Der Schriftzug mit dem hervorgehobenem M am Anfang und dem S am Ende hat einen hohen Wiedererkennungswert. Im violetten Dress mit dem Aufdruck „Memphis“ feierte die Wiener Austria viele ihrer Titel, entsprechend beliebt sind die Trikots. Herbert Prohaska trug sie ebenso wie Tibor Nyilasi und Andi Ogris. Der Name der Zigarettenmarke stand im Klubnamen und zierte Werbebanden im Stadion. Auf Tribünen, in Kabinen und auf Trainerbänken waren Memphis, Marlboro & Co. in den ersten Jahrzehnten der Bundesliga ebenfalls reichlich vertreten, ganz ohne Sponsorengelder.
Starke Raucher
Die Austria Tabak hielt ab 1784 mehr als 200 Jahre lang das Monopol auf Anbau, Verarbeitung und Vertrieb von Tabakwaren. Ab 1935 befand sich die größte Fabrik des staatlichen Konzerns in Linz. Der Werksverein SV Tabakfabrik Linz verfügte auch über eine Fußballsektion, die unter diesem Namen nie erstklassig spielte, aber zur Geschichte des FC Blau-Weiß Linz gehört. Blau-Weiß entstand 1997, nachdem der LASK den FC Linz geschluckt hatte. Der Partner für die Neugründung war der nach der Privatisierung der Austria Tabak finanziell strauchelnde ehemalige Werksklub in der Landesliga.
Prominenter war die Austria Tabak aber ab 1977 mit ihrer Marke Memphis vertreten. Das Geld aus dem Brustsponsoring stärkte der Wiener Austria finanziell den Rücken. Im ersten Jahr sollen 2,5 Millionen Schilling geflossen sein, ab 1978 bereits 3,5 Millionen. Weil die UEFA Trikotwerbung lange distanziert gegenüberstand, beschränkte sich die Sichtbarkeit der Rauchwaren allerdings auf den heimischen Markt. Der langjährige ÖFB-Präsident Beppo Mauhart war als Führungsfigur im Konzern eine weitere Verbindung zwischen Fußball und Tabak – und Raucher.
Auch unter den Profis war das Rauchen wenn nicht üblich, so doch zumindest nicht verpönt. „Drei Minuten vor jedem Spiel fehlt immer einer. Mario Kempes rauchte kurz vor dem Rausgehen stets eine Marlboro am Klo“, sagte Alfred Tatar dem Bundesliga-Journal über seinen Teamkollegen bei der Vienna Mitte der 1980er Jahre. Auch der heutige Rapid-Trainer Zoran Barisic begann während seiner aktiven Karriere zu rauchen. Aus Frust. „Ich habe mit 28 Jahren das erste Mal geraucht. Damals bin ich in Tirol unter Trainer Frantisek Cipro erstmals auf der Tribüne gesessen“, sagte Barisic dem ballesterer 2012. „Da war ich so frustriert, dass ich zur Tankstelle gegangen bin und mir ein Packerl Marlboro Light und ein Feuerzeug gekauft habe. Ab da habe ich geraucht.“
Von Memphis zu Magna
Der 1992 verstorbene Ernst Happel erlebte Einschränkungen für rauchende Trainer nicht mehr. 1997 wurde die Austria Tabak privatisiert, das bedeutete das Ende für den Werksklub, aber nicht für die Tabakwerbung. Das wurde fern von Linz vorbereitet, in Brüssel. Ab 1998 arbeitete die EU an einem Werbeverbot. Die europäischen Mühlen mahlten langsam, doch im 21. Jahrhundert spürten auch österreichische Raucher Gegenwind. Ab 2004 gab es ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen, die Werbung für und das Sponsoring mit Tabakerzeugnissen wurden eingeschränkt. In Favoriten herrschte Abschiedsschmerz: „27 Jahre lang war die Austria Tabak ein loyaler Sponsor des Klubs und investierte in den letzten zehn Jahren mehr als 16 Millionen Euro, das Engagement ging aber weit darüber hinaus“, schrieb die Austria in einer Aussendung. Ab Sommer 2004 wurde der Memphis-Schriftzug durch den Namen Magna ersetzt, die Firma von Mäzen Frank Stronach.
In Kabinen und auf Trainerbänken war das Rauchen untersagt, auf den Tribünen nicht. Ein Stadion sei ein öffentlicher Ort, aber kein Raum, wie ein Vertreter des Gesundheitsministerium 2008 dem Standard erklärte. Es fehle das Dach. Während die englischen Stadien rauchfrei wurden und auch in Deutschland über Nichtraucherzonen geredet wurde, ließ sich der österreichische Fußball Zeit. 2020 untersagte die Betreiberfirma des Innsbrucker Tivoli das Rauchen auf den Rängen. In der Bundesliga unterscheiden sich die Regelungen noch heute. So ist das Stadion in Wals-Siezenheim rauchfrei, bei Rapid, der Austria und Sturm gilt nur in den Innenräumen ein Verbot. In den neuen Linzer Stadien werden unterschiedliche Wege gegangen: Der LASK folgt dem Beispiel von Red Bull. Im Donaupark im Besitz der alten Tabakstadt ist das Rauchen, außer im Familiensektor, auf den Tribünen gestattet. Auf der Klubwebseite steht dazu: „Wir ersuchen jedoch, die Zigaretten auszudämpfen und in den vorgesehenen Behältern zu entsorgen.“