Am Anfang war der Name, der herausstach aus der Tabelle der ersten englischen Liga: Queens Park Rangers. Er klang lässig, versprach royalen Glanz und war in London beheimatet, Sehnsuchtsort der 1970er Jahre. Und es war keiner jener englischen Vereine, die alle anderen in der Schule cool fanden. Zu Beginn war es eine reine Wochenendbeziehung: Sonntagszeitung aufschlagen, Ergebnisse und Tabellenstände checken.
Wirklich gesehen habe ich die Rangers zum ersten Mal in den späten Abendstunden des 22. Mai 1982. Und zwar auf FS1, wo eine Aufzeichnung des FA-Cup-Finals zwischen dem Zweitligisten QPR und Tottenham Hotspur lief. Das Unentschieden gegen die „Spurs“ und die 0:1-Niederlage im Replay eine Woche später waren ein Vorgeschmack auf das, was den Verein ausmacht: Oben mitspielen, ohne dort wirklich dazuzugehören; für Überraschungen sorgen und es dann im letzten Moment doch noch vergeigen; durch und durch Mittelklasseverein sein und sich dennoch viel wichtiger nehmen.
Backstein und Plastik
Die Liebe zu den Queens Park Rangers ist auch die Liebe zum britischen Fußball der 1980er Jahre. Wenn man heute im Westen Londons durch die Gassen mit den Backsteinhäusern in Richtung Loftus Road geht, ist alles wie früher. Die Fans in den blau-weiß quergestreiften Trikots, der Geruch der Burgerstände, der Verkäufer mit einem Karton Stadionzeitungen, der fliegende Händler mit den Anstecknadeln. Und schließlich das Stadion, seit den 1980er Jahren bestenfalls kosmetisch verändert. Ein in die Jahre gekommener Anachronismus in neuen Fußballwelt. Sportlich hat QPR einen Stammplatz in der zweitklassigen Championship, aber es kann schon einmal eine Liga tiefer gehen, bevor man dann wieder für ein Jahr in der Premier League mitspielen darf.
Auch heute noch kann man QPR als Familienverein bezeichnen, der seine Anhängerschaft vor allem aus der Region rekrutiert und von Auswüchsen des Fußball-Übertourismus verschont geblieben ist. Etwa 14.000 Zuseher*innen sind das Stammpublikum, in der Premier League ein paar mehr, in der League One ein paar weniger. Recht viel mehr hätten an der Loftus Road, die 18.000 Leute fasst, auch nicht Platz.
Abseits des Sportlichen geht es bei den „Super Hoops“ manchmal etwas greller zu. Der erste Kunstrasen im englischen Profifußball? Natürlich an der Loftus Road, wobei der Slogan „Fantastic on Plastic“ noch das Beste dieser Episode war. Reality TV in den 2000er Jahren? Natürlich bei QPR, die mit „The Four Year Plan“ einen unfreiwillig offenherzigen Einblick in den täglichen Wahnsinn zwischen Boardroom, sportlichem Management und Fans erlaubten. Financial Fair Play? Natürlich ist es QPR, wo man 2011 aufgrund von Malversationen mit Spielervermittlern bis zur letzten Minute nicht wusste, ob der Aufstieg geschafft war oder ein Punkteabzug ihn doch noch vereiteln würde.
Von VHS zu QPR+
Es war in den 1990er Jahren für mich nicht leicht, an Tickets zu kommen. Ich musste mir aus Wien eine Fan-ID-Card organisieren, die nach dem Taylor-Report für Spielbesuche verpflichtend geworden war. Aber auch später war der Kontakt lange holprig, viele Jahre lief meine Information über englische Fußballmagazine und das abonnierte Stadionprogramm, das häufig mit wochenlanger Verspätung in Österreich eintraf. Dann und wann gab es die grobkörnige Aufnahme eines Spiels auf VHS-Kassette – ein Highlight.
Verglichen damit lebt man heute im Schlaraffenland, spielt doch Social Media den täglichen QPR-Content in Wort, Ton und Bewegtbild auf Handy und Tablet. Und die Spiele sind dank vereinseigenem Kanal, Name: QPR+, verlässlich übers Internet zu empfangen. Launiger Kommentar durch die blau-weiße Vereinsbrille inklusive.
Hin und wieder muss ich dann aber schon selbst auf die Insel. Als QPR-Mitglied mit ausreichend Loyalty Points bekommt man Tickets auch für Wembley, wenn es wieder einmal so weit ist. Momente wie das Last-Minute-Siegestor von Bobby Zamora im Aufstiegsplayoff 2014 gegen Derby County sind Erinnerungen für die Ewigkeit. In Wirklichkeit sind es aber dann doch die Busfahrten mit dem „QPR Supporters Club“ auf der verregneten M1 am Weg zu einer vermeidbaren Niederlage irgendwo in den Midlands, die das Leben als QPR-Fan am besten beschreiben. Sie wird vergessen sein, wenn ich mich eine Woche später in QPR+ einlogge – und mich vielleicht über einen völlig überraschenden Sieg freuen kann.