Der Wacker war eine Erscheinung. Er war der erste Klub, der die Dominanz der Wiener längerfristig brechen konnte. In den 1970er Jahren holte er fünf Meistertitel in das Bundesland, das zuvor fußballerisches Niemandsland und fest in der Hand der Skifahrer war. Plötzlich bestimmten Tiroler nicht nur auf der Piste, sondern auch auf dem Platz. Spieler wie Kurt Jara, Bruno Pezzey und Kurt Welzl wurden zuerst in Innsbruck Stars, dann in Europa.
Der Wacker war nicht nur auf dem Rasen eine Macht, er war es auch auf den Rängen. Anfang der 1990er Jahre wurden die „Verrückten Köpfe“ auf der Nordtribüne des Tivoli vorstellig. Es war die erste Ultragruppe Österreichs, die diesen Namen verdiente. Sie tauchte das Stadion in bunten Rauch, bezog mit „Che“-Guevara-Fahnen und antirassistischen Spruchbändern Stellung. Die „Verrückten Köpfe“ erkämpften sich einen einzigartigen Platz in der Fanlandschaft und bereiteten ihn für andere vor.
Der Wacker war auch ein Klub, der stets gerne größer gewesen wäre, als er war. 2002 folgte auf den dritten Meistertitel in Folge der Konkurs des FC Tirol, in dem der Wacker aufgegangen war. Die Erfolge waren mit Mitteln erkauft, die der Klub nicht hatte. Auch nach der Auferstehung in der Regionalliga und der schnellen Rückkehr in die Bundesliga änderte sich am Problem nur wenig: In Innsbruck fehlte es an Geld für den Spitzenfußball. Kaum ein Jahr verging, ohne dass ein Funktionär um mehr Unterstützung flehte oder einen Sparkurs verordnete.
Der Wacker war nicht nur pleite, sondern auch naiv. Seine Suche nach Geldgebern wurde zur Irrfahrt. Im Winter 2020 gab er sich als Mitgliederverein selbst auf – für das Versprechen auf eine bessere Zukunft, aber ohne die Abkürzung zum schnellen Erfolg zu hinterfragen. Fans und Funktionäre öffneten den Klub einem Investor, den sie nicht kannten. Sie boten ihm eine Mitgliedschaft mit mehr Entscheidungsrechten. Doch so schnell der Investor gekommen war, war er wieder weg. Seither sind zwei weitere angetreten, sie waren so undurchsichtig wie wankelmütig.
Der Wacker ist am Ende. Seine letzten Amtshandlungen sind der Geschichte des Vereins und seiner Fans nicht würdig, das Theater um die Lizenz eine Zumutung. Der Verein braucht einen harten Schnitt, er muss den Neustart wagen. Nicht in der Regionalliga, sondern ganz unten. Nur so kann er sich von falschen Hoffnungen auf den nächsten Heilsbringer lösen. Nur so kann er den Ballast der jüngeren Geschichte abwerfen und das Erbe seiner längeren Geschichte bewahren. Es ist eine Tragödie, wenn ein so großer Name in der Versenkung verschwindet, aber es ist alternativlos.
Der Wacker wird zurückkommen. Kaum ein anderer Klub hätte bessere Voraussetzungen für einen Neustart. Er hat eine treue und aktive Fanszene, die schon mit dem Schlimmsten gerechnet hat. Die Anhänger haben sich die Namens- und Bildrechte vor Jahren gesichert. Damit könnten sie anfangen. Ein Sportplatz wird sich trotz Immobilienkrise finden, andere gefallene Größen können als Vorbild dienen. Der Weg zurück wird beschwerlich sein, vermutlich steht am Ende nicht der elfte Meister titel, sondern vielleicht nur ein Derby mit der Salzburger Austria in der Regionalliga. Aber der Weg wird sich gelohnt haben. Der Wacker wird leben.