Kricket wirkt aus der Zeit gefallen. Der Sport hält sich bis auf wenige Ausnahmen seit 1788 an dasselbe Regelbuch. Dazu kommt das langatmige Format und altmodische Vorschriften: Wichtige Länderspiele dauern fünf Tage, das Match wird für das Mittagessen und die tea time am Nachmittag unterbrochen. In anderer Hinsicht war Kricket seiner Zeit weit voraus. Schon 1992 führte der Weltverband ICC einen third umpire ein, der auf der Tribüne das Spiel auf einem Bildschirm verfolgte und von den zwei Schiedsrichtern auf dem Feld zurate gezogen werden konnte. Bald kamen andere Hilfsmittel dazu. Der Snickometer, der 1999 erstmals eingesetzt wurde, stellt zum Beispiel Schallwellen grafisch dar. So lässt sich überprüfen, ob der Schlagmann den Ball, und sei es noch so leicht, berührt hat oder nicht – ein Unterschied, der dramatische Folgen auf den Ausgang des Spiels haben kann. Seit 2009 dürfen nicht mehr nur die Schiedsrichter auf dem Feld, sondern auch die Spieler den Check durch den dritten Offiziellen einfordern. Sie müssen dafür ein „T“ mit ihren Armen formen.
Die rote Fahne
Diese Geste gibt es im American Football nicht, doch auch in der NFL, die als erste US-Profiliga den Videobeweis schon in den 1980er Jahren testete, können Überprüfungen von den Teams eingefordert werden. Um davon Gebrauch zu machen, werfen die Trainer rote Fähnchen, die sie im Regelfall in der Hosentasche eingesteckt haben, auf das Feld. Zweimal pro Spiel dürfen sie diese benutzen, sind sie in beiden Fällen erfolgreich, bekommen sie eine dritte challenge als Belohnung.
Weil es in manchen Spielen aber mehr als drei Fehlentscheidungen gibt, führte das System anfänglich dazu, dass Teams diese machtlos hinnehmen mussten – ganz egal, wie spielentscheidend sie waren. Seit 2011 werden daher alle Touchdowns automatisch überprüft, seit dem Jahr darauf auch alle Ballverluste. Eine der größten Herausforderungen bei diesen reviews ist der subjektive Aspekt. Was beim Fußball die Intensität eines Körperkontakts ist, ist im American Football die Frage, ob ein Ball wirklich gefangen war.
Tennis hat diese Probleme nicht. Der Schiedsrichter und seine Assistenten müssen im Regelfall nur eine Entscheidung treffen: War der Ball noch auf der Linie oder schon im Out? Seit 2006 bekommen sie dabei Unterstützung durch die Hawk-Eye-Technologie, die mithilfe von Hochgeschwindigkeitskameras eine Computersimulation erstellt, auf der zu erkennen ist, wo der Ball gelandet ist. Die Spieler müssen diese Überprüfungen selbst einfordern, drei stehen ihnen pro Satz zu, gezählt werden nur verlorene challenges. Wenn das Hawk-Eye ihnen recht gibt, könnten sie also theoretisch nach jedem Punkt eine Überprüfung verlangen. Die technische Revolution befreite aber auch das Tennis nicht vom konservativen Muff: Wenn beim Turnier in Wimbledon die Königin anwesend ist, müssen sich die Spieler vor dem Match in ihre Richtung verbeugen.