Es ist ein Idyll mit Ablaufdatum. Eingebettet zwischen Häuserreihen und dem Dornbacher Friedhof harrt der Sportclub-Platz einer ungewissen Zukunft. Morsche Sitzbänke, schimmelnde Wände und bröckelnde Bausubstanz prägen das Bild in dem seit 1904 bespielten Stadion. Manfred Tromayer, seit Juli 2013 Präsident des Wiener Sportklub, hat mit der Übernahme der Vereinsspitze auch die Sorgen um die Spielstätte geerbt. Zwar konnten in den letzten Monaten dank Mithilfe einiger Fans und Vereinsmitarbeiter oberflächliche Ausbesserungen getätigt werden. „Aber die sind nur kosmetischer Natur“, sagt der Präsident. Es bedürfe einer Komplettsanierung. „Mit einem kaputten Stadion kann der Sportklub nicht an die Zukunft denken“, sagt Tromayer, im Zivil beruf Baumeister.
So weit, so bekannt – auch für die Wiener Politik. Vertreter von Stadtregierung und Bezirk haben sich wiederholt für eine Sanierung des Stadions ausgesprochen. Ein im Vorjahr ausgearbeiteter Entwurf fand jedoch nicht die Zustimmung des Vereins und der Fans. Zuletzt wurde der Gemeinderat mit einer Absichtserklärung im Vorfeld der Nationalratswahl vergangenen Herbst aktiv. Bewegt hat sich seitdem nichts, zumindest nicht öffentlich.
ZENTRALES DORNBACH
Geht es nach Tromayer, könnten die Bagger schon anrollen. Gemeinsam mit drei Architekten habe er Pläne erstellt, die Ausarbeitungen wurden den Verantwortlichen der Stadt übergeben und lägen im Kofferraum seines Autos bereit, sagt der Baumeister. Das Ausmaß des Projekts wirkt auf den ersten Blick eine Nummer zu groß fkrebbür einen Regionalligisten, denn die Gesamtkosten belaufen sich auf 40 Millionen Euro. Doch von Größenwahn will Tromayer nichts hören: „Die Pläne haben Hand und Fuß. So ein Projekt für ein Stadion mitten in der Stadt gibt es in Europa noch nicht. Es ist für jeden etwas dabei: eine große Turnhalle für den Schulsport, eine Tiefgarage, Gastronomie, 13.000 Quadratmeter Wohn- und Gewerbeflächen.“ Auf die Frage, wie er das finanzieren wolle, sagt Tromayer: „Von den Gesamtkosten bleiben neun bis zehn Millionen Euro für das Stadion übrig. Der Rest lässt sich vermarkten und über die Betreiber der Anlagen finanzieren.“ Aus dem Sportclub-Platz soll so ein Zentrum des Bezirks werden – mit einer eigenen U-Bahnstation. Denn im Rahmen des U5-Baus soll in den nächsten zehn Jahren eine Haltestelle in Stadionnähe entstehen.
Tromayer betont, die Gespräche mit der Stadt und dem Bezirk seien am Laufen. „Wir sind gekampelt, haben den schönen Anzug an und warten sehnsüchtig auf den nächsten Termin beim Bürgermeister.“ Die Fans waren nach Auflösung der Stadiongruppe, in der Funktionäre mit Anhängern an Lösungen arbeiteten, zuletzt nicht aktiv eingebunden. Martin Roßbacher, Obmann der „FreundInnen der Friedhofstribüne“, sieht das entspannt. „Mir ist wichtig, dass wir dabei sind, wenn es konkret wird“, sagt der Fanvertreter. „Wir haben Mindestanforderungen, die erfüllt werden müssen. Dazu gehört der Erhalt unseres Klubheims The Flag, das an Matchtagen viele Leute anzieht.“
BAUSTELLE TRAININGSZENTRUM
Die Vereinsführung wiederum verknüpft den Neubau des Stadions mit einer Sanierung des Nachwuchszentrums in Ottakring,. Auch hier bestehe dringend Handlungsbedarf, sagt Vizepräsident Matthias Kandler: „Die Anlage ist die schlechteste, die ein Verein unserer Größe in Österreich hat. Zeigen Sie mir einen Platz, auf dem 300 Kinder trainieren, der so ausschaut.“ Das Präsidium wünscht sich eine Sanierung des Trainingszentrums mit Mitteln der Stadt, querfinanziert durch ein Wohnprojekt. „Auf dem Gelände könnte ein Haus mit rund 4.500 Quadratmetern Wohnfläche errichtet werden“, sagt Tromayer. „Der Bauträger hätte den Vorteil, dass er das Grundstück nicht kaufen muss.“ Mit den Einnahmen will Tromayer nicht nur das Trainingszentrum renovieren, es sollen auch drei Millionen für die Sanierung des Sportclub-Platz übrig bleiben.
ZURÜCK IN EINE GEEINTE ZUKUNFT
Neben der kaputten Infrastruktur plagen den Verein aber noch andere Sorgen. Nach dem von der Fußballsektion verursachten Konkurs des Wiener Sportclub 2002 spalteten sich die Kicker ab und spielen seither mit einem „K“ statt einem „C“ im Namen. Im Gegenzug für die Nutzung des Wappens und der Vereinsfarben trug der neue Verein ab 2005 zur Entschuldung des WSC bei. Weil der Vertrag 2015 ausläuft, wird seit geraumer Zeit an einer Rückführung gebastelt, der allerdings die prekäre Finanzsituation der Fußballer entgegensteht. Zwar betont die Vereinsführung, die Überschuldung von 260.000 auf 100.000 Euro reduziert zu haben, Arbeit bleibt dennoch genug. „Die aktuelle Saison ist noch nicht ausfinanziert“, sagt Tromayer, der das Budget mit rund 650.000 Euro beziffert. „Wir wollen die Schulden bis Ende der Saison abbauen. Zusätzlich muss zwar noch einiges aufgearbeitet werden, einer Rückführung des WSK in den WSC steht dann von unserer Seite nichts mehr im Weg.“
Bleibt die sportliche Misere. Der Sportklub hatte auf einem Abstiegsplatz überwintert, zu Beginn der Rückrunde verschaffte sich der Verein wieder ein bisschen Luft. Dass ein Abstieg den Bauprojekten nicht zuträglich wäre, ist logisch. Seine Spielstätte sieht der WSK jedoch nicht in Gefahr. „Wenn uns jemand das Stadion wegnehmen will, glaube ich nicht, dass er das politisch überlebt“, sagt Tromayer. Und Vizepräsident Kandler ergänzt: „Wir sind mit einer Vorlaufzeit von vier Wochen und einem Loch von 400.000 Euro in die Saison gestartet und sind noch da. Da wird uns auch die Wiener Liga nicht umbringen.“