Ligareform – Union Wels war dabei. Die Aufstockung der ersten Spielklasse 1982 von zehn auf 16 Teams hievte den Sechsten der zweiten Liga nach oben. Dabei waren die Welser erst zwei Jahre zuvor aus der Landesliga aufgestiegen. Doch die lokale Raiffeisenbank schien als Sponsor auf dem rot-weißen Trikot viel möglich zu machen. Ein geeignetes Stadion konnte auch sie nicht herbeizaubern, aber am Union-Platz wurde zumindest eine neue Holztribüne errichtet, die VIP- und Pressebereich war. Hinter den Toren standen die Fans auf Erdwällen und sahen plötzlich Gäste aus Wien. Gegen die Austria und Rapid kamen 10.000 Zuschauer. Ausverkauft, wenngleich Wels beide Spiele verlor.
Sportlich ging es trotz ehemaliger Teamspieler wie Didi Constantini und Didi Mirnegg im Kader von Beginn bis Ende der Saison um den Klassenerhalt, er gelang und schmeckte umso süßer, weil am letzten Spieltag mit dem LASK ein Lokalrivale 3:1 besiegt wurde. Zurück in die zweite Liga musste stattdessen die ebenfalls gerade aufgestiegene Vienna nach einer 0:7-Niederlage beim GAK. Die zweite Saison wurde für Union Wels zum Albtraum, aber immerhin einem kurzen. Zwar gelang am zweiten Spieltag ein 2:2 daheim gegen Meister Rapid, doch der finanzielle Rückhalt brach ein, als die Raiffeisen als Sponsor absprang. Schon im September war von Zahlungsunfähigkeit des Klubs die Rede.
Punkte ohne Spiel
Fans und Spieler machten mobil. „Wir spielen für Sie weiter. Bitte helfen Sie uns“, stand auf einem Doppelhalter, darunter ein Spendenkonto beim Oberösterreichischen Bauernkredit. Auf den Trikots der Spieler war der alte Schriftzug überklebt und eine Linzer Telefonnummer für interessierte Sponsoren angegeben. Doch die Suche nach Geldgebern war vergeblich. Ende Jänner 1984 erhielten die Spieler ihre Kündigungen, am 1. Februar wurde der Verein liquidiert. Als die Welser dennoch trainieren wollten, fanden sie den Platz versperrt vor, wie die Krone berichtete. „Es ist brutal, was mit uns geschehen ist“, sagte Trainer Milan Miklavic der Zeitung und meinte den Zeitpunkt der Auflösung in der Winterpause. Er habe zuvor noch Angebote ausgeschlagen. Am Ende kamen die meisten Spieler bei anderen Vereinen unter, Miklavic trainierte ab April den SK VÖEST Linz.
Die Liga war gefragt – wie umgehen mit dem Aussteiger? Den Herbst hatten die Welser als Zehnter mit 14 Punkten abgeschlossen. Die Liga entschied, alle Partien der Frühjahrsrunde mit 3:0 für den Gegner zu werten. So kam Nachzügler SC Neusiedl zu zwei seiner vier Punkte und dem einzigen Sieg der Saison. An der Titelentscheidung war Wels am Ende irgendwie trotzdem beteiligt, die Austria wurde Meister dank des besseren Torverhältnisses – oder weil Rapid einen Punkt in Wels hatte liegen lassen.
Die Bundesliga kam aber auch im Frühjahr nach Wels, wenngleich nur kurz. Der SK VÖEST spielte unter anderem gegen die Wiener Austria und den Sport-Club am Union-Platz, weil er sich dort bessere Zuschauerzahlen erhoffte.