagelte, hielten die beiden größten Vereine die Diskussion am Leben. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach sich zwar gegen ein Play-off aus, warnte aber vor Denkverboten beim Spielmodus. Bayern-Vorstand Oliver Kahn nannte die Idee im Kicker spannend. In Deutschland ist die Diskussion neu, in Italien ist sie schon einen Schritt weiter. Dort geistert das Play-off seit Pandemiebeginn durch die Medien und die Gremien. Ende Jänner bekräftigte Verbandspräsident Giuseppe Gravina seinen Reformwillen. Im Gespräch mit dem Corriere dello Sport verglich er die Änderung des Ligaformats mit der Drei-Punkte-Regel, die vor ihrer Einführung auch undenkbar erschien.
Warum sich gerade Deutschland und Italien Gedanken über ihre Liga machen, liegt auf der Hand. Sowohl die Bundesliga als auch die Serie A haben deutlich schlechtere TV-Deals als die Primera Division und die Premier League. Und beide litten im letzten Jahrzehnt unter monotonen Meisterschaftsentscheidungen. Von einem Play-off erhoffen sie sich mehr Entscheidungsspiele, mehr Spannung und dadurch höhere TV-Einnahmen. Von diesem größeren Kuchen würde für die großen Klubs in der attraktiven Play-off-Gruppe auch ein größerer Anteil herausspringen. Damit würden sie sich also schrittweise von den Nachzüglern entfernen und gleichzeitig an die internationale Spitze heranrücken.
Während von den Reformideen in Deutschland und Italien vor allem die Elite profitieren würde, geht es in England in eine andere Richtung. Dort wird über mehr Regulierung, die Einbeziehung der Fans und Solidaritätszahlungen nachgedacht. Angestoßen haben die Debatte aber auch nicht Klubs, Ligen und Verbände, sondern Fans und die Regierung. Bei allen Unterschieden haben die Diskussionen eines gemeinsam. Sie drehen sich um grundsätzliche Kämpfe, die an zahlreichen Orten in der ganzen Gesellschaft ausgetragen werden: Wer trägt die Kosten der Krise? Und gibt es eine Umverteilung nach oben oder nach unten?